Aus für Fuldas Pferdeklops-Gaststätte: „Bratwurstglöckle“ macht dicht

30. Mai 2017
Fulda

Für eine der bekanntesten Gastwirtschaften Fuldas – das „Bratwurstglöckle“ mit seinem bekannten Pferdeklops – ist Schluss. Nach 79 Jahren in der Innenstadt schließt der Laden Anfang Juni. Nach Plänen von Chef Jens Kern (45) müssen die Osthessen künftig trotzdem nicht auf die Spezialität des Hauses verzichten.

„Am 9. Juni ist an unserem bisherigen Standort Schluss“, teilte das Restaurant, auch bekannt als „Kerns Jakob“, nun auf seiner Internetseite unter www.bratwurstgloeckle-fulda.de mit. „Das tut erst mal weh, war aber aus vielen Gründen die richtige Entscheidung. Wir arbeiten an einem neuen Standort. Das braucht aber ein bisschen Zeit.“

„Wir freuen uns auf unsere neuen Aufgaben und darauf, euch alle dort wiederzusehen“, dankte Besitzer Jens Kern seinen Kunden für ihre Treue. „Manchmal muss eben Altes weichen, damit Neues entstehen kann. Kommt lieber vorbei und esst zum letzten Mal in den heiligen Hallen ein Klops und trinkt ein Bier“, schließt er seine Erklärung.

Beginn 1938 mit einem Verbot

Weil damals keine weitere Rinder- oder Schweinemetzgerei in der Innenstadt eröffnet werden durfte, hatten Jakob und Resi Kern 1938 in den Räumen der früheren jüdischen Metzgerei Levi eine Pferdemetzgerei gegründet. In der Nachkriegszeit wurde der Satz „Wir gehen zum Kerns Jakob“ zum Synonym für den berühmten Pferdeklops.

Aus für Fuldas Pferdeklops-Gaststätte: „Bratwurstglöckle“ macht dicht

In den 1970er Jahren übernahm Sohn Kurt die Wirtschaft in der Gasse „Am Stockhaus“, seit 2012 ist Enkel Jens – gelernter Hotelfachmann – Chef des „Bratwurstglöckles“. Im Mai 2012 hatten die TV-„Küchenchefs“ von VOX den Laden umgekrempelt. Seitdem gab es neben Klopsen, Fuldaer Spezialitäten und Burgern auch Vegetarisches – sowie eine Karaokebar.

„Ich habe hier ein Riesenhaus – aber nur eine kleine Kneipe“, beschreit Jens Kern sein großes Problem. Damit alles rund laufe, arbeite er sechs Mal die Woche, 15 Stunden am Tag. „Das muss sich ändern“, entschied der Besitzer. Damit er gesund bleibe, etwas vom Leben habe. Deswegen verkündete Kern nicht nur das Ende seiner Gaststätte, er verkaufte ebenfalls das Haus.

Am Stockhaus wird es somit künftig keine Pferdeklopse mehr geben – anderswo wahrscheinlich schon. Derzeit tüftelt Kern daran, wie es nach dem 9. Juni weitergeht. Fest steht bereits, dass die Karaokeabende in den Räumen der Petersberger Flipperfreunde von Bulls & Balls stattfinden. / sar, kbk

Mehr zur Schließung des „Bratwurstglöckles“ finden Sie in der Mittwochsausgabe der Fuldaer Zeitung und im E-Paper.

Lesen Sie hier mehr:

Nach „Rosins Restaurant“ & Co.: So (un-)zufrieden sind Teilnehmer der Region nach ihren TV-Auftritten

Ging es nach den Fernsehbeiträgen steil bergauf? Drei Betriebe aus der Region waren in den vergangenen Jahren bei „Rosins Restaurant“, „Die Küchenchefs“ oder „Mein himmlisches Hotel“ zu sehen. Das Fazit fällt sehr unterschiedlich aus. Während die Chefs vom Bratwurstglöckle und Berggasthof Rother Kuppe zufrieden sind, hat der Fernsehauftritt Christof Gensler vom Rhöner Indianerdorf enttäuscht zurückgelassen.