Kika-Film über Fuldaer Paar löst heftige Diskussionen aus

13. Januar 2018
Fulda

An einem 24-Minuten-Film, der im November im ARD-ZDF-Kinderkanal (Kika) lief, hat sich in dieser Woche eine heftige Debatte entzündet. Der Film zeigt ein junges verliebtes Paar, das sich trotz unterschiedlicher Traditionen verstehen will: Sie kommt aus Fulda, er aus Syrien. Die Debatte wurde zu einer Lawine voller Hass, die die beiden Menschen jetzt fast unter sich begräbt.

Der Kika zeigt im November neun Tage lang Beiträge zum Zusammenleben unterschiedlicher Kulturen. Am 26. November läuft um 20.35 Uhr der Film „Malvina, Diaa und die Liebe“. Die Deutsche und der Syrer sind seit 17 Monaten ein Paar. Sie ist 16 Jahre alt, sein Alter wird im Film nicht genannt. Die Doku spricht die Konflikte an: Diaa möchte, dass seine Freundin ein Kopftuch trägt. Malvina lehnt das ab: „Ich bin eine Christin und eine Emanze“, erklärt sie.

Als rosarot und konfliktfrei wird die Liebe nicht dargestellt. Diaa, der seit zwei Jahren in Deutschland lebt und mittlerweile seine Eltern aus Aleppo nachholen durfte, hat klare Vorstellungen, wie sich seine Freundin verhalten soll. Sie soll etwa keine Mitschüler freundschaftlich umarmen. Kurze Röcke mag er nicht. Malvina zeigt sich aber als sehr selbstbewusste junge Frau, die sich nichts vorschreiben lässt.

Der Film hat keinen Sprecher, der einordnet. So ist die Reihe, in der die Doku läuft, angelegt: Die Beteiligten sollen ihre Sicht ungefiltert schildern – ohne Kommentator.

Das war im November. Aufsehen erregte der Film nicht. Zunächst nicht. Das ändert sich Anfang dieser Woche.

In der Nacht zu Montag äußert sich der AfD-Bundestagsabgeordnete Dirk Spaniel aus Baden-Württemberg. Der Film sei „unerträgliche und gefährliche Propaganda der Staatsmedien“ sowie „Manipulation und Indoktrination von Minderjährigen“.

Der AfD-Mann bringt den Film in direkten Zusammenhang mit der Tötung an einem 15-jährigen Mädchen in Kandel Ende Dezember, mutmaßlich begangen von einem 16-jährigen Afghanen, dem Ex-Freund des Mädchens. „Vor dem Hintergrund des Mordes an der 15-jährigen Mia ist es ein Skandal ersten Ranges, dass – noch dazu ein Kindersender (!!!) – auf subtile Art falsch verstandene Toleranz bewirbt“, schimpft der AfD-Politiker.

Diese Äußerung löst im Netz einen Sturm über den Film aus. Auf der Facebook- und der Internet-Seite des Kika hagelt es Kritik – und Hass. Kika wird vorgeworfen, mit dem Film Werbung für islamische Werte, die Unterdrückung der Frau und die Islamisierung der deutschen Gesellschaft zu machen. Diaas Forderungen würden als berechtigt dargestellt.

Der Kika weist die Kritik zurück. Der Film beschönige nichts. Malvina und Diaa seien ein „Beispiel dafür, wie unterschiedliche Kulturen aufeinander zugehen, auch wenn die Umstände schwierig sind“.

Damit sich die Zuschauer ihr eigenes Bild von dem Film „Malvina, Diaa und die Liebe“ machen können, zeigt das hr-Fernsehen den Film am heutigen Samstag um 16.45 Uhr erneut.

Anschließend wird Philipp Engel in einem 65-minütigen „Engel fragt“-Spezial diskutieren mit der Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, der Medienpädagogin Dr. Maya Götz, Thomas Mücke vom Violence Prevention Network, dem AfD-Bundestagsabgeordneten Dr. Dirk Spaniel sowie hr-Fernsehdirektorin Gabriele Holzner. Infos und Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Thema gibt es zudem im Internet. / vn

Was die „Bild“ und die Zeitung „Die Welt“ zu der Sendung schreiben, warum Malvina und Diaa ein Redaktionsgespräch absagen und was AfD-Politikerin Alice Weidel zur Doku auf Twitter schreibt, lesen Sie in einem ausführlichen Bericht der Samstagausgabe der Fuldaer Zeitung sowie im E-Paper.