„Einer der ganz großen Träumer“: Joern Hinkel versammelt Schauspielstars zum Probenbeginn von „Peer Gynt“

17. Mai 2018
Bad Hersfeld

Kreativität, Disziplin und Durchhaltevermögen müssen 20 Schauspieler ab sofort in Bad Hersfeld beweisen: Die Proben zum Theaterstück „Peer Gynt“ haben offiziell begonnen. Einige der Darsteller sind bekannt aus Film und Fernsehen, andere haben sich bereits in die Herzen der Hersfelder Zuschauer gespielt. Großes Interesse an dem Eröffnungsstück der Bad Hersfelder Festspiele zeigen nicht nur die zahlreichen anwesenden Pressevertreter, die sich um die Stars tummeln, sondern auch das Publikum. Der Vorverkauf laufe sehr gut, bestätigt Intendant Joern Hinkel.

Von unserem Redaktionsmitglied Eva Rützel

„Alles, was wir auf Papier haben, wird jetzt mit Leben gefüllt“, beschreibt Joern Hinkel, Intendant der Bad Hersfelder Festspiele, die Situation. In einem noch kahlen Saal neben der Stadthalle am Kurpark versammeln sich am heutigen Donnerstag altbewährte und neuentdeckte Schauspieler zum Pressegespräch – und zur ersten Ensemblezusammenkunft. Dem ein oder anderen wird noch einmal schnell das Gesicht gepudert, andere begrüßen sich erfreut, bevor der Intendant das Wort ergreift. „Ich fühle mich glücklich und freue mich, dass ihr alle hier seid.“

Einige der Schauspieler kennt man aus Film und Fernsehen, wie zum Beispiel Pierre Sanoussi-Bliss oder Andreas Schmidt-Schaller. „Bei uns gibt es nicht nur einen Star. Über Bad Hersfeld leuchtet ein ganzer Sternenhimmel“, sagt Hinkel über die Besetzung. Auch Anouschka Renzi und Nina Petri sind vielen Zuschauern aus Film und Fernsehen bekannt. Die Schauspielerin der Solveig, Lena Alaam, ist eine Berühmtheit in ihrem Heimatland Afghanistan. Als Fernsehdarstellerin und Aktivistin hat sich Alaam dort einen Namen gemacht und soll in diesem Jahr die Bad Hersfelder Festspiele bereichern.

Nach 30 Jahren Auszeit stand Andre Hennicke vor zwei Jahren erstmals wieder auf der Hersfelder Bühne. Dieses Mal spielt er den Master Cotton in „Peer Gynt“. Hauptdarsteller Christian Nickel, Claude-Oliver Rudolph und Corinna Pohlmann sind ebenfalls keine Neulinge in der Lullus Stadt: „Wir haben dieses Jahr Schauspieler auf der Bühne, die in den letzten Jahren die Herzen der Zuschauer erobert haben“, sagt der Intendant und fügt hinzu: „Ich glaube daran, dass die Bad Hersfelder Festspiele in diesem Jahr ein großer Erfolg werden“.

„Einer der ganz großen Träumer“: Joern Hinkel versammelt Schauspielstars zum Probenbeginn von „Peer Gynt“

Das sehen die Schauspieler ähnlich. Wegen des Intendantenwechsels vermuten sie keinerlei Nachteile. Nina Petri schätzt die Aufmerksamkeit für die Festspiele hoch ein, auch ohne Dieter Wedel. Dieser war Anfang des Jahres wegen sexueller Vorwürfe zurückgetreten. „Joern Hinkel hat viel Festspiel-Erfahrung. Es wird sich zeigen, ob solch ein großer Name vonnöten ist, um gute Festspiele zu machen. Aber ich sehe gute Chancen angesichts der tollen Schauspieler. Ich glaube nicht, dass die Festspiele durch Wedels Rücktritt viel verloren haben.“ Christian Nickel sagt: „Dieter Wedel hatte immer einen Riecher dafür, große Aufmerksamkeit zu erzielen. Wir hatten die Sorge, nach diesem Wirbelsturm um ihn zu Jahresbeginn, dass es hier nun ganz ruhig wird. Aber das Interesse an den Festspielen wird hoch bleiben. Es liegt an uns, die Erfolge fortzuführen. Wir haben aber einen charismatischen Menschen verloren, der hier viel geleistet hat. Unter Joern Hinkel werden wir mehr Freiräume auf der Bühne haben.“

Das Theaterstück „Peer Gynt“ basiert auf einer alten norwegischen Sage. Lange vor Kafka habe Henrik Ibsen, sich mit Träumen beschäftigt und „mit einem Fuß noch in der Romantik die Tür zur Moderne aufgestoßen“, wie Hinkel beschreibt. „Der Übergang von Realität in die Trance hat mich besonders fasziniert“, sagt er. „Peer Gynt ist einer der ganz großen Träumer.“ In dem Stück möchte sich Peer beweisen, er möchte „jemand sein“, kurz: Er entwickelt sich zum Egoisten, dessen Motto „Sei dir selbst genug“ ist. „Peer Gynt würde in der heutigen Zeit jeden Tag sein Profilbild bei Facebook ändern, nur um den Leuten zu gefallen“, meint Hinkel.
Regisseur Robert Schuster sagt, er könne sich in Peer Gynt gut hineinversetzten. Die Kernfrage des Protagonisten sei: Kann ich mich selbst verwirklichen?

Ganz bescheiden mischen sich Brigitte Grothum, Robert Joseph Bartl und Horst Janson während der Begrüßung unter die Pressevertreter auf die Publikumsplätze. Erst durch die Vorstellung durch Joern Hinkel fallen sie vielen Journalisten auf und sorgen für ein Blitzlichtgewitter. Die drei Schauspieler wirken nicht in Peer Gynt mit, sondern in „Shakespeare in Love“, „Lenas Geheimnis“, „Indien“ und „Der alte Mann und das Meer“, die dieses Jahr ebenfalls auf der Hersfelder Bühne aufgeführt werden.

Für einen Spaß zwischendurch sorgt das verspätete Eintreffen von Martin Semmelrogge, dessen Theaterhund Teddy wie selbstverständlich auf seinem Stuhl Platz nimmt. Semmelrogges Kommando entlockt dem dressierten Hund ein aufgeregtes Bellen.

Zum Abschluss der Probenzusammenkunft lesen die Schauspieler die erste Szene von „Peer Gynt“ vor. Dabei fällt direkt auf: Alle Darsteller verkörpern eine besondere Leidenschaft und sind sofort in ihrem Element.

Karten für „Peer Gynt“ gibt es über Eventim. und im Ticket-Service, Am Markt in BadHersfeld: Telefon (06621) 640200ticket@bad-hersfelder-festspiele.de.

Bekannte und neue Gesichter: Besetzung für Peer Gynt steht fest

Intendant Joern Hinkel freut sich, dass es ihm gelungen ist, erneut bekannte und beliebte Schauspieler für die Bad Hersfelder Festspiele zu gewinnen: „Die Überlegungen des Regisseurs Robert Schuster zur Besetzung sind sehr spannend. Einige Schauspieler sind gleich in mehreren Rollen zu erleben, die in der Phantasie von Peer Gynt miteinander verschmelzen.