Landrat Woide attackiert Energiewende

RhönEnergie für Windkraft mit Bedacht / Neue Verzögerung bei Nordsee-Projekt

31. Januar 2014
Kreis Fulda

Einen Tag nach dem Bekanntwerden der Rückstellung der RhönEnergie von 55,4 Millionen Euro, verursacht durch die Folgen der Energiewende, meldet sich der Fuldaer Landrat Bernd Woide (CDU) zu Wort. Er kritisiert die Energiepolitik des Bundes scharf.

"Die Rückstellung ist höchst unerfreulich. Die RhönEnergie ist Opfer der wahnsinnigen Verwerfungen am Strommarkt", sagt Woide und beklagt den abrupten Kurswechsel des Bundes in der Energiepolitik. "Investitionen in Kraftwerke sind langfristig. Darauf muss die Politik Rücksicht nehmen."

Der Staat regele den Energiemarkt planwirtschaftlich und bürde Betrieben und Verbrauchern Kosten und Risiken auf. Dass ausgerechnet alte Braun- und Steinkohlekraftwerke von der Energiewende profitierten, könne nicht richtig sein.

Woide kritisiert das fehlende Gesamtkonzept. "Wir hätten uns bei der Planung Zeit nehmen müssen." Bei den erneuerbaren Energien, auch der Windkraft, werde über die Stromerzeugung, nicht aber über die – fehlende – Speicherbarkeit und die Notwendigkeit flankierender konventioneller Kraftwerke gesprochen. Deshalb kritisiere er nicht nur Details, sondern den Kurs der Energiewende insgesamt.

Wegen der Unsicherheit bei der Einspeisevergütung will RhönEnergie-Geschäftsführer Günter Bury Windkraftprojekte mit Vorsicht entwickeln. Die geplante 50-Millionen-Euro-Investition in den Windpark Buchonia bei Schlüchtern, für die im August 2013 der Genehmigungsantrag gestellt wurde, bedeute aber "kein weiteres Erzeugungsrisiko, sondern im Gegenteil eine Streuung des Risikos am Energiemarkt durch die Diversifizierung der Erzeugung". Alles hänge jetzt aber an politischen Vorgaben. Im Laufe der nächsten Monate erwarte er eine Entscheidung der Genehmigungsbehörde, bis Sommer 2014 eine Weichenstellung des Bundes für ein neues Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG). Bleibt das Projekt wirtschaftlich, was weiter laufend geprüft wird, erwartet Bury die Inbetriebnahme 2015.

Die Windkraftprojekte im Kreis Fulda seien dem Projekt Buchonia nachgeordnet, was Genehmigungsverfahren und Inbetriebnahme anbelangt, erklärt Bury. Aktuell laufen Vorarbeiten, wie Windmessungen in Ebersburg und Kalbach sowie Prüfungen zur Genehmigungsfähigkeit. Auch bei den Projekten im Kreis Fulda warte die RhönEnergie die Auswirkungen eines neuen EEG ab.

Ein weiteres Großprojekt bereitet der RhönEnergie Kummer. Die Inbetriebnahme des Windparks Borkum, an dem sie mit 22 Millionen Euro beteiligt ist, verzögert sich weiter. Der Park mit 40 Windrädern in der Nordsee sollte Ende 2012 ans Netz gehen. Zuletzt wurde die Inbetriebnahme für Ende 2013 angekündigt. Jetzt geht Bury davon aus, dass sie im Frühsommer 2014 erfolgt.

Die Energiewende bringt auch zwei südhessische Versorger in Bedrängnis – aus ähnlichen Gründen wie die RhönEnergie. Die Darmstädter HSE und die Frankfurter Mainova sind am Gaskraftwerk im bayerischen Irsching beteiligt, das kaum noch Strom liefern darf. Die HSE hat 2012 acht Millionen Euro aus dieser Beteiligung abgeschrieben, die Mainova 22 Millionen Euro.