Auf eigene Faust: Nahwärmenetz für 120 Haushalte

Konzeptkreis plant Nahwärmenetz / Investitionssumme: 2,8 Millionen Euro

25. April 2014
Rothemann

Die Rothemanner haben sich was vorgenommen: Sie wollen auf eigene Faust ein Nahwärmenetz für ihren Ort einrichten. 120 Haushalte sollen angeschlossen werden, 6,5 Kilometer Leitung müssen dafür verlegt werden. Die Wärme für Brauchwasser und Heizung wird die Biogasanlage von Landwirt Christoph Müller liefern.

Ein Teil des Gases, das seit 2010 in Müllers Anlage entsteht, wird "verstromt". "Doch viel der Wärme, die beim Vergären entsteht, nutzen wird gar nicht. Die wird einfach in die Luft geblasen", erklärt der Landwirt. Deshalb entstand die Idee, diese Abwärme zu nutzen und mit einem Nahwärmenetz viele Haushalte in Rothemann zu versorgen.


"In den warmen Monaten würde die Abwärme reichen, um 120 Häuser mit Warmwasser und Wärme für die Heizung zu versorgen", sagt Oswin Rößner, der sich genau wie Müller und 15 andere Männer im Konzeptkreis Nahwärmenetz Rothemann engagiert.

Die Planungen sind nicht ganz neu, bereits Anfang 2013 hatte die damalige ÜWAG-Tochter SynEnergie geprüft, ob ein solches Netz machbar ist; das Vorhaben verlief aber im Sande. Jetzt machen sich die Rothemanner selbst ans Werk und wollen eine Energiegenossenschaft gründen.

Inzwischen ist das Ziel in greifbare Nähe gerückt. Bislang haben sich 100 Interessenten gemeldet, die ihre Häuser an das Netz anschließen lassen wollen. Für die Wärmebezieher ändert sich dann einiges: Öltanks und Brenner haben ausgedient. Stattdessen wird eine Übergabestation im Haus installiert. "Das ist ein kleiner Schrank, der an die bestehenden Hausleitungen angeschlossen wird. Die alten Heizkörper können weiterhin genutzt werden", versichert Ingenieur und Unternehmer Jochen Herget, der mit seiner Erfahrung aus der Kälte-, Wärme- und Klimatechnik den Konzeptkreis bereichert.

Er hat kalkuliert, dass insgesamt 2,8 Millionen Euro investiert werden müssen – allein 1,5 Millionen Euro wird die 6500-Meter-lange Rohrtrasse kosten. Damit – auch wenn die Außentemperaturen unter den Gefrierpunkt fallen – genügend Wärme vorhanden ist, sollen zusätzlich eine Hackschnitzelanlage und ein Heizölkessel zuschaltbar sein.

Finanziert werden soll das zum Teil durch den Genossenschaftsanteil von 5000 Euro, den die Leute zahlen, die angeschlossen wollen werden. Außerdem hofft der Konzeptkreis auf Fördermittel. Aber ohne einen Kredit wird es nicht gehen.

Unterstützung erhalten die Rothemanner von Bürgermeister Dieter Kolb (parteilos): "Es ist toll, wie professionell der Konzeptkreis arbeitet." Und auch die Gemeinde ist daran interessiert, zum Beispiel den Kindergarten an das Nahwärmenetz anzuschließen.

Bürgersprechstunde

Die Mitglieder des Konzeptkreises stehen am Montag, 28. April, bei einer Bürgersprechstunde für Fragen bereit. Von 18 bis 20 Uhr können alle Interessierten im Gemeindezentrum Rothemann ein persönliches Beratungsgespräch in Anspruch nehmen. Eine Anmeldung ist nicht notwendig.

Die Sprechstunde ist sowohl für jene gedacht, die sich bereits Informationen geholt haben, mitmachen wollen, aber noch Nachfragen haben. Auch Rothemanner, die jetzt noch beim Nahwärmenetz einsteigen wollen, sind eingeladen.

Die Datenerhebungsbögen, die alle Interessierten ausfüllen sollen, müssen bis Freitag, 16. Mai, abgegeben werden. Ansprechpartner sind Jochen Herget, (0 66 59) 9 73 16, Christoph Müller, (0 66 59) 29 02 oder Oswin Rößner, (0 66 59) 13 67. / ann