FULDA Mit der Vernehmung seiner Schwester wurde am Montag der Prozess gegen einen 46-jährigen Türken aus dem südlichen Landkreis fortgesetzt.
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Er soll seine Tochter 384-mal missbraucht und vergewaltigt und die Übergriffe auch als „Strafe“ gerechtfertigt haben. Die 35 Jahre alte Schwester des Angeklagten, die mit ihrer Familie in den Niederlanden lebt, gilt als enge Vertraute ihrer 23-jährigen Nichte, des mutmaßlichen Opfers. Doch von dem Ausmaß der Vorwürfe, die bis ins Jahr 2000 reichen, habe sie nichts gewusst, erklärte die Frau über einen Dolmetscher am Montag vor Gericht. Im Übrigen sei sie sich sicher, dass die Anschuldigungen falsch seien. „Ich vermute, sie will sich an ihm rächen, weil sie glaubt, er sei schuld am Selbstmord ihrer Mutter“ vor rund zehn Jahren“, sagte sie.
Allerdings hatte die Tante etwa im Spätsommer des Jahres 2005 von solchen Vorwürfen erfahren. Damals war die 18-Jährige ins Frauenhaus Bad Hersfeld geflüchtet, von dort holte die Tante sie ab. Auf der Zugfahrt nach Holland habe das Mädchen ihr von sexuellen Nötigungen durch ihren Vater berichtet. Die Reaktion der Tante war zwiegespalten: Einerseits tat sie die Schilderungen als „falsch interpretiert“ ab, anderseits nahm sie ihre Nichte mit nach Holland, „falls die Behauptungen doch zutreffend wären“.
Trotz dieser Ungewissheit fragte die Frau weder bei der 18-Jährigen genauer nach noch sprach sie ihren Bruder darauf an. Als das Mädchen kurz darauf wieder zu ihrem Vater in den Landkreis Fulda gezogen sei, habe sie gedacht, es habe sich alles geregelt, sagte die Tante.
Zur Eskalation kam es dann an einem Abend im Januar 2009, als die Polizei einschritt, weil der Vater die junge Frau in sein Auto zerren wollte. Laut der Schwester gründete der Streit auf der Tatsache, dass er gegen die Hochzeit seiner Tochter, einer Alevitin, mit einem Sunniten war. Nach der Auseinandersetzung zeigte die junge Frau ihren Vater schließlich wegen mehrfachen sexuellen Missbrauchs an, der Mann sitzt seit Mai 2009 in Untersuchungshaft.
Schwer zu verstehen war für die Kammer unter Vorsitz von Richterin Michaela Kilian-Bock, weshalb die 35-Jährige, die ihren Bruder wegen eines Racheaktes seiner Tochter im Gefängnis vermutet, währenddessen die Hochzeit dieser Frau mitfeiert. „Sie sind mir beide wichtig“, sagte die 35-Jährige, die sich ihrer Nichte auch deshalb nah fühle, weil sie ihre Mutter ebenfalls früh verloren habe. Die Zeugin wurde auf Antrag von Verteidiger Hans J. Hauschild – und nach eindringlicher Belehrung – vereidigt.
Der Prozess wird am Montag, 22. Februar, ab 12 Uhr fortgesetzt.
Von unserer Redakteurin
Leoni Rehnert
Veröffentlicht am 08.02.2010 20:13 Uhr Zuletzt aktualisiert am 08.02.2010 22:32 Uhr