Wanzen sorgen für Aufregung in der Region – Quälgeister nun identifiziert

10. Juli 2016
Region

Ein kleines Insekt hat in den vergangenen Tagen in der Region viele Menschen verunsichert und zum Teil sogar gebissen. Laut Experten handelt es um eine Weichwanzen-Art – und mit etwas Glück hat der Spuk bereits sein Ende gefunden.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniel Krenzer

Plötzlich sitzen sie überall auf der Kleidung, stören beim Grillen oder Eis essen. Dutzende der kleinen, orange schimmernden Insekten sind in den vergangenen schwülwarmen Tagen oft auf einen Schlag auf Menschen in der Region gelandet. Meistens blieb das ohne Folge, doch einige Betroffene berichten, von den Tieren gebissen worden zu sein. Einige haben darauf wohl allergisch reagiert, von Quaddelbildung ist die Rede.

„Da alle Wanzenarten stechend-saugende Mundwerkzeuge besitzen, kommt es immer wieder einmal vor, dass versehentlich ein Mensch von einer Wanze gebissen wird“, erklärt Dr. Martin Felke vom Institut für Schädlingskunde in Reinheim, das unter anderem das Gesundheitsamt im Main-Kinzig-Kreis berät. „Allerdings handelt es sich hier eigentlich um eine Art, die nur Pflanzensaft saugt und kein Blut – wie beispielsweise die Bettwanze“, ist selbst der Experte ein wenig überrascht.

Vollkommen harmlos

Eine Mutation also? Eine ausgewachsene Plage? Eine Bedrohung für die Menschen der Region? Mitnichten, beruhigt Biologe Uli Brenner von der Schloss-Akademie Steinau: „Panik ist da unangebracht. Diese Wanzen sind vollkommen harmlos“, versichert er. Brenner vermutet anhand der Optik und dem gruppenhaftem Auftreten, dass es sich um Birkenwanzen handelt. „Da bin ich mir ziemlich sicher“, sagt er.

Die Kleidocerys Resedae, wie der Fachname des kleinen Insekts lautet, sind – wie es der Name vermuten lässt – oft in sehr großer Anzahl an Birken zu finden, doch auch an anderen Laubbäumen fühlen sie sich mitunter wohl. Offenbar haben sie sich in der Region in den vergangenen Tagen derart vermehrt, dass auf den Bäumen der Platz ausging.

Laut dem Radiosender FFH identifizierte Dr. Wolfgang Dorow von Senckenberg-Institut in Frankfurt die Tiere nun hingegen als eine Weichwanze der Art „Psallus varians“. Ansonsten gelten aber ziemlich die ähnlichen Hinweise wie zu Birkenwanzen. Auch diese Weichwanze ernähre sich von Pflanzensäften, vor allem von Buche und Eiche.

Ein kurzes Leben

„Es gibt immer mal solche Phänomene, dass ein Insekt, das jahrelang kaum in Erscheinung getreten ist, plötzlich in großer Anzahl auftaucht. Zum Beispiel beim Maikäfer“, erläutert Brenner. Das sei nicht ungewöhnlich und kein Grund zur Besorgnis.

Für alle, die sich vor den Wanzen ekeln oder die Angst vor Bissen haben, gibt es Hoffnung: Die kleinen Tiere leben nur wenige Tage. Dort, wo zum Beispiel am vergangenen Wochenende noch viele Wanzen unterwegs waren, sind in den letzten Tagen kaum noch Exemplare gesichtet worden. Der größte „Ansturm“ scheint damit vorbei zu sein. Und ob die Birkenwanze sich im kommenden Jahr wieder so stark vermehren wird, steht in den Sternen.

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Dr. Wolfgang Dorow von Senckenberg-Institut bei der Begutachtung. / Foto: FFH