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Interview mit Gunter Gabriel


FULDA Man weiß nicht, wie viel Whiskey und wie viele Zigaretten diese Stimme geprägt haben. Mit seinem tiefsonoren Bass spricht Gunter Gabriel (67) über Johnny Cash, Elvis und sein Leben.


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Bei Ihrem Konzert in Fulda wurden Sie nicht müde zu betonen, dass der „neue Gunter Gabriel“ auf der Bühne steht. Mein Eindruck war, dass das alles gar nicht so neu ist – vielmehr Gunter Gabriel reloaded …
Klar: Das ist eine Weiterentwicklung. Meine Sause-Brause-Zeit ist vorbei. Das liegt aber vor allem daran, dass ich jetzt wieder Leute habe, die sich um mich kümmern. Ich habe eine tolle Plattenfirma und vor allem einen Manager, der mich unterstützt.

Aber bleiben wir dabei: Dass Gunter Gabriel Songs von Johnny Cash auf deutsch singt, ist doch nicht neu, sondern eigentlich nur folgerichtig – oder?
Natürlich. Vor allem: Das war eigentlich die Idee von Johnny Cash. Das Dumme war, dass ich lange keinen Plattendeal dafür hatte. Ich hatte das Glück, dass es kurz vor Johnnys Tod noch geklappt hat, dass ich einige seiner Songs auf deutsch eingespielt habe. Die Idee ist wirklich nicht neu. Vor allem hat mich Johnny Cash immer wieder beeinflusst.

Sie haben auf der Bühne davon gesprochen, wie wichtig Vorbilder sind. Ist Johnny Cash Ihr Vorbild?
Er ist mein Wegweiser. Aber ich bin Deutscher – ich kann nicht Johnny Cash sein. Das geht nicht. Elvis ist der, der mich an die Gitarre gebracht hat. Aber Cash ist der, der mich dazu gebracht hat, Songs zu schreiben.

Bleiben wir beim Stichwort Vorbild: Taugt Gunter Gabriel zum Vorbild?
Ich bin ein gutes Vorbild. Aber auch ein gefährliches Vorbild. Denn ich bin punky, gesetzlos, ein Außenseiter. Das Leben, das ich lebe, wollen nicht alle haben, denn nicht jeder kann so leben. Aber von der Moral her kann ich ein Vorbild sein.    
          
Wenn man Sie auf der Bühne betrachtet, hat man das Gefühl, Sie ruhen in sich selbst. Junge Menschen würden Sie als „real“ beschreiben, andere würden sagen: Sie sind authentisch. Wie stehen Sie dazu?
Authentisch war ich schon immer. Ich muss mich nicht verbiegen. Ich kann nur immer wieder predigen: Kommt zu euch, seid ihr selbst.

Wenn man Ihren Lebenslauf verfolgt, scheinen Sie aber nicht immer bei sich gewesen zu sein. Denkt man da an Ihren mittlerweile legendären Auftritt im Bierzelt …
Das war damals eine Organisationsfrage. Bei der Sache mit dem Zelt hatte ich schlicht falsche Informationen. Ich war zu spät dran, die Leute warteten auf mich, meine Stimme klang schlecht. Da hat eins das andere ergeben.

Aber haben Sie auch solche Tiefpunkte gebraucht, um so zu sein, wie Sie heute sind?
Natürlich. Ich habe mich nie gescheut, meine Meinung zu sagen. Ob über Dieter Bohlen oder damals zu Volkspolizisten in der DDR. Und ohne die Tiefpunkte in meinem Leben wäre ich nicht der, der ich heute bin. Unterm Strich bin ich heute glücklich.

In Ihrem Lied „Ich bin ein nichts“ – ein Cover von Radioheads „Creep“ – fragen Sie danach, was Ihr Vermächtnis ist. Und: Was ist es?
Der Text von „Creep“ – es war sehr schwer, die Rechte zu bekommen – war mir zu klein. Da ging es nur um das Mann-Frau-Thema. Wir Menschen müssen von unserer Arroganz runterkommen. Wir sind alle nur kleine Lichter. Was hat Dieter Bohlen schon geleistet im Vergleich zu einem Albert Schweitzer?

Und was hinterlassen Sie der Welt?
Mein Vermächtnis sind meine Songs. Aber darüber hinaus will ich auch Bücher schreiben.

Wenn man Sie auf der Bühne erlebt, hat man das Gefühl, dass Sie mehr auf der Welt lassen wollen. Sie haben doch eine Botschaft, eine Moral.

Mein Motto, meine Moral lautet: Rühr dich! Das heißt, du musst für dein Leben selber gerade stehen. Das kann ich aus meinem eigenen Erleben nur bestätigen. Klar: Wenn du heute deinen Job verlierst, muss dich der Staat auffangen. Aber doch nicht für immer. Und vor allem: Geld ist nicht alles. Ich bin heute glücklicher ohne meine Zehn-Zimmer-Wohnung und meinen Benz.

Von unserem Redakteur
Thomas Bertz

Veröffentlicht am 15.01.2010 20:23 Uhr
Zuletzt aktualisiert am 17.01.2010 00:27 Uhr


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