Anklage gegen Mitarbeiter der Bahn – Mutter der toten 16-Jährigen will Gerechtigkeit

07.09.2015
Neuhof/Fulda

Fünf Jahre nach dem tödlichen Unglück im Bahnhof Neuhof, bei dem Sophia (16) von einem glatten Bahnsteig vor einen einfahrenden Zug geraten war, erhebt die Staatsanwaltschaft Anklage gegen vier Mitarbeiter der Bahn. Ob es tatsächlich zum Prozess kommt, ist noch nicht klar.

Von unserem Mitarbeiter Volker Nies

„Wir haben gegen vier Beschuldigte Anklage wegen fahrlässiger Tötung durch Unterlassen – also das womöglich mangelhafte Räumen des Bahnsteigs – erhoben“, erklärt Harry Wilke, Sprecher der Staatsanwaltschaft Fulda, unserer Zeitung. Angeklagt sind der Chef der Gebäudemanagementfirma in Frankfurt, die die Räumpflicht hatte, sowie drei Bahnmitarbeiter.

„Die Anklage ist sehr umfangreich. Die Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass jeder der vier Beschuldigten seinen Pflichten besser hätte nachkommen müssen“, sagte Wilke. Die vier Personen sind als Nebentäter angeklagt: Sie sollen unabhängig voneinander eine Pflichtverletzung zu verantworten haben.

Die Bahnmitarbeiter könnten eine Haftstrafe erwarten

Falls das Amtsgericht die Anklage zulässt und der zuständige Richter nichts anderes entscheidet – er könnte das Verfahren auch ans Landgericht verweisen –, wird vor einem Einzelrichter verhandelt. Das geschieht dann, wenn die Straferwartung bei unter zwei Jahren Haft liegt. Die Staatsanwaltschaft erwartet also eine Verurteilung der Beschuldigten zu bis zu zwei Jahren Haft. Derzeit haben die vier Beschuldigten die Möglichkeit, sich zur Anklage zu äußern.

Die Staatsanwaltschaft hatte zunächst gegen acht Personen ermittelt – fünf Bahnmitarbeiter und drei Beschäftigte von Winterdienstfirmen –, die Ermittlungen aber 2012 eingestellt. Verena Heil-Ruppel, Mutter des getöteten Mädchens, und ihr Anwalt Rudolf Karras beschwerten sich gegen die Einstellung – mit Erfolg. Die Generalstaatsanwaltschaft forderte die Staatsanwaltschaft Fulda auf, weiter zu ermitteln. Diese neuen Ermittlungen führten jetzt zu der Anklage.

Sophias Mutter: Wir kommen der Gerechtigkeit näher

„Ich bin ein bisschen erleichtert. Wir kommen dem Ziel näher, Gerechtigkeit zu erfahren“, sagt die Mutter jetzt. „Es hat sich gelohnt zu kämpfen – auch wenn mich der Prozess sicher wieder runterziehen wird. Meine Bekannten können es gar nicht glauben, dass die Justiz die Sache immer noch nicht geklärt hat.“

„Das Amtsgericht wird nicht darum herumkommen, die Hauptverhandlung zu eröffnen“, ist ihr Anwalt Karras überzeugt. Die Staatsanwaltschaft habe sehr fleißig ermittelt. „Ich bin froh, dass der tragische Tod jetzt endlich aufgeklärt wird. Der Fall hat es verdient, dass die Hauptverantwortlichen benannt werden“, sagt der Anwalt.

Hier einige Bilder von der Trauer nach dem Unglück in Neuhof 2010.

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