Bürgerinitiativen kritisieren Stromtrassen-Pläne bei Fachkongress in Fulda

14. März 2015
Fulda

Bürgerinitiativen sowie Landes- und Kommunalpolitiker aus Hessen und Bayern forderten eine nochmalige, ergebnisoffene Prüfung, ob die Leitung von Schleswig-Holstein nach Bayern überhaupt notwendig ist. Laut Bundesnetzagentur wurde der Bedarf aber bereits festgestellt.

Landrat Bernd Woide und OB Gerhard Möller (beide CDU) erinnerten daran, dass sich der Kreistag und die Stadtverordneten einstimmig gegen den Bau der Trasse durch Osthessen ausgesprochen hatten. Sie dankten - wie auch die OB-Kandidaten Dr. Heiko Wingenfeld (CDU), Birgit Kömpel (SPD) und Ralf Zwengel (Grüne) und der Bundestagsabgeordneten Michael Brand (CDU) - der Bürgerinitiative Fuldatal und allen Bürgerinitiativen bundesweit für ihr intensives und sachliches Engagement gegen den Bau der Trasse.

Besonderer Dank galt dem Fuldaer Vorsitzenden Thomas Lange und dem Bundesvorsitzenden Guntram Ziepel. Einhelliges Votum fast aller Redner: Bevor der Bedarf der Trasse nicht nachgewiesen ist, dürfe man vor Ort nicht planen. "Die Gesetze zum Netzausbau im Rahmen der Energiewende müssen überarbeitet werden", forderte Ziepel. Über technologische Alternativen wie etwa die Verlegung von Erdkabeln müsse offener diskutiert werden. Landes- und Bundespolitik müssten mit den Bürgern in einen echten Dialog treten, um die Energiewende nicht an der Bevölkerung vorbei zu planen.

Birgit Kömpel berichtete von einem Gespräch vor zwei Wochen mit Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD). Darin habe der Minister erklärt, dass Suedlink aus seiner Sicht gebaut werde. Der Bedarf sei da. Nun müsse es darum gehen, möglichst viel Erdverkabelung zu bekommen, sagte Kömpel. RhönLink-Vorsitzender und Mottens Bürgermeister Jochen Vogel (CDU) warf ihr daraufhin vor, sie diskutiere schon über das "Wie", während der Bedarf der Trasse, also das "Ob", noch gar nicht geklärt sei.

Die Landtagsabgeordneten Dr. Walter Arnold (CDU), Sabine Waschke (SPD) und Jürgen Lenders (FDP) stritten um die Frage, wie kritisch sich Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und WirtschaftsministerTarek Al-Wazir (Grüne) tatsächlich zum Thema Suedlink geäußert haben. Arnold sagte, Bouffier und Al-Wazir sähen die Planungen sehr kritisch, Waschke und Lenders bezweifelten das. An dem Kongress in Fulda nahmen Experten aus Politik, Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft teil.

Die noch nicht örtlich fixierte Trasse soll Strom aus Windkraftanlagen vom Norden in den Süden bringen, wenn bis 2022 die letzten Atomkraftwerke wie geplant abgeschaltet sind. Das Milliarden-Projekt ist in der Größenordnung einmalig. / vn, dpa

Politik und Bürgerinitiativen sind im engen Schulterschluss gegen das Vorhaben, die Starkstromtrasse Suedlink zu bauen. Das war die Botschaft des ersten bundesweiten Kongresses von Suedlink-Initiativen am Samstag in der Orangerie in Fulda. Die Fuldaer Bürgerinitiative Fuldatal hatte den Kongress organisiert.