Feministische Partei sieht Fuldaer Ampelfrau zwiespältig

25. August 2014
Fulda

Die Feministische Partei ist unentschlossen, wie sie die erste Ampelfrau in Fulda bewerten soll. „Einerseits rückt sie die Frau mehr in das öffentliche Bewusstsein”, erklärt Margot Müller, die Bundessprecherin der Partei. „Andererseits gibt es aber auch Stimmen innerhalb der feministischen Bewegung, die die Darstellung der Frau mit Zöpfen und Rock als sexistisch ansehen.”

Die Umstellung der Verkehrszeichen sei ein Teil der Genderpolitik, die die Feministische Partei befürwortet, sagt Margot Müller. Was Gender Mainstreaming ist, erläutert Müller in ihrem Essay „Männin und Weiberich“: Die Regierungen und andere Akteure sollen eine Politik fördern, die das Vorhandensein von mehr als einem Geschlecht – dem männlichen – sichtbar macht. Die Bundeszentrale für politische Bildung erläutert in einem Dossier, was das für die Entscheidungsfindung heißt: „Gender Mainstreaming bedeutet, dass die Politik, dass aber auch Organisationen und Institutionen jegliche Maßnahmen, die sie ergreifen möchten, hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf die Gleichstellung von Frauen und von Männern untersuchen und bewerten sowie gegebenenfalls Maßnahmen zur Gleichstellung ergreifen.“

Als Befürworter des Gender Mainstreamings begrüße die Feministische Partei deshalb einerseits die teilweise Umstellung der Verkehrszeichen, wie die des Ampelmännchens zur Ampelfrau in Fulda, teilt die Bundessprecherin mit. Andererseits sieht die Partei die neuen Verkehrszeichen aber auch kritisch. „Die Darstellung der Frau mit Zöpfen und Rock verfestigt ein überkommenes Rollenverständnis”, sagt Müller. Zusätzlich würden ausschließlich Männer und Frauen berücksichtigt werden: „Trans- und Intersexuelle werden beim Ampelmännchen und der Ampelfrau außen vor gelassen.”

Aber wie soll eine Frau versinnbildlicht werden, ohne „typisch“ weibliche Attribute zu verwenden? Vor diesem Problem sei schon der Frauen Offensiv e.V. in Darmstadt gestanden, erklärt Müller. Der „Verein für Selbstbehauptung und Selbstverteidigung für Frauen und Mädchen“ wollte auf eine Rollenzuweisung verzichten und entschied sich am Ende für eine andere Lösung: Anstatt langer hat die Figur feurige Haare. Sie trägt zwar einen Rock, aber gleichzeitig auch eher männlich wirkende Schuhe. Die Figur hat keine Stubsnase, wie sie oftmals charakteristische weibliche Eigenschaft gesehen wird. Dennoch ist ihr Geschlecht durch den Körperbau, durch das breite Becken, erkennbar. (Klicken Sie das* Link, um das Logo des Vereins zu sehen). Müller fordert eine entsprechende Anpassung bei der Darstellung der Ampelfrau, die dem weiblichen Geschlecht keine feste Rolle zuweist.

Das Gender Mainstreaming ist seit der Unterzeichnung des Amsterdamer Vertrags im Jahr 1997 eine verbindliche Richtlinie für alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union. Es wurde damit zum Ziel der EU-Politik erhoben. Das heißt in Zukunft dürften weitere Umstellungen – wie die des Ampelmännchens zur Ampelfrau – folgen. (Erfahren Sie HIER mehr über die Einführung der ersten Fuldaer Ampelfrau in der Ronsbachstraße.)

Beteiligen Sie sich auch HIER an unserer Umfrage auf der Startseite.

* Hinweis der Bundessprecherin der Feministischen Partei: „(Feministische) Sprachwissenschaftlerinnen und Sprachwissenschaftler fordern bei der Verwendung von Fremdwörtern, deren Artikel noch nicht feststeht, wenn es sich um Sachen handelt, den Artikel „das“ zu verwenden, da dieser Artikel in der deutschen Sprache glücklicherweise zur Verfügung steht, und eine Sache damit eindeutig als Sache definiert, und so eine Vermännlichung und Verarmung der Sprache vorgebeugt wird. Deswegen: das Radio, das Yoga, das Mail, das Laptop, das Link.”