„Denkanstoß“ oder „unchristlich“?: Bistum kritisiert Werbebanner von Martin Hohmann (AfD)

04. September 2017
Neuhof/Fulda

Über ein Wahlwerbebanner des AfD-Bundestagskandidaten Martin Hohmann auf Facebook wird seit vier Wochen diskutiert – im Internet, aber auch in wirklichen Gesprächen. Das Banner provoziert und polarisiert: „Meine Nächsten sind nicht die jungen Männer aus Afrika“, steht neben Hohmann, der sich vor der Neuhofer Kirche ablichten ließ. Er weiß um die Wirkung des Fotos und nennt die Aussage „einen Denkanstoß“. Scharfe Kritik äußern das Bistum und Alt-OB Dr. Wolfgang Hamberger (CDU).

Von unserem Redaktionsmitglied Leoni Rehnert

Die Frage, wer nach christlichem Verständnis eigentlich der Nächste ist, könnte sicher einen langen und intellektuellen theologischen Diskurs in Gang setzen. Darum geht es Martin Hohmann mit dem Werbebanner aber wohl eher nicht. Er führt zum Begriff der Nächstenliebe eine Art Gegensatzpaar „Junger Mann aus Afrika“ und „Finanziell schwache Rentner, Billiglöhner und Familien“ an.

Dass diese Darstellung und offensichtliche Einengung des Begriffs Nächstenliebe auch auf Widerspruch stößt, diese Erfahrung hat Martin Hohmann bereits gemacht. „Mir war nicht klar, dass Menschen, die ich schätze und die sich persönlich für Migranten einsetzen, verärgert sind, weil sie ihr Tun dadurch gering geschätzt sehen“, sagt er und ergänzt: „Wenn ich das geahnt hätte, hätte ich es gelassen.“

Dennoch halte er es für richtig, das Motiv auch weiterhin und ausschließlich im Internet zu veröffentlichen. „Die Aussage ist ein Denkanstoß, um auf einen politischen Skandal und auf ein falsches System hinzuweisen“, sagt Martin Hohmann.

Die „jungen Männer aus Afrika“, die in diesem Zusammenhang quasi stellvertretend und plakativ für jene Geflüchteten stehen, die auf seine Nächstenliebe nicht bauen können, nutzt er gewissermaßen als Stilmittel zum Zweck, „das vollkommene Versagen der politischen Elite“ zu zeigen. „Und dieses Versagen nutzen die jungen Männer aus. Ich mache ihnen daraus keinen Vorwurf“, sagt er und erklärt weiter: „Aber sie wollen sich mit Tausenden von Euro, die sie den Schleppern geben, den Status des Nächsten erkaufen. Das geht nicht“, sagt Hohmann und zitiert in diesem Zusammenhang den deutsch-libanesischen Regisseur Imad Karim, der von „Fremdenliebe auf Rezept“ spricht.

Hohmann, der in der Kirchengemeinde Neuhof stellvertretender Verwaltungsratsvorsitzender ist und im Pfarrgemeinderat mitarbeitet, stößt mit der Wahlwerbung und seiner Auslegung des christlichen Gebots der Nächstenliebe beim Bistum auf Kritik. „Aus kirchlicher Sicht wirft ein solches Plakat erhebliche Probleme auf“, heißt es seitens der Pressestelle auf Anfrage unserer Zeitung. Das Bistum verwehre sich dagegen, wenn AfD-Politiker den Eindruck zu erwecken suchten, dass die Kirche hinter ihnen stehe. In diesem Fall müsse deutlich gesagt werden, dass es zwischen den Aussagen führender AfD-Politiker und der Kirche klare Unterschiede gebe – etwa in der Flüchtlingspolitik.

Generalvikar Prof. Gerhard Stanke erklärt dazu wörtlich: „Wer Menschen wegen ihrer Hautfarbe oder Nationalität nicht als Nächste ansieht, stellt sich in Widerspruch zur Heiligen Schrift. Im Alten Testament wird wiederholt gesagt, dass Gott ein Anwalt der Fremden ist.“

Dr. Wolfgang Hamberger, langjähriger CDU-Oberbürgermeister von Fulda, äußert angesichts des Wahlwerbebanners ebenfalls scharfe Kritik an dem früheren CDU-Bundestagsabgeordneten Hohmann, der „sich entschieden hat, bei der AfD sein politisches Heil zu suchen“, sagt Hamberger und ergänzt: „Das Foto soll im Interesse der AfD signalisieren: Schaut her, wie christlich wir doch sind. Doch eine Partei, die Fremdenfeindlichkeit schürt, ist meilenweit entfernt von dem, was Kernstück der christlichen Lehre ist, nämlich ,liebe Deinen Nächsten wie Dich selbst‘.“