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23. Juni 2012



Zahlreiche Zuschauer waren bei der Sprengung des Schornsteins vor Ort

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Wartenberg
Der Begriff des „Public Viewing“ ist wegen der Fußball-Europameisterschaft derzeit in aller Munde, und irgendwie erinnerte am Donnerstagnachmittag die Sprengung des Schornsteins des ehemaligen Dachziegelwerkes zwischen Lauterbach und Angersbach an ein kleines Volksfest.

Viele Schaulustige hatten sich eingefunden; manche davon sogar mit Klappstühlchen und Erfrischungsgetränken – und die allermeisten mit Kameras aller Art. Gemeinsam wurden Methoden diskutiert, wie ein solcher Schornstein wohl am besten zu sprengen sei. Um zwei Minuten nach 15 Uhr ertönte die Hupe von Sprengmeister Erwin Meder, und gut fünf Sekunden nach Auslösung der Zündung neigte sich der 42 Meter hohe Rundkamin, um genau auf das vorbereitete Fallbett zu stürzen, bestehend aus lockerem Abbruchmaterial.

Wenige Minuten zuvor hatte die Polizei damit begonnen, die B 254 in beiden Richtungen für den Verkehr zu sperren, nachdem Sprengmeister Erwin Meder gemeinsam mit Beamten sowie den beiden Facharbeitern Reinhard Bellinger und Steffen Preis der Fuldaer Firma Wende Erdbau eine so genannte „Gefährdungsbegehung“ durchgeführt und dafür gesorgt hatte, dass sich in einem Radius von rund 100 Metern kein Unberechtigter aufhielt. Die Sorge galt insbesondere der Bundessstraße in 47 Metern und einem Wohnhaus in 35 Metern Entfernung.

Die Bewohner eines weiteren Hauses hatten Glück und durften, da exakt 100 Meter vom Ort des Geschehens entfernt, gemeinsam mit weiteren Neugierigen das Schauspiel im Garten verfolgen. Einer lugte gar aus dem Dachfenster heraus. Für so manche vorbeifahrende Radfahrer war der Menschenauflauf überraschend: „Hallo, wird hier heute gesprengt?“ Und als die Antwort „Ja“ lautete, ließen sie es sich nicht nehmen, dem Schauspiel ebenfalls beizuwohnen. Am Vormittag waren die Bohrlochladungen angebracht und mit 26 Sprengsätzen versehen worden, deren Gewicht bis auf das kleinste Gramm stimmen musste.

Dann wurden diese mit elektrischen Kurzzeitzündern versehen und mit feuchtem Lehmbesatz nach außen abgedichtet. Verwendet wurden insgesamt acht Kilogramm des Sprengstoffes „Eurodyn 2000“, der laut Auskunft der Experten über eine hohe Brisanz und Dichte sowie über eine gute Detonationsübertragung verfügt.

„Absolut faszinierend“ fand der überwiegende Teil der Zuschauer das Geschehen, von denen so manche sich als „Mauerspechte“ betätigten und zur Erinnerung Steine des früheren Schornsteins forttrugen. Einer hatte gar das Bäumchen unter dem Arm, das bis zuletzt auf dem Kamin gethront hatte.

Neben Diplom-Ingenieur Matthias Klemens, Geschäftsführer der Firma Wende Erdbau, zeigte sich auch der Wartenberger Bürgermeister Manfred Dickel sehr angetan vom Ablauf der Sprengung, konnte den Fragenden allerdings auch keine Antwort darauf geben, was mit dem ehemaligen Dachziegelwerk geschehen solle, das bis zu Beginn des Jahres 2000 in Betrieb gewesen war. Dies sei Sache des Eigentümers, der Familie Riedesel. 


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