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Fulda & Region

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Ein Fuldaer Zocker ist Deutscher Meister


FULDA Mal ist Julian Stempel Polizist, mal ist er Terrorist – sein Ziel ist immer gleich: Julian will beim Computerspiel Counter Strike Source den Gegner besiegen. Vor kurzem ist er Deutscher Meister geworden.


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Zugegeben, was der 24-Jährige aus Fulda erzählt, klingt für „Nicht-Zocker“ eher nach böhmischen Dörfern oder Staaten auf einem anderen Planeten. Doch nach gut einer Stunde hat auch der Laie kapiert, worum es geht. Wie beim Spielen beweist Julian auch während des Interviews Geduld und erklärt, wofür er einen Großteil seiner (Frei-)Zeit aufwendet. Julian ist Profi-Counter-Strike-Source-Spieler in einer Art Bundesliga, die in Spieler-Kreisen ESL Pro Series genannt wird. Zwei Mannschaften mit je fünf Spielern bekämpfen sich so lange, bis ein Team 16 Runden für sich entschieden hat. Bei Counter Strike Source – kurz CS:S – geht es um virtuelle Gefechte zwischen Terroristen und Antiterroreinheiten, bei denen bestimmte Aufgaben erfüllt werden müssen. Wer den Gegner eliminiert oder die Mission erfüllt, erhält Punkte und Geld. Ziel der Polizisten ist es zumeist, ihren Bereich zu verteidigen oder die Gegner zu besiegen. Die Terroristen müssen das Areal erobern oder die Polizisten aus dem Weg räumen.

Was sich blutrünstig und brutal anhört, ist „harmlos“, sagt Julian, der um die Debatte über Ballerspiele gerade nach dem Amoklauf von Winnenden weiß. In Profikreisen werde CS:S zum Beispiel „ohne Blut“ gespielt. „Stirbt eine Figur, verschwindet sie einfach“, erklärt der 24-Jährige. Doch er kennt auch richtige Zocker. „Manche übertreiben es, sie spielen das Spiel, nur um rumzuballern, verwenden für ihr Spiel ein extra Blut-Patch. Das heißt, es spritzt extra viel Blut.“ Und natürlich gibt es schwarze Schafe, sogenannte Cheater, die verbotene Programme einsetzen, dafür aber gesperrt werden. Von all dem hält Julian nichts. Bei Bundesligaspielen gehe es vor allem um Taktik, Logik, Konzentration und Teamarbeit. „Während der Spiele sind wir miteinander im Gespräch. Einer ist der Ansager und gibt die Taktik vor, die man vorher trainiert hat. Da muss man harmonieren“, erläutert der Fuldaer.

Vor zehn Jahren angefangen

Seine vier Mitspieler kennt Julian noch nicht allzu lange. Sie kommen aus München, Frankfurt, Gelsenkirchen und aus Österreich und wurden von der Firma, für die Julian spielt und die die fünf sponsort, zusammengewürfelt. Seitdem trainieren die Jungs etwa drei- bis viermal pro Woche, treffen sich und nehmen an Turnieren auch außerhalb Deutschlands teil. „Das Team bleibt aber nicht immer in derselben Konstellation. Spieler werden ausgewechselt, wenn sie in der Saison nicht besonders gut waren. Es gibt auch einen Transfermarkt. Das ist eben wie beim Fußball“, erklärt der 24-Jährige, der in Gießen BWL studiert und lange Zeit Fußball gespielt hat. Vor zwei Jahren hat ihn die Firma Alternate entdeckt und ihm ein Angebot unterbreitet. „Da habe ich zum ersten Mal für Geld gespielt, aber reich werde ich nicht.“ Spieler in anderen Ländern, die vor allem die ältere Version von Counter Strike spielen, verdienten weitaus mehr, fügt er hinzu.

Die Leidenschaft für das Spiel CS:S hat Julian schon vor gut zehn Jahren gepackt. „Angefangen habe ich damit zu Schulzeiten. Als meine Eltern DSL bekamen, ging es los“, erklärt er. Gemeinsam mit seinen Klassenkameraden – Julian hat an der Winfriedschule in Fulda Abitur gemacht –  wurde gezockt. Und waren seine Eltern am Anfang auch etwas beunruhigt, so verstanden sie nach und nach, dass ihr Sprössling kein gefährliches Spiel spielte, erzählt er. „Ich habe es auch nicht übertrieben.“ Doch nicht nur Julians Eltern waren zunächst wenig begeistert. Auch seine Freundin war skeptisch – bis Julian sie zu einem Spiel mitnahm. „Das Spitzenspiel eines Spieltags wird live in einer Halle ausgetragen. Da haben wir manchmal mehr als 3000 Zuschauer, der Bürgermeister und ein Jugendbeauftragter sind vor Ort.“ Das habe seine Freundin überzeugt – auch wenn viel Zeit für das Hobby draufgehe.

Bei Julian greifen die Zocker-Vorurteile vom einsam im Keller spielenden, bleichgesichtigen PC-Junkie nicht. Er ist das komplette Gegenteil: sozial integriert, lebenslustig. Für sein Studium würde Julian sein besonderes Hobby aufgeben, sagt er. Noch aber ist es nicht soweit. Vor kurzem erst ist Julian Deutscher Meister geworden. Weitere Titel sollen folgen ...

Von Ute Fiedler

Veröffentlicht am 28.01.2010 10:40 Uhr
Zuletzt aktualisiert am 28.01.2010 12:13 Uhr


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  • Gratulation
    geschrieben am 29.01.2010 08:02

    Gratulation an den Meisterzocker.

    Aber immer daran denken, es gibt auch Wichtige Dinge im Leben. Die sollten nicht auf der Strecke bleiben.

    Autor: aus_Fulda
    Beiträge 12
  • Toll
    geschrieben am 28.01.2010 16:00

    Eigentlich mal ein toller Bericht, sehr Sachlich und differenziert, besonders da im derzeit Spiele generell als böse Modeerscheinung abgestempelt werden.

    Ein paar kleine Fehler sind im Detail im Bericht, z.b. gab es das Spiel CS:S vor 10 Jahren noch überhaupt nicht, denn es erschient erst Ende 2004.

    Autor: Christian
    Beiträge 41


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