Menschenhandel-Prozess: Bordell-Angestellte sagt aus

11. Februar 2016
Fulda

Im Prozess wegen Menschenhandel gegen zwei Brüder aus Rumänien hat am Donnerstag die Putzfrau des Bordells ausgesagt, in dem eine 19-Jährige zur Prostitution gezwungen worden sein soll. Die Zeugin hatte der jungen Frau zur Flucht verholfen.

„Ich hab sofort gewusst: Die macht das nicht freiwillig“, sagte die 57-jährige aus Bad Hersfeld. Sie arbeitet dort aushilfsweise als Putzfrau und Thekenkraft in dem Sauna-Club, in dem die junge Frau unter dem Namen „Alina“ gearbeitet hatte. „Sie hat sich nicht so verhalten, als wolle sie Geld verdienen.“ Die junge Frau habe sich am „Konkurrenzkampf“ um Freier nicht beteiligt, sich zurückgezogen.

Die Zeugin berichtete von einem Vorfall, bei dem die junge Frau sie weinend um Hilfe rief, weil sie nicht mehr mit einem Freier auf ihr Zimmer gehen wollte. Daraufhin erzählte sie ihr, dass sie nicht freiwillig in Deutschland sei. Die 57-Jährige ließ sie in Rumänien anrufen und sprach mit einem Freier, der die 19-Jährige schließlich aus dem Club holte und bei sich aufnahm.

Die beiden Angeklagten – damals 22 und 27 – sollen die junge Frau Ende 2013 nach Deutschland verschleppt, sie vergewaltigt und zur Prostitution gezwungen haben. Das mutmaßliche Opfer hatte vor zwei Wochen ausgesagt. Unter Ausschluss der Öffentlichkeit schilderte sie dem Gericht unter Vorsitz von Richter Josef Richter ihr Martyrium.

„Ich halte die Schilderungen für glaubwürdig“, sagte gestern ein rumänischer Polizeibeamter, der die damals 19-Jährige nach ihrer Rückkehr nach Rumänien befragt hatte. Er sprach dabei auch über Details zu den vorgeworfenen Misshandlungen und Vergewaltigungen. Der jüngere Bruder soll sie in den Bauch getreten und sie zum Geschlechtsverkehr gezwungen haben.

Vieles ist noch ungeklärt

Eine Frage stellt sich dem Gericht immer wieder: Warum hat sich die junge Frau nicht bemerkbar gemacht? Konkret geht es dabei um drei Situationen, in denen sie alleine im Auto gewesen sein soll beziehungsweise mit den beiden Angeklagten in eine Autobahnkontrolle geriet. „Sie hatte Angst, wurde immer wieder mit einem Messer bedroht“, sagte der rumänische Beamte dazu. Auffallend waren auch diesmal die bisher widersprüchlichen Angaben von „Alina“ und „Jasmina“, der Freundin des älteren Angeklagten. Auch sie hatte in dem Sauna-Club gearbeitet. „Jasmina sagte mir immer wieder, Alinas Geschichte sei gelogen. Sie seien beide freiwillig in Deutschland, niemand würde sie zu etwas zwingen oder misshandeln“, berichtete die Zeugin.

Die Verhandlung wird am Donnerstag, 25. Februar, um 9.30 Uhr fortgesetzt.