Mysterium Linkshänder: Diese schlimmen Folgen kann eine Umerziehung haben

04. Mai 2016
FULDA

Um Linkshänder ranken sich viele Mythen. Viele von ihnen finden sich in einer auf Rechtshänder eingestellten Welt nur schwer zurecht. In allen Kulturen gelten Menschen mit einer dominanten rechten Hand als normal. Doch warum ist das so? Und welche Schäden kann eine Umerziehung nach sich ziehen?

Fast jeder Linkshänder kennt das: Der Handrücken ist mit Tinte übersäht, die Schrift im Heft verschmiert. Hinzu kommt der Kampf mit dem College-Blocks, deren Ringe auf der linken Seite sich in die Hand graben. Ganz zu schweigen von Dosenöffner und Kartoffelschäler. Unsere Welt scheint einfach nicht für Linkshänder gemacht zu sein.

Redewendungen wie „Das schaffe ich doch mit links“ oder „zwei linke Hände“ haben sich in unser kollektives Gedächtnis eingebrannt. Der eine Spruch sagt so viel wie „Das fällt mir so leicht, dass ich es mit meiner unbeholfenen linken Hand schaffe“. Der andere Spruch ist tollpatschigen Menschen gewidmet, denen „nicht einmal“ mit der Rechten etwas gelingen will.

Wohl mehr Linkshänder als geschätzt

Zwar muss die linke Hand nicht minderbegabt sein. Das zeigen berühmte Persönlichkeiten wie Ludwig van Beethoven, Napoleon Bonaparte oder Pablo Picasso. Sie sollen alles mit links gemacht haben. Auch der US-Präsident Barack Obama schreibt mit links. Dennoch gilt als Exot, wer Linkshänder ist. Die Welt wird dominiert von Rechtshändern.

Schätzungsweise 10 bis 15 Prozent der Weltbevölkerung sind linkshändig. Experten wie die Psychologin Johanna Barbara Sattler gehen dabei jedoch von einer noch höheren Dunkelziffer aus, da auch heute noch viele Linkshänder umgeschult werden oder sich selbst auf die rechte Hand umstellen.

Ursache weiterhin ungeklärt

Offenbar werden heute jedoch weniger Linkshänder zum Umlernen gezwungen, denn ihre Anzahl steigt kontinuierlich an. Viele Fachleute vermuten sogar, dass es naturgegeben fast genauso viele Links- wie Rechtshänder geben soll. Beweisen konnten sie das bislang allerdings nicht.

Auch ist noch nicht eindeutig klar, warum ein Mensch Linkshänder ist. Experten gehen von einer genetischen Komponente aus. So tritt Linkshändigkeit bei eineiigen Zwillingen – obwohl genetisch nahezu identisch – nicht häufiger als bei gewöhnlichen Geschwistern auf. Außerdem beträgt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind mit zwei linkshändigen Elternteilen ebenfalls mit links schreibt, nur 26 Prozent. Der Einfluss von Sexualhormonen wie Testosteron in der Schwangerschaft wird ebenfalls vermutet

Linkshänder

Der Blick in die Gehirne von Rechts- und Linkshändern fördert Interessantes zu Tage. Während bei Rechtshändern die linke Gehirnhälfte dominant ist, ist es bei Linkshändern die rechte. Diese wird mit Kreativität und Vorstellungsvermögen in Verbindung gebracht. Die Linke ist für rationales Denken zuständig.

Am deutlichsten wird diese Dominanz einer Gehirnhälfte wirkt sich nicht nur auf die Händigkeit aus. Meist ist auch die jeweilige Körperhälfte stärker und geschickter. Die vorherrschende Hand ist dabei der Hauptakteur, wenn Feinmotorik und Geschicklichkeit gefordert sind. Die andere hilft bei der Planung der Aktion und nimmt Haltefunktionen wahr.

Erste grobe Tendenzen zur Ausprägung der Händigkeit kann man schon in der 15. Schwangerschaftswoche im Mutterleib erkennen. Mit etwa drei Jahren ist die stärkere Hand genauer zu erkennen. Allerdings kann sie durch erzwungene oder auch freiwillige Umgewöhnung beeinflusst werden.

Schlimme Folgen von Umerziehung

Auf keinen Fall sollte die angeborene Händigkeit gewaltsam oder mit Zwang verändert werden, da dies ein tiefgreifender Eingriff in die Gehirnstruktur des Menschen ist. Sprach- und Lernstörungen sowie Gedächtnisprobleme können die Folgen sein.

Weitere mögliche Auswirkungen der Umerziehung sind eine Lese-Rechtschreib-Störung, beeinträchtigte Konzentration und vorzeitige Erschöpfung. In den schlimmsten Fällen entwickeln sich daraus psychische Probleme wie Depressionen.

Denn auch bei einer Umerziehung wird ein Linkshänder nicht wirklich zum Rechtshänder. Es übernehmen lediglich andere Hirnareale die Steuerung des Bewegungsapparates. Ein umgeschulter Linkshänder muss also gegen eine Fehlbelastung im Gehirn ankämpfen, die unter Umständen lebenslang spürbar ist.

Händigkeit rechtzeitig feststellen

Trotzdem ist dies vielerorts immer noch üblich, Linkshänder umerziehen zu wollen. In dem Glauben, einem linkshändigen Kind die Anpassung an eine rechtshändig orientierte Welt zu erleichtern, ermuntern die Eltern es zur Umstellung auf die rechte Hand. Einige Kinder, vor allem Mädchen, bringen sich sogar selbst bei, alles mit rechts zu machen, indem sie die anderen Rechtshänder nachahmen.

Die Händigkeit sollte noch vor dem Eintritt eines Kindes in die Grundschule geklärt sein. Bei einer festgestellten Linkshändigkeit sollte das Kind dementsprechend gefördert und mit speziellen Linkshänderprodukten ausgestattet werden. Hier empfehlen sich vor allem spezielle Ringbücher, Füllfederhalter, Spitzer und Lineale. So wird der Linkshänder optimal auf den Schulbeginn vorbereitet. Diese sind zwar teuer, aber sie erleichtern den Alltag.

Bei Unsicherheiten helfen spezielle Beratungsstellen für Linkshänder, Psychologen sowie Ergotherapeuten mit Zusatzqualifikation weiter. Bundesweit gibt es etwa 122 Linkshänderberater.

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