Kardinal Marx: Bischöfe sollen sich in Politik einbringen

28. September 2017
Fulda

Nicht nur Kirchen-Themen, sondern auch Fragen nationaler und globaler Politik haben die katholischen Bischöfe in Fulda beschäftigt. Terrorismus, Flüchtlinge und der Rechtsruck nach der Bundestagswahl waren Themen für die Oberhirten.

Die katholische Kirche in Deutschland will sich angesichts vieler Probleme in der Gesellschaft weiter als politischer Akteur positionieren. „Ich wehre mich immer wieder dagegen, dass gesagt wird: Ihr macht zu viel Politik. Ich glaube nicht. Das Evangelium ist auch politisch und ist eine Botschaft, die in das Leben eingreift. Und deswegen ist es wichtig, dass wir uns immer wieder äußern“, sagte der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz (DBK), Kardinal Reinhard Marx, am Donnerstag in Fulda zum Abschluss der viertägigen Herbstvollversammlung.

Marx sagte, es sei zwar nicht Aufgabe der Kirche, ein politisches Programm zu machen. Aber die Bischöfe sollten bei Bedarf ruhig kommentierend das Wort erheben. Herausforderungen seien etwa der Umgang in der Gesellschaft mit Armen, Kranken und Schwachen. Fragen seien auch, wie der Altersarmut und Flüchtlingen begegnet werde. Marx sagte: „Europa muss zu einer solidarischen Flüchtlingspolitik finden, in der Lasten und Verantwortung fair geteilt werden.“

Wenige Tage nach der Bundestagswahl, die einen Rechtsruck für die politische Landschaft bedeutet, betonte Marx: Gespräche mit der neu in den Bundestag gewählten Rechtsaußen-Partei AfD würden nicht kategorisch ausgeschlossen. „Alle Parteien, die im Bundestag vertreten sind und die mit uns einen Dialog wünschen, mit denen wird man prüfen und klären, wie ein solches Gespräch stattfinden kann. Es gibt keine generelle Gesprächsverweigerung an irgendeine Partei von Seiten der deutschen Bischöfe. Das ist für mich ganz klar.“

Marx empfahl den Parteien nach der Wahl am vergangenen Sonntag: „Eine verbale Abrüstung erscheint dringend nötig.“ Bei aller politischen Auseinandersetzung müsse nun der Respekt vor dem anderen Vorrang haben. Im gemeinsamen Ringen um die besten Lösungen für die Gesellschaft seien Hass und Ausgrenzung nicht angebracht.

Die Bischöfe sprachen in Fulda auch über islamistischen Terrorismus, der mit seinen Anschlägen immer wieder die Welt erschüttert. Nach geplanten und vollzogenen Gewaltakten auf Kirchen im Ausland sagte Marx: „Es gibt keine absolute Sicherheit, und es ist nicht möglich, über 24.000 katholische Kirchengebäude in Deutschland zu schützen. Wir brauchen erhöhte Wachsamkeit im Alltag, die von jedem von uns in der freien Gesellschaft gefordert ist.“ Die Menschen sollten sich von der abstrakten Gefahr nicht einschüchtern zu lassen. Es gebe auch keine neue Sicherheitslage. Man verlasse sich auf die Behörde und ihrer Beurteilungen zum Gefährdungspotenzial.

Marx forderte: „Die Staaten und die Staatengemeinschaft müssen sich gegen den Terrorismus wehren und ihre Bürger schützen.“ Dabei seien alle Maßnahmen an der Effektivität und Effizienz, aber auch am Grundsatz des Rechts zu messen. Es sei für ihn bedrängend, dass mit dem islamistischen Gotteskriegertum eine Ideologie an Einfluss gewonnen habe, die Gewalt religiös begründe – selbst gegen Unbeteiligte. „Die muslimischen Autoritäten können nicht genug tun, um dieser Pervertierung von Religion entgegenzutreten.“ Die christlichen Kirchen müssen ihrerseits der zuweilen gängigen, falschen Gleichsetzung von Islam und islamistischer Gewalt unüberhörbar widersprechen. / dpa