Kein Strom, kein Holz: Fuldaer Menschenrechtsgruppe unterstützt Familien im Osten Rumäniens

01. November 2016
Fulda/ Braila

Ins 2000 Kilometer entfernte Rumänien haben sechs Mitglieder der Arbeitsgruppe Fulda der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) 45 Kubikmeter Hilfsgüter gebracht. Mitte Oktober besuchten sie mehr als 40 Projekte und Familienpatenschaften. Jetzt sammeln sie bereits für den Hilfstransport vor Weihnachten.

Othmar Ballmaier, Gunter Goebel, Johannes Näder, Felizitas Sondergeld, Hans Welter und Gerald Wolff hatten sich aufgemacht, um im Osten Rumäniens Projekte zu unterstützen. Knapp 40-mal machten die Fuldaer Station: in orthodoxen Armenküchen, Kindergärten, Wohngruppen, einer Nähstube und bei zahlreichen Familien und alten Menschen.

„Ziel waren Menschen, denen eine Teilhabe am Leben nur schwer möglich ist, sieht man von den erfreulichen Nachrichten aus dem ‚Casa Fulda‘, einmal ab, wo mit Liljana und David zwei der nun erwachsenen Bewohner das von der IGFM Fulda erbaute Holzhaus sogar zum Studium nach Constanta verlassen haben“, sagt Arbeitsgruppensprecher Gunter Goebel.

Kein Strom, kein Holz: Fuldaer Menschenrechtsgruppe unterstützt Familien im Osten Rumäniens

Mit Andrej, Costel und Nicu seien dafür drei weitere Jugendliche neu eingezogen, die in der Wohngruppe des Kreisjugendamtes Braila nun bis zum Erwachsenwerden leben werden. Bedrückend für die Gruppe war so mancher Besuch bei den bedürftigen Familien und Senioren, von denen viele durch direkte Familienpatenschaften von Spendern aus dem Landkreis Fulda unterstützt werden.

„Allein im vergangenen Jahr haben vier der von uns besuchten Familien und Senioren ihren Stromanschluss verloren. Sie sitzen im Dunkeln, ohne Perspektive auf einen Wiederanschluss. Dazu reicht das Geld nicht“, sagt Goebel und schildert: „In einer Familie hatte die erwachsene Tochter ein drei Monate altes Mädchen auf dem Arm – und alle saßen um eine Kerze. Das ist schwer auszuhalten.“

Kein Strom, kein Holz: Fuldaer Menschenrechtsgruppe unterstützt Familien im Osten Rumäniens

Ihnen, wie etwa 20 Familien in den Jahren zuvor, werden die Fuldaer eine Fotovoltaikanlage auf Zwölf-Volt-Basis zur Verfügung stellen, die kostenlos die Versorgung mit Licht sichert. Zumindest sieben Jahre lang, dann muss die Batterie ausgetauscht werden. Die größte Sorge der Menschen vor Ort ist indes der herannahende Winter.

Armut in Rumänien heißt vor allem, im Winter zu frieren“, erläutert IGFM-Sprecherin Felizitas Sondergeld, und sie verweist auf die hohen Holzpreise in der Region im Osten Rumäniens: „Der Kreis Braila hat keine Wälder, das Holz muss über mehr als 100 Kilometer aus den Karpaten angeliefert werden und ist dadurch teuer.“

40 Euro koste ein Raummeter Scheitholz in Meterstücken, bei einer Rente von 80 Euro für ein älteres Ehepaar ist das kaum zu stemmen, zumal meist auch Geld für Medikamente gebraucht werde. Zudem sind Familien, die als Tagelöhner in der Landwirtschaft arbeiten, im Winter ohne Job, leben von geringer Sozialhilfe und dem Kindergeld, das zehn Euro pro Kind beträgt.

Kein Strom, kein Holz: Fuldaer Menschenrechtsgruppe unterstützt Familien im Osten Rumäniens

Eine erste Fuhre Holz für 500 Euro haben die Fuldaer mit den Pastoren Daniel Buzatu und Viorel Mitrea jetzt an arme Familien ausgefahren, so etwa an Familie Mocanu, die zwei gelähmte erwachsene Töchter zu versorgen hat. Sechs weitere Holzlieferungen mit je zwölf Raummetern – finanziert aus Fuldaer Spenden – fahren die beiden Pastoren im Winter aus.

Das wird benötigt: Die IGFM bittet für den Weihnachtstransport Anfang Dezember vor allem um warme Decken, Geldspenden und Fahrräder für ein Jugendprojekt. Abgabe bis Ende November bei Gunter Goebel (0661) 240088, Am Felsenkeller 24, Petersberg. Bei Interesse an einer Patenschaft hilft Felizitas Sondergeld (06657) 8715. Das Spendenkonto bei der Sparkasse Fulda, IBAN: DE92 5305 0180 0040 0274 45. / lr