„Das lassen wir uns nicht gefallen": Proteste gegen Suedlink

23. Oktober 2014
Uttrichshausen

In Kalbach wird sich eine Bürgerinitiative bilden, um den Bau der Suedlink-Starkstromtrasse durch Gemeindegebiet zu verhindern. Das ist ein Ergebnis der Bürgerversammlung in Uttrichshausen. Dass Kalbach vielleicht verschont wird, diese Hoffnung machte der Tennet-Bürgerbeauftragte Thomas Wagner den 300 Zuhörern nicht.

Tennet diskutiert viele mögliche Trassenverläufe. Im Grenzgebiet zwischen Hessen und Bayern gibt es aber nur zwei Varianten. Beide führen durch Kalbach: Die westliche Variante führt an Nieder-, Mittel- und Oberkalbach vorbei und durch Veitsteinbach, die östliche Variante durch Uttrichshausen und an Heubach vorbei.

In der Versammlung wurde heiß diskutiert, dass die Trasse nach den veröffentlichten Plänen um Uttrichshausen einen Schwenk in Richtung Westen vornimmt, dass aber immer noch einige Straßen unter dem einen Kilometer breiten Planungskorridor liegen.

Masten doppelt so hoch wie Talbrücke

Wagner versicherte, Tennet werde 400 Meter Mindestabstand zwischen Dörfern und der Trasse einhalten – auch wenn dieser Abstand in Niedersachsen, nicht aber in Hessen gesetzlich gefordert ist. Der Mindestabstand zu Einzelgehöften liege bei 200 Metern. Werde der Abstand geringer, würden Erdkabel eingesetzt.

Wo die mögliche, in den jetzigen Planungen 1000 Meter breite Trasse im Ort verläuft, erklärte der Uttrichshausener Elektrotechniker Martin Möller mit Karten und Fotomontagen. „Die Talbrücke ist 32 Meter hoch. Die Suedlink-Masten werden doppelt so hoch. Erschreckend ist dafür ein schwacher Ausdruck. Das erschlägt uns", sagte Möller und fragte: „Muss man uns das antun?".

Wenn die Strommasten einmal stehen, blieben sie. „Die Trasse ist so dauerhaft wie die Autobahn", prophezeite Möller. Der Einfluss der Stromleitung auf die menschliche Gesundheit sei noch unerforscht. Sinnvoller als der Bau der Trasse sei die Umwandlung des Windstroms in Gas und der Transport über die Gasleitung. Sein Ziel ist die Gründung einer Bürgerinitiative.

„Kalbach bekommt von allen Seiten Ohrfeigen"

Wagner erklärte, eine Suedlink-Variante führe über Uttrichshausen, da Tennet die Trasse mit der A 7 bündeln wolle. „Es gibt einen Konflikt mit der Wohnbebauung. Aber wir sehen uns noch nicht gezwungen, diese Trassenvariante zu streichen", sagte er. Die Kalbacher sollten eine neue Variante suchen und vorschlagen. Unter dem 65 Meter hohen Mast herrsche am Boden die gleiche Magnetstärke wie im natürlichen Erdmagnetfeld.

Die Thüringen-Trasse prüfe Tennet nicht weiter, da diese 60 Kilometer länger sei und in der Summe die Probleme nicht geringer seien als in Hessen. Tennet werde später eine Wechselstromleitung von Ludwigsau-Mecklar nach Grafenrheinfeld bauen. Diese lasse sich nicht mit Suedlink verbinden.

„Wir brauchen Suedlink. Aber die Thüringen-Variante muss geprüft werden", äußerte der CDU-Landtagsabgeordnete Markus Meysner. Die Forderung, die Trasse durch Thüringen zu prüfen, erhob auch der neue Bürgermeister Florian Hölzer (parteilos). „Kalbach bekommt von allen Seiten Ohrfeigen. Das lassen wir uns nicht gefallen!", rief er.

Die Gemeindevertretung habe bereits ein Gutachten in Auftrag gegeben, um Argumente gegen die Trasse zu sammeln. Dabei sollten alle Bürger mithelfen, bat Karl-Heinz Leibold (CDU), Vorsitzender der Gemeindevertretung. Leibold: „Wir können noch Einfluss nehmen. Aber das kostet viel Arbeit."