GRÜSSELBACH Der Strom und die Wärme für die Grüsselbacher sollen künftig auch in einer Biogasanlage produziert werden. Diese Vorstellung gefällt den meisten Einwohnern, auch Leonhard Reuter.
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Aber er ist nicht mit dem geplanten Standort der Anlage einverstanden. „Die Biogasanlage soll zu nah an den Ort gebaut werden. Das sind nur 98 Meter von meinem Grundstück entfernt“, kritisiert Reuter, der betont, dass er kein genereller Gegner des Projektes ist. Ein Problem hat er nur mit dem gewählten Standort: „Biogas verursacht immer Gerüche. Und die Windrichtung führt von dort genau ins Dorf.“ Die Mehrzahl der Grüsselbacher steht allerdings hinter dem Projekt und dem Standort, erklärt Jürgen Hahn von der Nahwärme-Genossenschaft, die sich vor einigen Tagen gegründet hat. 43 der insgesamt 55 Haushalte seien Mitglieder. Reuter ist sich bewusst, dass er zumindest in der Öffentlichkeit allein gegen den Standort kämpft. Doch der 56-Jährige weiß, dass er „heimliche Unterstützer“ hat. „Grüsselbach ist ein kleiner Ort, in dem viele verwandt sind. Die wollen keinen Streit untereinander. Das kann ich verstehen“, sagt er und ergänzt: „Es tut mir leid, dass ich gezwungen bin, gegen gute Absichten zu handeln, aber ich will meine Lebensqualität behalten.“
Weil die Kombination aus Biogas- und Hackschnitzelanlage an sich eine gute Idee sei, plädiert er für einen anderen Standort: „Im Vorfeld waren andere Flächen angedacht, die alle aus wirtschaftlichen Gründen verworfen wurden oder nicht genauer untersucht worden sind. Das kann nicht sein.“ Ein Standort, der ihm gefällt, liegt auf der anderen Seite von Grüsselbach in Richtung B 84 und ist 200 Meter vom Ort entfernt. „Ich fordere, dass über den Standort neu nachgedacht und Umweltgutachten erstellt werden“, sagt der Musiker. Seine Befürchtungen hinsichtlich der Emissionen kommen nicht von irgendwoher: „Ich habe mir 18 Biogasanlagen in Mittelhessen angeschaut und eine gruselige Erfahrung nach der anderen gemacht, was Lärm und Gestank betrifft.“
Bürgermeister Berthold Körbel (CDU) kennt die Bedenken, doch er hält den gewählten Standort für geeignet – auch aus ökonomischen Gesichtspunkten. Außerdem seien die Emissionen dort am verträglichsten, weil es bereits mehrere Silos und ein Güllelager gebe und das Gebiet dadurch „vorbelastet“ sei. Von anderen Bürgern seien ihm gegenüber noch keine Beschwerden geäußert worden.
Jürgen Hahn erklärt, dass es schwierig sei, einen Standort zu finden, der allen gerecht werde. Allerdings hält er wie der Bürgermeister die geplante Fläche am geeignetsten. „Es geht nicht nur um die Wirtschaftlichkeit, sondern auch darum, dass die Fahrzeuge bei der An- und Ablieferung nicht durch den Ort fahren“, sagt Hahn. Außerdem ist er überzeugt: „Wenn die Anlage vernünftig betrieben wird, hält sich der Geruch in Grenzen.“ Der Standort, den Reuter vorschlage, habe zu viele Nachteile. Zum einen gebe es dadurch mehr Verkehr im Ort, zum anderen entstünden wesentlich höhere Kosten für die Anschlüsse an das Nahwärmenetz, weil die Fläche weiter entfernt liege.
Von unserer Volontärin
Victoria Bott
Veröffentlicht am 08.02.2010 20:02 Uhr Zuletzt aktualisiert am 08.02.2010 22:24 Uhr