HÜNFELD Auf die Suche nach verborgenen Spuren begab sich die Theaterwerkstatt der Wigbertschule: Sie präsentierte einen Streifzug durch 700 Jahre Hünfeld, dessen Schauplatz die gesamte Innenstadt bildete.
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Regisseur Arnold Pfeifer und seine 19 Akteure hatten anhand einiger markanter historischen Begebenheiten der Haunestadt die Szenen für ein völlig neues Open-Air-Theaterstück erarbeitet. Der Theaterspaziergang durch die Stadt fiel zur Premiere zwar wegen anhaltenden Regens buchstäblich ins Wasser, und die Veranstaltung musste in die Stadthalle Kolpinghaus verlegt werden. Dass die Theaterwerkstatt bis dahin nur ein einziges Mal im Gebäude geprobt hatte, fiel dem Publikum aber nicht auf.
Die Zuschauer wurden als Laienforscher im Foyer der Stadthalle begrüßt. Sie trafen auf die aufgedonnerte und feinfühlige Archäologin Cora Schiller und den faktenfixierten Archäologen Harald Pfeifer. – Beide auf ihre Art erpicht darauf, das Rätsel um einen mysteriösen Knochenfund in der Hindenburgallee zu lösen. Über die charmante Improvisation der Schauspieler Nadia Trapp und Arne Hettwers, die die Rahmenhandlung übernommen hatten, konnte man nur staunen.
Der Spaziergang durch die Stadtgeschichte startete bei der jüdischen Familie Nußbaum, zeigte den 1888 der Brandstiftung beschuldigten Wachtmeister Steinmann und endete zunächst im Jahr 1525, wo die Angst der Bauern dem Wunsch nach Freiheit und Gleichheit aller Menschen gegenüberstand.
Archäologe Pfeifer, der bis zu diesem Punkt nichts von den „Schwingungen“ mitbekommen hatte, die seine Kollegin an den Schauplätzen empfand, begann nun auch, all die Erinnerungen an Hünfelds Vergangenheit lebendig vor sich zu sehen. Mike der Ziegenbock sorgte als Amtsbock in der Gaalbernmetropole für Geschwätz. Der Überfall Napoleons auf die Hünfelder Frauen an Erntedank, Bürgermeister Johann Adam Försters Fürsorge für sein verwahrlostes Volk in den Hungerjahren 1847 bis 1848, die auch in der Haunestadt betriebene Hexenverbrennung sowie Erfinder Konrad Zuse durften im weiteren Verlauf des Theaterspaziergangs nicht fehlen.
Die Akteure zeigten große Präsenz und gingen mit dem Publikum auf Tuchfühlung. So liefen sämtliche Schauspieler zum Finale durch die Reihen und zitierten das offene Buch Hünfelds, sangen sich zurück auf die Bühne und verabschiedeten sich unter tosendem Applaus. Schulleiter Alfred Helgert bezeichnete das Theaterstück als gelungenes Experiment und eine gute Mischung aus Unterhaltung und Anregung zum Nachdenken. Immer wieder stellte sich während der Aufführung die Frage, was man tun muss, damit man in Erinnerung bleibt. Die Theaterwerkstatt hat mit viel Engagement und Talent dafür gesorgt, dass sie nicht in Vergessenheit gerät.
Von unserer Mitarbeiterin
Katja Henkel
Veröffentlicht am 04.06.2010 21:05 Uhr Zuletzt aktualisiert am 06.06.2010 19:19 Uhr