Prozess: Firmendaten unberechtigt heruntergeladen?
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Vogelsberkreis
Nach über zwei Stunden hätte die Verhandlung vorbei sein können – wenn der Angeklagte dem Vorschlag von Amtsrichterin Britta Jansen-Matthies gefolgt wäre und seinen Einspruch gegen einen Strafbefehl zurückgezogen hätte.
So aber wurde vor dem Amtsgericht Alsfeld am Dienstagvormittag ein Folgetermin vereinbart. Dann sollen weitere Zeugen Klarheit in die Frage bringen, ob sich der 54-Jährige des „unberechtigten Herunterladens von Firmendaten“ schuldig gemacht hat.
Der Angeklagte aus dem Vogelsbergkreis hat sich inzwischen selbstständig gemacht, nachdem er zuvor bei einem heimischen Unternehmen tätig gewesen war. Staatsanwalt Jochen Fabrizius wirft ihm vor, „aufgrund betrieblicher Spannungen, und weil er um den Fortbestand seines Arbeitsverhältnisses fürchtete“, den umfangreichen Datenbestand inklusive Personal- und Kundendaten zunächst kopiert und nach einem Backup auf die private Festplatte heruntergeladen zu haben.
Diese war während einer polizeilichen Hausdurchsuchung in einer Werkzeugkiste gefunden worden. Gegen den 54-Jährigen war ein Strafbefehl erlassen worden, worauf dieser Einspruch eingelegt hatte.Während der letzten Verhandlung wies der Mann, dem Rechtsanwalt Adolf Tausch zur Seite steht, den Vorwurf mehrfach zurück. Vielmehr seien nur Datenverzeichnisse kopiert worden, welche er für die Erstellung eines Messekataloges gebraucht habe – woran er vornehmlich zu Hause gearbeitet habe.
Unternehmer tritt als Nebenkläger auf
Darunter hätten sich weder Kunden- oder Personaldaten noch irgendwelche Rechnungen befunden. Ins Rollen gekommen war die ganze Geschichte, nachdem das Unternehmen dem 54-Jährigen wegen angeblich falsch aufgeschriebener Arbeitszeiten zunächst fristlos gekündigt hatte. Um eine Auseinandersetzung vor dem Arbeitsgericht nicht aus ufern zu lassen, habe man sich auf eine „normale“ Kündigung geeinigt, wie der Firmenchef erklärte. Nach dem Ausscheiden des früheren Mitarbeiters, und weil es wohl augenscheinliche Verdachtsmomente gab, sei dessen PC von einem externen Sachverständigen unter die Lupe genommen und dabei seien die Manipulationen entdeckt worden.
Der Experte habe unter anderem herausgefunden, dass die in Frage kommenden Daten zwei Monate nach der erwähnten Messe überspielt worden seien.
Der Unternehmer, der in dem Prozess als Nebenkläger auftritt und von Rechtsanwalt Helge Romberg vertreten wird, sprach von „wichtigen und spezifischen Daten für die Firma, die kopiert worden sind“. Diese seien zwar nicht geschützt gewesen, fielen aber unter die Vertraulichkeit, zu der sich jeder Mitarbeiter verpflichten müsse. Darunter hätten sich auch „sehr sensible Daten zu Angeboten und Rechnungen für andere Firmen“ befunden. Sein Fazit: „Wenn mit diesen Daten Schindluder betrieben wird, dann kann man Unternehmen wie uns glatt an die Wand fahren“.
Unklar blieben indes die Motive, die den 54-Jährigen bewegt haben könnten, sich der fremden Daten zu bemächtigen.
Zwar will er aufgrund des betrieblichen Klimas „höchstens über Alternativen“ zu seinem Arbeitsplatz nachgedacht haben, doch wurden vor Gericht verschiedene E-Mails an Bekannte verlesen, in denen unter anderem davon die Rede war, „dass das Konzept für unsere neue Firma in meinem Kopf schon fertig ist“.
Die Verhandlung wird am kommenden Dienstag, 21. Februar, 15 Uhr, vor dem Amtsgericht Alsfeld fortgesetzt.
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