11 Fragen zur Zeitumstellung in der Nacht zu Sonntag

29. Oktober 2016
Region

In der Nacht auf Sonntag (30. Oktober) endet die Sommerzeit. In Deutschland werden die Uhren von 3 Uhr auf 2 Uhr um eine Stunde auf Winterzeit zurückgestellt. Für ein halbes Jahr gilt dann die Mitteleuropäische Zeit. Wir haben für Sie die Antworten auf 11 Fragen zur Zeitumstellung aufbereitet.

1. Frage: Uhren vor oder zurück? Wie kann man sich merken, ob vor oder zurück gestellt wird?

Vielleicht mit diesen Merksätzen: „Immer zum Sommer hin.“ Also im Frühjahr eine Stunde vor, im Herbst eine Stunde zurück. Oder: „Zeitumstellung funktioniert wie das Thermometer“, m Frühjahr plus und im Winter Minus. Alternativ: „Bei der Zeitumstellung ist es wie mit den Gartenmöbeln.“ Im Frühjahr kommen sie VOR die Tür, im Herbst ZURÜCK in den Schuppen. Sowie „Im Winter gibt es Winterschlaf.“ Eine Stunde mehr Schlaf, denn die Uhren werden zurückgestellt. Oder: „Spring forward, fall back.“ Im Frühling (spring) den Zeiger eine Stunde vordrehen, im Herbst (fall) eine Stunde zurück.

2. Frage: Sommerzeit, Winterzeit – was heißt das eigentlich?

Seit 1996 stellen die Menschen in allen EU-Ländern einheitlich die Uhren am letzten Sonntag im März eine Stunde vor und am letzten Oktober-Sonntag wieder eine Stunde zurück. In Deutschland sendet die von der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt in Braunschweig programmierte Atomuhr das Signal – für die Uhren der Deutschen Bahn ebenso wie für die Funkuhr daheim. Die juristischen Grundlagen regelt das „Gesetz über die Einheiten im Messwesen und die Zeitbestimmung“.

3. Frage: Wann gab es in Deutschland zum ersten Mal Sommerzeit?

Von 1916 bis 1918. Das Kaiserreich wollte während des Ersten Weltkrieges die Arbeitskraft in der Rüstungsindustrie mit mehr Tageslicht besser nutzen. Auch von 1940 bis 1949 galt die Sommerzeit. 1947 wurden die Uhren gar zwei Stunden vorgestellt, um nach dem Zweiten Weltkrieg mehr Tageslicht beim Wiederaufbau der Infrastruktur zu haben. Unter dem Eindruck der Ölkrise von 1973 rückte die Sommerzeit erneut in den Fokus und wurde 1980 wieder eingeführt gleichzeitig mit der DDR. Das Ziel: Energie sparen.

4. Frage: Wie handhaben andere Länder die Zeitumstellung?

Die Türkei schafft die Zeitumstellung ab. In der Nacht zum Sonntag sollen die Uhren ganz normal durchlaufen, keiner dreht die Zeiger um eine Stunde zurück. Damit entscheidet sich das Land nicht für die Normalzeit, also die Winterzeit, sondern bleibt in der Sommerzeit. Ziel ist die bessere Nutzung des Tageslichtes – und weniger Verwirrung. Die Zeit dauerhaft um eine Stunde zurückstellen – das wollen hingegen immer mehr Menschen in Spanien. Denn in ihrem normalen Tagesablauf hinken sie den Bewohnern anderer Länder zeitlich hinterher. Abendessen gibt es meist erst gegen 22 Uhr. Und das nicht, weil die Spanier allesamt Nachtmenschen wären, sondern weil nach Ansicht vieler das Land quasi einer falschen Zeitzone angehört.

5. Frage: Was halten die Menschen in der Deutschland von der Zeitumstellung?

Auch wenn es dann eine Stunde geschenkt gibt: Viele Menschen in Deutschland würden die Zeitumstellung lieber ganz abschaffen. Laut einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der Krankenkasse DAK halten drei von vier Befragten die Zeitumstellung für sinnlos. Fast 80 Prozent fühlen sich wegen des Wechsels schlapp und müde. Jeder Fünfte ist laut der Umfrage schon einmal wegen der Zeitumstellung zu spät zur Arbeit gekommen. Die Zeitumstellung wurde in Deutschland 1980 eingeführt, um Energie zu sparen. Ob das gelingt, ist allerdings umstritten.

6. Frage: Wie hätten es die meisten am liebsten, und was wäre am gesündesten?

„Die meisten Menschen hätten am liebsten das ganze Jahr über die Sommerzeit“, sagt Matthias Habel, Pressesprecher und Meteorologe von WetterOnline. „Jedoch wäre eine ganzjährige Winterzeit biologisch gesehen viel gesünder für uns. Sie passt besser zu unserem Tagesrhythmus: Morgens wird es früher hell, was das Aufstehen erleichtert und abends schneller dunkel, was beim Einschlafen hilft.“

7. Frage: Wie können Eltern Babys und Kleinkindern die Umgewöhnung erleichtern?

Eltern könnten die Zeitumstellung etwas vorwegnehmen, erklärt Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum in Klingenmünster. Das funktioniert Schritt für Schritt und braucht ein paar Tage Vorlauf. Bei Babys kann man etwa eine Woche vor der Umstellung beginnen. Dann bringt man sie jeden Tag zehn Minuten später ins Bett. „Mit der Zeitumstellung gehen sie dann gewissermaßen zur normalen Zeit ins Bett und stehen zur normalen Zeit auf“, sagt Schlafforscher Weeß. Kleinkinder vertragen durchaus auch größere Schritte – sie können jeden Tag 15 Minuten später ins Bett gehen. Bei ihnen reicht es, ein paar Tage vor der Zeitumstellung damit zu beginnen. Alfred Wiater, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin, rät, nicht nur die Zeiten des Zubettgehens und Weckens anzupassen. Es gehe dabei auch um den Tagesablauf – zum Beispiel die Essenszeiten.

11 Fragen zur Zeitumstellung in der Nacht zu Sonntag

8. Frage: Zeitumstellung – bringt das tatsächlich etwas?

Der Nutzen ist zumindest umstritten: Laut Umweltbundesamt knipsen wir wegen der Zeitumstellung im Sommer tatsächlich abends weniger häufig das Licht an – im Frühjahr und Herbst jedoch wird morgens dafür mehr geheizt. Unter dem Strich gibt es mit der Sommerzeit allein keine Ersparnis, auch weil laut E.ON Energie Deutschland das persönliche Energieverhalten ausschlaggebend für den Stromverbrauch ist und die größten Stromfresser im Haushalt sind Kühlschrank, Waschmaschine und Backofen, die unabhängig von der Jahreszeit in Betrieb sind.

9. Frage: Was spricht außer der umstrittenen Energieeinsparung noch gegen die Zeitumstellung?

Mediziner warnen, dass empfindsamere Menschen Probleme mit dem Hin und Her haben können, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit können die Folge sein. Wenn Menschen normalerweise um sechs Uhr aufstehen, weckt ihre innere Uhr sie nach der Umstellung um fünf. Soll das nicht zur Normalität werden, müssen Betroffene ihren Rhythmus anpassen. Schlafforscher Hans-Günter Weeß rät dafür: im Bett liegen bleiben und entspannt an schöne Dinge denken. Auf keinen Fall sollte man aufstehen. Prof. Martha Merrow von der LMU München rät: am Morgen das Tageslicht fernhalten, zum Abend hin dagegen eine Extradosis Tageslicht holen, etwa mit einem Spaziergang am späten Nachmittag. Damit wird man später müde und weckt am Morgen auch später auf. Die innere Uhr verschiebt sich etwas nach hinten. Generell gilt aber für die Zeitumstellung: Der Wechsel auf die Winterzeit macht vielen Menschen weniger Probleme als der auf die Sommerzeit im Frühjahr.

10. Frage: Welche Argumente gibt es noch gegen eine Zeitumstellung?

Neben dem nervigen Umstellen, etwa an Küchengeräten oder im Auto, erhöht sich mit der Umstellung auf die Winterzeit das Risiko von Wildunfällen. Denn viele Berufspendler sind danach in der Dämmerung auf dem Weg nach Hause, weil es früher dunkel wird. In der Zeit sind auch Wildtiere vermehrt unterwegs. Das erklärt der Deutsche Tierschutzbund. Hoch sei die Gefahr besonders auf Straßen, die durch ein Feld oder einen Wald führen. Von fehlenden Wildwechsel-Schildern sollten sich Autofahrer dabei nicht in falscher Sicherheit wiegen lassen: Auf solchen Straßenabschnitten sollten sie generell vorsichtiger fahren und den Seitensteifen im Blick haben. Zudem steigen bei früher einbrechender Dunkelheit die Voraussetzungen für Einbrecher, um ungestört im Schutz der Dämmerung ihr Unwesen zu treiben.

11. Frage: Seit wann gibt es eigentlich Uhren mit Stunden- und Sekundenzeigern?

Um 3500 v. Chr. unterteilen die ersten Sonnenuhren in Ägypten den Tag in 12 Stunden. Um 3000 v. Chr. entwickeln die Sumerer entwickeln das „Sexagesimalsystem“ mit der Zahl 60 als Basis. Unsere heutige Zeitmessung geht vermutlich darauf zurück. Um 1500 v. Chr. erfinden die Ägypter die Wasseruhr, die als Vorläufer der mechanischen Uhr gelten. Im 14. Jahrhundert entsteht in Europa die Räderuhr. Neu ist das Prinzip der mechanischen Hemmung, das erlaubt, die gleichmäßige Drehung eines Rades in regelmäßigen Abständen kurz zu stoppen und diese Perioden zu zählen. Es gibt erste öffentliche Turmuhren mit Stundenzeiger. Mitte des 16. Jahrhunderts ist auch der Minutenzeiger verbreitet. Mit einer Konstruktionszeichnung des niederländischen Astronomen und Physikers Christiaan Huygens wird 1673 der Sekundenzeiger geboren. / sar, mit dpa-Material