Künzeller handelte mit Drogen: Ein Jahr Haft auf Bewährung

13. September 2017
Künzell

Weil er mit Amphetaminen und Haschisch gehandelt hat, ist am heutigen Mittwoch, 13. September, ein Mann aus Künzell vor dem Amtsgericht Fulda zu einem Jahr Haft auf Bewährung verurteilt worden. Außerdem soll er 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Der psychisch kranke 37-Jährige will in einer Einrichtung für betreutes Wohnen zurück in einen geregelten Alltag finden.

Von unserem Redaktionsmitglied Anna-Lena Bieneck

Dass die Betäubungsmittel, die die Polizei im November 2015 in seiner Wohnung gefunden hat – rund 5 Gramm Amphetamin, 10 Gramm Marihuana, 125 Gramm Cannabisharz und Tabletten – auch zum Verkauf gedacht waren, das hatte der Angeklagte von Anfang an zugegeben. Mit dem Handel hatte der Künzeller seine Drogensucht finanziert.

Mit den Drogen habe er versucht, sich selbst zu heilen, erklärte er vor Gericht. Vor rund zehn Jahren war bei ihm eine schizophrene Psychose festgestellt worden.

Auch heute noch ist er in Behandlung und nimmt Medikamente gegen Angstattacken und Halluzinationen – unter anderem hörte er Stimmen. Ein Arzt bestätigte vor Gericht außerdem eine ADHS-Erkrankung. Zur Tatzeit war der 37-Jährige abhängig von Amphetaminen.

Die Staatsanwaltschaft hatte gestern ein Jahr und acht Monate Haft auf Bewährung gefordert, die Verteidigung hielt eine Bewährungsstrafe von neun Monaten für ausreichend. Richter Dr. Jörg Weddig verurteilte den Angeklagten heute zu einem Jahr Haft auf Bewährung.

Diese Strafe hätte deutlich höher ausfallen können: Im Mittelpunkt der Verhandlung stand ein präparierter Imbussschlüssel, der ebenfalls bei der Wohnungsdurchsuchung gefunden wurde. Die Staatsanwaltschaft erkannte darin zunächst eine Waffe, die – im Zuge des Drogenhandels – gegen mögliche Angreifer oder gar die Polizei hätte zum Einsatz kommen sollen. „Das können wir letztendlich aber nicht beweisen“, sagte Staatsanwalt Greyer gestern in seinem Plädoyer. Es sei ebenso möglich, dass der Metallstab zum Rauschen von Haschisch gebraucht worden war – das hatten der Angeklagte und sein Verteidiger Knut Hillebrand mehrfach betont.

„Ein bewaffneter Handel mit Betäubungsmitteln hätte für das Strafmaß einen riesen Unterschied bedeutet“, betonte Richter Weddig heute nach der Urteilsverkündung. Für den bereits zweimal zu einer Geldstrafe verurteilten Künzeller habe gesprochen, dass er von Anfang an geständig gewesen sei. „Außerdem nimmt er keine Drogen mehr, wie Tests beweisen.“

Wichtig sei nun, dass der 37-Jährige weiterhin seine Medikamente nehme und – bestenfalls durch betreutes Wohnen – zurück in einen geregelten Tagesablauf finde. Auch die 100 Arbeitsstunden sollen dazu beitragen. „Wir wollen, dass Sie gesund werden und keine Drogen mehr nehmen“, schloss Richter Weddig. Das will auch der Künzeller. Er stehe bereits auf der Warteliste für einen Wohnplatz, sagte Verteidiger Knut Hillebrand.