Bürgerschaftspreis: Anna-Maria Reith macht aus ihrem Dorf eine Gemeinschaft

20. Mai 2017
Tiefengruben

Wenn es darum geht, in Tiefengruben etwas zu bewegen, dann kann das Dorf auf Anna-Maria Reith setzen. Egal ob Blütenfest, Gründung des Vereins Dorfgemeinschaft, Andachten an der Mariengrotte oder die Herbergssuche im Advent – die 62-Jährige organisiert Feste und Veranstaltungen, damit aus den Dorfbewohnern eine Gemeinschaft wird.

Von unserem Redaktionsmitglied Norman Zellmer

Wenn Anna-Maria Reith aus ihrem Alltag erzählt, mag man nicht glauben, dass der Tag 24 oder die Woche 168 Stunden hat – so viele Aufgaben und ehrenamtliche Tätigkeiten hat sie in den vergangenen Monaten und Jahren übernommen. Daneben geht sie arbeiten, hat einen Bauernhof und versorgt Haushalt und Familie.

Vor allem seit dem Dorfjubiläum im Juli 2015 gilt Reith als die inoffizielle Haupt-Organisatorin des Tiefengrubener Dorflebens. In jenem Sommer feierte Neuhofs zweitkleinster Ortsteil seine urkundliche Ersterwähnung vor 850 Jahren. Anfangs sollte in kleinem Kreis gefeiert werden – Kaffee, Kuchen, Musik, Urkunde. Das war der 62-Jährigen aber zu wenig: „Wenn wir feiern, dann richtig“, erinnert sie sich an die Vorbereitungen. Von der Dorfgemeinschaft wurde sie auserkoren, das Dorffest zu organisieren, das schließlich mit großem stehendem Festzug, Präsentation von Brauchtum, Musik und Verköstigung gefeiert wurde. Fast der gesamte Ort war damals auf den Beinen; Reith und der 16-köpfige Festausschuss hatten Anwohner mobilisiert, Theken- und Ordnerdienste zu übernehmen, Kuchen zu backen oder zum Programm beizutragen. „Jeder hat sich eingebracht, wie er wollte und konnte“, bilanziert die Tiefengrubenerin. Sie habe Nachbarn angesprochen, sich zu beteiligen – und diese taten es. „Ich allein kann wenig bewerkstelligen, mir stehen viele Menschen zur Seite, die mitziehen“, sagt sie.

Seit dem Fest hält das Organisationstalent die Dorfgemeinschaft zusammen: Inzwischen hat sie den 32 Mitglieder umfassenden Verein „Dorfgemeinschaft Tiefengruben“ mitgegründet, dessen Vorsitzende sie seit Januar 2016 ist. Dessen Ziel ist es, das neue Bürgerhaus zu bewirtschaften. Denn dieses baut die Gemeinde nur dann, wenn die Dorfbewohner es auch rege nutzen und Initiativen und Gruppen für eine entsprechende Auslastung sorgen.

Auch das 1. Tiefengrubener Blütenfest mit rund 20 Verkaufsständen, regionalem Essen, Musik und Cocktailabend im vergangenen Jahr und die Klapper- und Hutzelkinder gehen auf Reiths Initiative zurück. „Ich will, dass es weitergeht“, sagt die Verwaltungsangestellte, die im Fuldaer Landratsamt arbeitet und in ihrem Heimatort mit Mann Willi einen Betrieb mit Rindern und Beerenobstplantage bewirtschaftet. Die beiden Töchter sind inzwischen aus dem Haus; Reith arbeitet halbtags. „Früher mussten viele Hobbys deswegen zurückstehen, jetzt habe ich Zeit, nebenher Neues zu probieren.“

Dazu gehört, mit Gerda Ruppel seit rund zehn Jahren Andachten in der Kirche und in den Sommermonaten Maiandachten und Lichterprozessionen an der Mariengrotte abzuhalten, bei der selbst ins Leben gerufenen Gymnastikgruppe darauf zu achten, dass stets genügend Sportlerinnen anwesend sind, damit diese nicht einschläft, und die Herbergssuche im Advent, bei der Familien im Ort besucht werden. „Das wird alles gut angenommen, es zeigt, den Menschen sind diese Veranstaltungen wichtig.“

Reith geht es dabei vor allem darum, die Gemeinschaft im Dorf zu fördern, die Pflege von Tradition und Brauchtum sowie um gute Nachbarschaft. Gerade in einem kleinen, nur 150 Einwohner umfassenden Ort wie Tiefengruben, in dem es zuvor die Feuerwehr und einen kleinen Darts-Verein gab, sei es schwer, das gesellschaftliche Leben aufrechtzuerhalten.

Aber sie hat Erfolg: „Seit den Festen und Veranstaltungen hat sich etwas geändert im Dorf“, sagt Reith und nennt Beispiele: Die Menschen grüßten einander wieder stärker, statt achtlos am Hof des anderen vorbeizufahren, man plauscht am Straßenrand, verabredet sich zu Kaffee, zum Grillen und gemeinsamen Aktivitäten. Reith: „Im Ort gibt es wieder Gemeinsamkeiten und Zusammenhalt.“ Passend zum Motto des Vereins Dorfgemeinschaft: „Gemeinsam in die Zukunft“.