Jahresrückblick 2017: Rückkehr der Pferdeklopse nach Fulda bleibt weiter ungewiss

28. Dezember 2017
Fulda

Gut ein halbes Jahr nachdem Schluss war für eine der bekanntesten Gastwirtschaften Fuldas – dem „Bratwurstglöckle“ –, bleibt weiter ungewiss, wann und ob es überhaupt wieder an einem anderen Standort die bekannten Pferdeklopse geben wird.

Mitte Dezember arbeitete Jens Kern, der letzte Inhaber des „Bratwurstglöckle“, über sechs Monate nach der Schließung am 6. Juni 2017 noch daran, wieder fit zu werden. Der 45-Jährige befand sich im wohlverdienten Urlaub – im ersten Dezember-Urlaub seit 21 Jahren, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung berichtet.

Aus für Fuldas Pferdeklops-Gaststätte: „Bratwurstglöckle“ macht dicht

Für eine der bekanntesten Gastwirtschaften Fuldas - das „Bratwurstglöckle“ mit seinem bekannten Pferdeklops - ist Schluss. Nach 79 Jahren in der Innenstadt schließt der Laden Anfang Juni. Nach Plänen von Chef Jens Kern (45) müssen die Osthessen künftig trotzdem nicht auf die Spezialität des Hauses verzichten.

„Ich bin über 25 Jahre in der Gastronomie tätig. Vor allem die letzten fünf, sechs Jahre haben sich bemerkbar gemacht“, sagt Jens Kern. „Die verschiedensten Vitalwerte waren nicht in Ordnung.“ Aktuell sei der Plan weiterhin, zunächst erst einmal richtig fit zu werden. Urlaub sei erst einmal „bitter nötig“ gewesen. „Wenn sich Angebote, eine andere Gaststätte zu übernehmen, gut anhören, werde ich darüber nachdenken.“

Das sei aber ein Prozedere, das nicht von heute auf morgen geht, führt Jens Kern aus: „Das zieht sich mit Sicherheit noch ein halbes Jahr hin.“ Eine Schwierigkeit: Der Gastronom müsste sich wohl auch eine eigene Produktionsstätte für Pferdefleischklopse aufbauen. „Normale Metzger verarbeiten kein Pferdefleisch in ihren Räumen“, sagt er.

Rückblickend auf die Schließung im Juni erklärt der 45-Jährige, dass ihm die Entscheidung nicht leicht gefallen sei. „Das war ja wirklich ein Traditionsunternehmen, das unsere Familie über drei Generationen ernährt hat.“ Verschiedene Faktoren hätten aber keinen anderen Weg als den Verkauf des Hauses zugelassen. So war Jens Kern gerade zwei Jahre schuldenfrei, hätte aber aufgrund eines Investitionsstaus von 35 Jahren und aufgrund von diversen Ämter-Auflagen mindestens eine halbe Million Euro bei der Renovierung investieren müssen.

Nach dem aus seiner Sicht unabwendbaren Verkauf des Hauses in der Gasse „Am Stockhaus“ habe das Ausräumen drei Monate gedauert, berichtet der Fuldaer Gastronom. „Allein den Keller auszuräumen hat drei Wochen gedauert“, sagt er. „Richtig weh getan hat es, als die Theke und die weiteren Gaststätten-Möbel entfernt wurden. Da wurde mir noch mal richtig bewusst, dass es wirklich vorbei ist und leider nie mehr so sein wird, wie es mal war.“

Die legendären Karaokeabende finden indes auch sechs Monate nach der Schließung des „Bratwurstglöckle“ nach wie vor in den Räumen der Petersberger Flipperfreunde von Bulls & Balls statt – durchgeführt weiterhin von früheren Mitarbeitern von Jens Kern.

Bleibt also aus Sicht der Pferdefleisch-Klopse zu hoffen, dass Jens Kern bald wieder richtig zu Kräften gekommen ist und dann ein neues passendes Gasthaus zur Übernahme findet. / sar