Großer Leerstand: „Tann ist im Grunde ein riesiges Museum"

26. Dezember 2014
Tann

Tann gehört zu den schönsten Städten Hessens – nicht zuletzt wegen der vielen Fachwerkhäuser. Doch viele der historischen Gebäude im Ortskern stehen leer. Ein Problem für die Eigentümer, die sei verkaufen wollen, aber auch für die Stadt, die sie gerne genutzt sehen würde.

Beispielhaft ist das Elf-Apostelhaus am Marktplatz. Vermutlich um 1500 erbaut ist es eines der ältesten Gebäude im Landkreis Fulda. Für die Touristen ist ein Foto des Fachwerkbaus mit den Abbildungen der elf Apostel ein Muss. Doch seit zwei Jahren steht es leer, und Eigentümerin Ulrike Hofmann hat noch niemanden gefunden, der das Haus kaufen will.

Würde es in Fulda, Frankfurt oder München stehen, wäre es schon längst verkauft und restauriert, ist sie überzeugt. „Doch mit Tann tun sich die Interessenten schwer", sagt sie. Einige waren schon da und hätten sich informiert. Doch entweder war es ihnen zu groß oder Tann zu weit weg. Dabei sei die Substanz noch gut, sagt sie. Erst vor zwei Jahren habe eine Klasse der Ferdinand-Braun-Schule die Fassade auf Anregung der Stadt und der unteren Denkmalbehörde restauriert.

Auch Bürgermeister Mario Dänner (parteilos) ist sich des Problems der historischen Häuser bewusst. „Tann ist im Grunde ein riesiges Museum", sagt er. Leider stünden viele der Häuser leer und das schon seit Jahren. Das sei nicht gut für die Substanz und schade auch dem Stadtbild. Die jüngeren Familien bevorzugten ein Haus mit einem kleinen Garten, aber kein Stadthaus, bedauert er. Zwar fänden sich immer wieder Käufer für die historischen Häuser, die sie restaurieren, aber dies komme leider zu selten vor, erklärt er. Dabei seien die Gebäude teilweise sehr günstig zu haben. Man müsse bei der Restaurierung viel Eigeninitiative aufbringen.

Die Stadt könnte nur wenig tun, weil sie kein Geld habe und ihr nicht die Immobilien gehören. Es gebe zwar städtebauliche Programme, doch dabei müsste die Stadt immer Geld dazugeben. Angesichts des Schuldenstandes sei dies keine Option. „Ich bedauere, dass wir keine finanziellen Möglichkeiten haben. Bezüglich des Elf-Apostelhauses sagt er: „Normalerweise müsste die Stadt ein solch historisch bedeutsames und städtebaulich wichtiges Haus kaufen, es restaurieren und etwas entwickeln."

Stadt und Kreis reagierten auf die Leerstände. Der Landkreis gab vor vier Jahren ein Leerstandskataster in Auftrag. Insgesamt 14 Häuser wurden darin erfasst. Fünf wurden inzwischen verkauft und drei vermietet, erklärt Christine Kallnbach vom Stadtbauamt.

Der Steinauer Architekt Stephan Möller untersuchte acht der leer stehenden Häuser im Ortskern und erarbeitete mögliche Nutzungsmöglichkeiten. Für das Elf-Apostelhaus könnte er sich vorstellen, dass die einstigen Wohnräume im Erdgeschoss als Büros und das Hinterhaus der ehemaligen Druckerei als Künstlerschule, gepaart mit einem Kommunikationsbereich in Form meiner Kaffee- oder Teestube mit Infothek genutzt werden könnte.

Eigentümerin Hofmann sieht eine Handwerks- oder eine Dienstleistungsfirma als Möglichkeiten, dem Haus wieder Leben einzuhauchen. Immerhin ist schnelles Internet an dieser Stelle von Tann vorhanden, nennt sie einen Vorteil. „Es wäre natürlich toll für die gesamte Stadt, wenn nicht nur das Elf-Apostelhaus, sondern noch weitere historische Häuser wieder bewohnt und genutzt würden", sagt Dänner.