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4. Februar 2012



Spuren des Bibers im Schlitzerland

Von Hans-Peter Sauerwein

schlitz
Anlässlich der Jahreshauptversammlung des NABU berichtete Heiner Müller von dem Biberprojekt der Oberen Naturschutzbehörde beim Regierungspräsidium (RP) Mittelhessen und des NABU.

Dabei sollten gerade jetzt im Winter die Flussauen von Fulda und Schlitz beobachtet werden, ob Biberspuren vorhanden sind. „Gerade der Winter bietet sich zur Beobachtung an“, betont Heiner Müller. „Da verlässt das dämmerungsaktive Tier das Gewässer und nagt mangels frischer Gräser die Rinde von Weichholzbäumen ab“. Herr Müller ist im Schlitzerland der offizielle „Biberbeauftragte“ des Regierungspräsidiums, da sich in den letzten zwei Jahren Meldungen über Biberspuren an Fulda und Schlitz gehäuft hatten.

1987 im Spessart wiederangesiedelt
In Hessen galt der Biber seit 1864 als ausgerottet. Seit den 70-er Jahren des letzten Jahrhunderts bemühte sich die Hessische Gesellschaft für Ornithologie und Naturschutz (HGON) um die Wiederansiedlung des Bibers. Die Gesellschaft hatte Verbindungen zu Biberforschern in der damaligen DDR und in Polen, wo es den Biber noch gab. Sie konnte in den 80-er Jahren die Hessische Landesregierung von dem Projekt Wiederansiedelung überzeugen. Als Standort wählte man ein 94 Hektar großes Naturschutzgebiet an den Flüssen Sinn und Jossa im Spessart. 1987 setzte man dort erst sechs, 1988 dann 12 Biber aus, die man aus der damaligen DDR bekam. Die Tiere siedelten sich an und wurden heimisch. Mit der Wiederansiedelung kehrte auch ein Stück natürliche Fließgewässerlandschaft nach Hessen zurück.

200 Biber in Hessen
Schnell überwand der Biber natürliche Grenzen wie Wasserscheiden und breitete sich in Hessen aus. Im vergangenen Jahr zählte man 200 Exemplare in Hessen, davon neun Reviere in der Wetterau. Immer wieder kamen dabei auch Meldungen von der Fulda. Deshalb ergriff die Obere Naturschutzbehörde gemeinsam mit dem NABU Schlitz die Initiative und informierte Ende des vergangenen Jahres auf einer Veranstaltung im Festsaal der Vorderburg Waldbesitzer, Angelvereine, Landwirte und zuständige Behörden über den Biber, seinen Lebensraum und seine Gewohnheiten.

Viele Spuren im Schlitzerland
„Wir haben hier in den letzten Monaten im Schlitzerland Fraßstellen entlang der ganzen Fulda von Hemmen bis runter nach Solms gefunden“, berichtet Heiner Müller. „Entlang der Schlitz liegen aber noch keine gesicherten Erkenntnisse vor“. Ein Biber wurde aber im letzten August mehrfach am Rimbacher Wehr gesehen. Ob der Biber bereits hier siedelt, oder noch auf der Suche nach einer geeigneten Stelle für seinen Bau ist, kann man nicht sagen. Dazu bedarf es weiterer Beobachtungen, denn der Zugang zum Bau liegt immer unter Wasser und führt unterirdisch hoch in einen trockenen „Wohnkessel“. Nicht sofort wird aus einem Biberbau auch eine Biberburg. Die entsteht erst, wenn Boden oder Decke des Baus zu dünn sind und einzustürzen drohen. Dann sammelt der Biber Äste und Zweige und stützt von oben die Decke ab.

Gesetzlich geschützter Vegetarier
Ein Grund der Informationsveranstaltung in der Vorderburg war, Ängste und Vorurteile gegenüber dem neuen Mitbürger abzubauen. Der Biber ist Vegetarier und somit niemandem einen Fisch wegfressen. Im Sommer ernährt sich das bis zu 30 kg schwere Tier von frischen Gräsern am Uferrand. Im Winter ist es die Rinde von Weichhölzern und kleinen Ästen. Dabei kommt ihm auch seine Körpergröße zu Gute. Er misst vom Kopf bis zum Rumpf bis zu einem Meter, sein Schwanz (Kelle genannt) zusätzliche 35 cm. Richtet sich der Biber auf, können die Fraßspuren schon einmal in gut 80 cm Höhe liegen. Durch dieses Nagen schärft er auch seine ständig wachsenden Schneidezähne.

Ausgleichszahlungen bei Schäden
Sollte ein Biber im Schlitzerland wirklich Schäden anrichten, z. B. an Obstbäumen oder durch den Einbruch von Uferböschungen, melden sie diese bei Herrn Heiner Müller (Tel. 1884) oder direkt beim RP, Frau Fuchs (Tel. (0641) 3 03 55 84). Beide nehmen auch gerne ihren Anruf entgegen, wenn sie interessante Beobachtungen zu melden haben.



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