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Familie Jörges und 40 Jahre Zuckerfeldlift


OBERNHAUSEN Das Zuckerfeld wirbt damit, ein familienfreundliches Skigebiet zu sein. Da verwundert es nicht, dass sich seit 40 Jahren die Familie Jörges aus Obernhausen um den Lift, die Pisten und das leibliche Wohl der Skiläufer kümmert.


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„Man muss ein großer Idealist sein, um all das zu machen“, erklärt Harald Jörges. Zusammen mit seinem Bruder Ortwin, den Ehefrauen und ihren Kindern sowie Schwester Kerstin sind sie jeden Tag, an dem genügend Schnee liegt, am Zuckerfeld unterhalb der Wasserkuppe. Von morgens 9 Uhr, wenn die Lifte angeschaltet werden, bis nachts kurz vor Mitternacht, wenn die Pisten für den nächsten Tag mit der Pistenraupe präpariert werden, sind die Familienmitglieder auf den Beinen, um gute Bedingungen für die Skiläufer zu schaffen.

„Das ist schon hart, aber wir machen es gerne“, sagt Ortwin. Als der Lift in der Saison 1970/71 eingeweiht wurde, waren die beiden Brüder 12 beziehungsweise 13 Jahre alt. Damals halfen sie schon nach der Schule ihrem Vater Ludwig, Mutter Christa sowie Otto Maul, die den Lift betrieben. Die Idee, auf dem Berg eine Aufstiegshilfe zu bauen, hatte Oskar Wehner. Er war es auch, der zusammen mit Werner Grösch die Anlage finanzierte. „Am ersten Tag, als der Lift in Betrieb genommen wurde, schwänzte ich sogar die Schule“, erinnert sich Harald. Aber die erste Saison sollte schlecht werden. „Lediglich in den Weihnachtsferien lief der Lift, danach nicht mehr“, sagt Ortwin.

Ein ständiges Auf und Ab guter und schlechter Winter ist charakteristisch für die knapp 40-jährige Geschichte des Skigebietes Zuckerfeld. Mutter Christa sagt, dass es sogar zwei Jahre gab, in denen gar kein Schnee lag. „Dagegen gab es auch schon die eine oder andere Saison, an denen über 100 Tage lang der Lift surrte“, ergänzt Harald Jörges. Dabei komme es immer häufiger vor, dass bei den besten Bedingungen, Ende Februar oder Mitte März kaum noch Skiläufer den Weg in die Rhön finden. „Entweder sie wollen nicht mehr oder sie können sich nicht vorstellen, dass Skilaufen noch möglich ist. Denn unten im Fuldaer Land ist häufig alles grau in grau, und bei uns ist noch richtig Winter, so wie jetzt“, sagt Haralds Ehefrau Karin. „Schauen Sie nur, wie herrlich verschneit hier alles ist.“

Bis Mitternacht im Pistenbully

An den Wochenenden bietet sie in Zusammenarbeit mit dem Ski-Club Gersfeld Skikurse an. Wie vielen Jungen und Mädchen sie das Fahren auf den zwei schmalen Brettern beigebracht hat, weiß sie nicht. „Mehrere Hundert“, schätzt Karin. „Und das Schöne ist, dass viele von denen, die hier gelernt haben, immer wieder zu uns kommen. Viele loben die Qualität der Piste“, fügt sie stolz hinzu.
„Dafür nehmen wir uns Zeit“, sagt Harald Jörges. Wenn der Skibetrieb um 22 Uhr endet, steigen er oder sein Bruder Ortwin in den Pistenbully und präparieren den Hang für den nächsten Tag. „Das kann bis zu zwei Stunden dauern, wenn die Piste arg ramponiert war“, erläutert Harald Jörges.

Fünf Leute werden gebraucht, damit der Liftbetrieb gewährleistet ist. Derweil ist Schwester Kerstin in der Zuckerfeldstube und bewirtet die hungrigen und durstigen Skiläufer. Seit etwa 30 Jahren gibt es die Hütte sowie das Flutlicht. „Nur Skilaufen war zu wenig. Die Leute wollten auch was essen und trinken“, erklären Harald und Ortwin. Auch wenn die Zahl der Skiläufer am Zuckerfeld in etwa konstant geblieben sei, habe sich doch einiges in den vergangenen Jahren geändert, sind sich die beiden Brüder einig. Derzeit fahren die meisten unter Flutlicht. Vor allem die Kinder und Jugendlichen sind weniger geworden. „Wahrscheinlich weil heute die Schule länger dauert“, hat Harald Jörges festgestellt. „Die kommen ja erst um 15 Uhr nach Hause. Früher waren um diese Zeit viele schon auf der Piste“.

Nicht neu, aber sehr gut genutzt wird der Snowboard-Funpark. Viele Jugendliche toben sich an den Rails, Kickers, Schanzen und Boxes aus. „Es kommen sogar extra Busse mit Snowboardern, die unser Angebot nutzen“, sagt Harald. Die Familie Jörges hat auch festgestellt, dass die Ansprüche der Skifahrer größer geworden sind. „Wir müssen mit Qualität überzeugen“, sind sie sich einig. Da die Winter nicht immer genügend Schnee liefern – wie im abgelaufenen Jahr vor Silvester – wird auch am Zuckerfeld darüber nachgedacht, eine Schneekanone anzuschaffen, um den Hang künstlich beschneien zu können. Vielleicht können sie ja mit ihren Argumenten den neuen Gesellschafter Frank Schneemann aus Kalbach überzeugen. Ansonsten hilft nur, was Tochter Sarah sagt: „Wir beten die Schneegötter an.“

Wenn das funktioniert und ordentlich Schnee am Zuckerfeld liegt, die Sonne scheint, und die Skiläufer zufrieden sind, dann macht sich auch bei Harald und Ortwin Jörges das Gefühl breit: „Ich will gar nichts anderes mehr machen.“

Veröffentlicht am 23.01.2010 08:09 Uhr
Zuletzt aktualisiert am 24.01.2010 18:02 Uhr


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