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3. Februar 2012



Neujahrsempfang des CDU Stadtverbandes Schlitzerland

Von Sigi Stock

Schlitz
Es ist bereits zu einer gewohnten Tradition geworden, dass am Anfang des Neuen Jahres der CDU Stadtverband Schlitzerland seine Mitglieder, Freunde und Gönner und nicht zu vergessen die interessierte Bevölkerung, zu einem Neujahrsempfang mit Meinungsaustausch untereinander, einlädt.

Auch diese Mal fand der Empfang in der gudd Stubb, im Rittersaal der Vorderburg, statt.
Die Begrüßung oblag dem CDU-Stadtverbandsvorsitzender Alexander Altstadt. Ein besonderer Gruß erfuhr Stadtoberhaupt Hans-Jürgen Schäfer sowie in diesem Jahr als Gastredner eingeladene Regierungspräsent Dr. Lars Witteck aus Gießen.

In seinen Ausführungen schlug Witteck einen großen Bogen, zum einen mit geschichtlichen Details - angefangen im Jahre 1265 mit der Zerstörung der Burg Niederschlitz mit der Trennung zu Fulda und dem Übertritt zum protestantischen Glauben, den dazugehörigen wirtschaftlichen Faktoren damals wie heute und dem Wunschgedanke wieder zum Kreis Fulda zu wechseln. Seit 1972 wurden alle Schlitzerländer Dörfer in die Großgemeinde Schlitz und diese wiederum in den Vogelsbergkreis eingemeindet.

Wenn man so etwas wie eine Restauration anstrebe, Witteck weiter, wenn tatsächlich Bestrebungen bestehen, sich denjenigen zuzuwenden, mit denen die dunkelsten Zeiten der Stadtgeschichte verbunden seien, dann müsse man auch darüber reden, was den Erfolg und den Zusammenhang einer Regien ausmacht und die Zugehörigkeit dieser bedeutet? Dazu müssten einige Überlegungen angestellt werden: Beim Blick zurück auf das Jahr für Deutschland und Hessen - müsse man objektiv sagen - des es ein gutes Jahr für beide war. Das Land sei gut durch die schwerste Wirtschafts- und Finanzkrise seit der Weimarer Republik hindurchgekommen. Die Daten der Wirtschaftsleistung und den Arbeitslosenzahlen stehen wie vor 20 Jahren.

Witteck reihte dazu eine Analyse von Wirtschaftszahlen Hessens auf. Den Menschen gehe es gut, dies werde jedoch kaum thematisiert und kaum wahrgenommen. Trotzdem müsse man aufpassen, der Wohlstand sei in Deutschland - und auch in Hessen - nicht gleichmäßig verteilt. So gut man auch von der Nachbarschaft der Metropolregion Frankfurt /Rhein Main dem Zentrum profitiere, sie werfe auch Probleme auf. Diese Nachbarschaft übe eine enorme Sogwirkung aus, die sich auf Menschen, Kapital und die Initiativen auswirke. Denn immer mehr junge und gut verdienende Leute ziehen weg, sie kehren dem ländlichen Raum den Rücken.

Damit sinke die Einwohnerzahl auf dem Lande und gleichzeitig auch das Durchschnittsalter. Des Weiteren habe der Wegzug fatale Auswirkungen im Bereich der Fachkräfte. Auch die Folgen des demographischen Wandels seien fatal: Die Kosten für die Unterhaltung der Infrastruktur, für Bürgerhäuser, Kläranlagen, Kanalrohre, Sportplätze bleiben konstant, müssen jedoch auf immer weniger Menschen umgelegt werden. Die ärztliche, vor allem aber die pflegerische Präsenz vor Ort, werde langsam prekär. Die Versorgung mit Lebensmitteln und Dienstleistungen (Post, Banken etc.) sei schon heute in vielen kleinen Orten nicht unmittelbar mehr gegeben.

Wer kein Auto habe, sei auf Hilfe von Nachbarn und Verwandten angewiesen. Die Bildung in Kindergärten, Grund - und weiterführenden Schulen werde zunehmend an fehlenden Kindern leiden. Und trotzdem: in ländlichen Gemeinden herrschen die seit Jahren gewachsenen Strukturen. Hier wohnen und arbeiten Menschen, sie sich in ihrer Stadt wohl und heimisch fühlen - „Heimat sei mehr als ein Ort, an dem abends das Bett steht, Heimat ist ein Gefühl, das uns auf allen Ebenen unseres Daseins berührt“, so Witteck wörtlich. In den Kommunen spüre man, was man Lebensqualität nennt. Einen Ort als festen Punkt zu haben, als Wurzel, sei nach wie vor wichtig. Einen Ort, der Geborgenheit und Halt vermittele. In den urbanen Zentren hingegen herrsche weitreichende Anonymität. Die Entstehung sozialer Netzwerke könne das Schwinden des sozialen Zusammenhalts nicht ausgleichen, da sie nicht in der Lage sind die physische Interaktion zu ersetzen.

In der heutigen Zeit, so Regierungspräsident Dr. Lars Witteck in seiner Ansprach weiter, werde es immer schwieriger, politische Entscheidungen zu vermitteln. Die Menschen seien von den Anforderungen der modernen Arbeits - und Wissenschaftsgesellschaft oft er erschöpft. Deshalb werde es auch immer schwieriger, das Vertrauen der Bürger in die Politik zu erhalten, bzw. wieder aufzubauen. Witteck stellte die Frage: Wie könne man auf dieses Phänomen reagieren? Welche Ideen habe man für den ländlichen Raum?

Die Christdemokraten müssten sich hier für diese Region einsetzen und kämpfen, dass nicht alles in die Metropolregion fließe und hier nur der doofe Rest lebe. Man müsse eine Strategie für die Attraktivität des ländlichen Raums entwickeln. Dazu gehörten folgende Bausteine: 1. Ausbau des ÖPNV 2. schnelle und sichere DSL - Verbindungen, 3. weitere Stärkung der bundesweit einzigartigen Hochschuldichte, 4. verstärkte Nutzung Erneuerbarer Energien 5. Erhaltung sozialer Strukturen 6. kommunaler Finanzausgleich zugunsten einwohnerschwacher, großflächiger Gemeinden mit vielen Ortsteilen, vielfältig vorzuhaltende Infrastruktureinrichtungen in diesen Ortsteilen und Änderung langer Ver - und Entsorgungswege in Hessen.

Dafür sei es unbedingt wichtig, gemeinsam zu arbeiten und mit einer Stimme bei Entscheidungsträgern für die Ideen kämpfen. Man müsse gemeinsam und besser kommunizieren! Auch in Schlitz, so Witteck zum Abschluss seiner rede, laufe die Kommunikation nicht ganz rund! Sein Rat und Wunsch „Kapseln sie sich nicht ab. Glänzen sie in der Region Mittelhessen als eine starke Stadt. Auch Schlitz werde gebraucht. Schlitz befinde sich geographisch und auch wirtschaftlich in einer sehr guten Position.

Schlitz sei die Schnittstelle der Regionen Rhein - Main, Mittelhessen sowie der Rhön. Ich würde mich sehr freuen, wenn sie die Chancen nutzen, die sich aus ihrer optimalen geographischen Lage ergeben. Nutzen sie ihre Verbindungen zu Fulda, Kassel, Rhein - Main, ebenso zu Mittelhessen. Sie können bei allen das Beste abgreifen“. Bezug nehmend auf die Straßenbeitragssatzung: „Alle Kommunen des Landkreises Fulda haben eine Straßenbeitragssatzung in Kraft gesetzt. Also, bleiben sie doch bei uns, wir freuen uns, dass wir Sie haben.“ Die Rede Wittecks wurde von den Anwesenden mit viel Applaus quittiert. Bei Sekt und kleinen Häppchen gab es im Anschluss noch Redebedarf. Dr. Lars Witteck stand in vielen Gesprächen Rede und Antwort.



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