„Grenze erreicht": Weitere 45 Flüchtlinge und Asylbewerber in Tann eingetroffen

08. Februar 2015
Tann

In Tann sind weitere 45 Flüchtlinge und Asylbewerber eingetroffen. Sie sind am Dietgeshof, zwei Kilometer oberhalb des Rhönstädtchens, untergebracht. Es sind zwei ehemalige Zöllnerhäuser.

Tanns Bürgermeister Mario Dänner (parteilos) stellt fest, dass damit jetzt rund 100 Asylbewerber in Tann leben. Der Rathauschef macht deutlich, dass er und die Tanner Bürger nichts gegen Asylbewerber hätten. Dies beweise die Tatsache, dass seit einem Jahr 50 Flüchtlinge in der Rhönstadt leben und integriert werden. Doch mit 100 sei eine Grenze erreicht. Eine sinnvolle Integration mit Hilfe von Helfern sei nur schwer möglich.

Zudem stelle sich die Frage, wo die Kinder betreut werden sollen. Bei den Neuankömmlingen handelt es nach Angaben von Dänner ausschließlich um Familien mit Kindern, die betreut werden müssten. Er erklärt, dass die Plätze der Kindertagesstätten in Tann belegt seien und es sogar Wartelisten gebe. Daneben stelle sich die Frage, wo die schulpflichtigen Kinder zur Schule gehen sollen. Problematisch sei zudem, dass der Dietgeshof etwa zwei Kilometer außerhalb von Tann liegt und es schwer für die Flüchtlinge sei, nach Tann zu kommen, um dort einzukaufen.

Aufruf zu Spenden und ehrenamtlichem Engagement

Derweil ruft der Bürgermeister die Bevölkerung auf, für die neuen Flüchtlinge Kleidung, Schuhe und Spielsachen zu spenden. „Es fehlt an allem", sagt er nach einer Besichtigung der Unterkunft. Es handelt sich um zwei frühere Zöllnerhäuser. Die Spenden könnten in den Kindergärten oder in der Stadtverwaltung abgegeben werden. Der Bürgermeister ruft auch Bürger dazu auf, sich ehrenamtlich zu engagieren, um den Flüchtlingen bei der Integration zu helfen.

Dänner ärgert sich, dass er als Stadtoberhaupt erst zwei Tage nachdem die Flüchtlinge eingezogen waren, informiert worden sei. Jürgen Stock, Leiter des Fachbereichs Arbeit und Soziales beim Landkreis Fulda bestätigt das: „Das ist leider so passiert. Es war aber ,keine böse Absicht‘ beziehungsweise der Gedanke, hier etwas zu verschweigen." Es habe vielmehr an internen Abstimmungsproblemen in seinem Fachbereich gelegen. Landrat Bernd Woide (CDU) habe bereits ein Gespräch mit dem Bürgermeister geführt und den Sachverhalt klargestellt. „Grundsätzlich informieren wir die Bürgermeister frühzeitig über konkrete Objekte zur Unterbringung von Asylbewerbern."

Weiter ärgert Dänner, dass gerade kleinere und finanzschwache Gemeinden die Flüchtlinge aufnehmen müssen. Das Land Hessen tue nichts, um diesen Kommunen zu helfen oder sie finanziell zu entlasten. Im Gegenteil: Tann gehöre zu den Städten, die bei der Reform des kommunalen Finanzausgleichs nicht entlastet werden. / ic