Chinaseuche verbreitet sich in der Region

20. August 2016
Region

Der Virus RHD-2 grassiert momentan in der Region. Da der Impfstoff, der die landläufig als Chinaseuche bezeichnete Erkrankung unterbinden soll, schwer zugänglich ist, zogen die Kaninchenzüchter aus dem Kalbachtal nun Konsequenzen: Sie sagten ihre Schau am Wochenende ab.

Roland Auth hat in all den Jahren, in denen er seinem Hobby als Kaninchenzüchter nachgeht, schon viel erlebt. Aber das ist auch für ihn völlig neu: Erstmals in 37 Jahren als Vorsitzender des Kleintierzuchtvereins K 117 Kalbachtal muss eine Jungtierschau wegen akuter Ansteckungsgefahr kurzfristig abgesagt werden. „In der Region hat sich ein für die Tiere tödlicher Virus ausgebreitet. Das können wir nicht riskieren“, sagt Auth gegenüber unserer Zeitung.

Der RHD-Virus ist unter Kaninchenzüchtern bekannt – und hat vor einigen Jahren eine Mutation durchlaufen, wie Tierarzt Klaus Mörmel aus Eichenzell erklärt. „Dieser RHD-2-Typ ist zunächst nicht in Deutschland vorgekommen, wurde dann aber doch nachgewiesen. Erst vor einigen Wochen ist er zum ersten Mal in der Region aufgetaucht. Seitdem höre ich immer öfter von Fällen, in denen Kaninchen am Virus sterben.“ In Eichenzell hat es schon Todesfälle gegeben.

Die Tiere verbluten innerlich

Der Erreger verursacht ein Absterben des Lebergewebes, aber auch Blutgerinnungsstörungen. Die Infektion führt bei etwa 90 Prozent der erkrankten Tiere innerhalb von 24 bis 72 Stunden zum Tod. Oft kommt es zum inneren Verbluten der Tiere. Zahlen zu erkrankten oder verendeten Tieren lägen nicht vor, da es sich bei RHD-2 nicht um eine meldepflichtige Krankheit handelt, erklärt Dr. Anna Andresen, die im Landkreis für Veterinärfragen zuständig ist, auf Nachfrage unserer Zeitung.

Kaninchen

Züchter Roland Auth muss eine Jungtierschau absagen. / Foto: Corinna Hiss

Gegen den Virus gibt es einen Impfstoff, der den Nagern vor großen Schauen gespritzt werden muss. An diesen kommen die Tierärzte aber nur schwer ran: „Das Problem ist, dass es gegen die Variante RHDV-2 in Deutschland zur Zeit keinen zugelassenen Impfstoff gibt. Die Tierärzte haben jedoch die Möglichkeit bei Ihrem zuständigen Ministerium eine Import-Ausnahmegenehmigung zu beantragen“, erläutert Tierärztin Dr. Andresen.

Erst Ende 2014 hatte eine schlimme Krankheit unter Fuldas Kaninchen grassiert. Damals war es die Kaninchenpest (Myxomatose), die viele Tiere tötete. „Bei der Myxomatose und der RHDV-2-Infektion handelt es sich um Viruserkrankungen mit einer hohen Letalität bei den betroffenen Kaninchen, die jedoch von völlig unterschiedlichen Erregern hervorgerufen werden“, erklärte Dr. Anna Andresen vom Veterinäramt.

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Die Myxomatose werde durch ein Kaninchen-Pockenvirus hervorgerufen, und erkrankte Tiere fallen vor allem durch Apathie, geschwollene entzündete Augenlider sowie Entzündungen im Bereich der Ohren, des Mundes und des Genitalbereiches auf. Die Veterinärin weiter: „Bei RHD-Viren handelt es sich um Caliciviren, die bei den betroffenen Kaninchen Lebernekrosen und Blutgerinnungsstörungen hervorrufen.“ Von beiden Erkrankungsgeschehen könnten sowohl Wild- als auch Hauskaninchen betroffen sein. / chi, rdi, sar

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