Mit Flüchtlingen plaudern: Welcome In will Begegnungsstätte in Fuldas Mitte schaffen

02. März 2016
FULDA

Mit der Integration von Flüchtlingen geht es auch in Fulda allenfalls in Trippelschritten voran. Ein großes Hindernis ist die räumliche Distanz zwischen den Geflüchteten und den Fuldaern. Eine Gruppe junger Menschen will das nun ändern – und hofft auf Hilfe für ihr ambitioniertes Projekt.

Von unserem Redaktionsmitglied Sascha-Pascal Schimmel

In Fulda und dem gesamten Landkreis sind im vergangenen Jahr an vielen Orten Unterkünfte für Flüchtlinge entstanden. Diese waren dringend nötig, um massenhafte Obdachlosigkeit zu verhindern.

Nun müssen die Bewohner der Unterkünfte jedoch in die Gesellschaft integriert werden. Damit geht es bisher allerdings nur in Trippelschritten voran. Die Sprache sowie die Unterbringung abseits der belebten Stadtzentren erweisen sich als massive Barrieren.

Integration in Trippelschritten

Die Initiative Welcome In Fulda will einen Beitrag zur Integration von Flüchtlingen leisten. „Welcome In Wohnzimmer“ nennen die jungen Leute ihr ambitioniertes Projekt. Ginge es nach ihnen, könnten sie sofort mit dessen Umsetzung loslegen. Dazu müssen sie jedoch zwei hohe Hürden nehmen – wobei sie auf Hilfe angewiesen sind.

„Welcome In“ engagiert sich bereits heute für Flüchtlinge. In der Unterkunft in der Frankfurter Straße in Fulda, dort leben zurzeit deutlich mehr als 100 Menschen, bietet die Initiative neun Sprachkurse wöchentlich, ein Mittwochs-Café, eine Frauengruppe sowie die Gruppe Sport und Freizeit an.

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„Allerdings gibt es dort keinen Gemeinschaftsraum“, sagt Jochen Schiersch von Welcome In. „Mit unseren Aktivitäten dringen wir deswegen in die Privatsphäre der Bewohner ein.“ Nicht zufriedenstellend sei diese Situation jedoch besonders, weil sie verhindert, dass Flüchtlinge und Fuldaer sich näherkämen. „Für Gäste ist es eine große Hürde, das Gebäude zu betreten“, sagt Schiersch. „Für Geflüchtete stellt es wiederum eine große Hürde dar, soziale Kontakte in Bars oder Cafés in der Innenstadt zu knüpfen. Dort stehen nicht Begegnungen mit unbekannten Menschen, sondern der Austausch mit Freundinnen und Freunden im Fokus.“

Die Leute von Welcome In möchten das ihrem „Wohnzimmer“ nun ändern. Ihnen schwebt eine Begegnungsstätte in Fuldas Innenstadt vor. Die Planungen laufen bereits seit Mitte November. Zentrum des Projekts soll eine Café-Bar sein. „Wir hoffen, dass sich Fuldaer und Flüchtlinge dort begegnen und Vorurteile abbauen“, sagt Schiersch. Menschen, die während des Bummels durch die Stadt am Café vorbeiliefen, hätten die Möglichkeit, einfach einmal hinein zu schnuppern. Die Hürde wäre niedriger als ein Besuch in einer Unterkunft.

Für die Getränke solle jeder Gast zahlen, so viel sie ihm wert sind. „Der Betrieb der Café-Bar ist jedoch nicht auf Konsum ausgelegt. Vielmehr geht es um Begegnungen – zum Beispiel beim Kickern, bei dem die Sprache zudem keine Rolle spiele. In Zusammenarbeit mit Freifunk Fulda möchte die Initiative zudem kostenloses Internet im Café zur Verfügung stellen. Die Menschen sollen sich dort ungezwungen aufhalten können, ohne etwas kaufen zu müssen.“ Auf Gewinn sei Welcome In ohnehin nicht aus.

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Die Idealvorstellungen von Schiersch und seinen Mitstreitern wären Räume, in denen sie genug Platz hätten, ihre Aktivitäten, die in der Unterkunft in der Frankfurter Straße stattfinden, dort anzubieten. Außerdem wäre ein Raum, in dem sich Ehrenamtlichen treffen und austauschen könnten, sowie Platz für eine Bühne für Kulturelle Angebote super – jedoch kein Muss.

Denn die Leute von Welcome In wissen, welche großen Aufgaben sie zuvor noch lösen müssen. Zwar würden viele Flüchtlinge gerne sofort helfen, das „Wohnzimmer“ einzurichten – unter ihnen befinden sich Handwerker wie Maler und Schreiner. Nur fehlt noch das Wichtigste: Ein geeigneter Raum in der Innenstadt sowie Geld zur Finanzierung.

Welcome In hofft auf Unterstützung der Fuldaer

„Es ist wirklich knifflig“, sagt Jochen Schiersch. „Einen Raum erhält man ja an sich nur, wenn man das nötige Geld hat. Das erhält man jedoch zumeist erst, wenn klar ist, welche Räumlichkeit finanziert werde muss und wie hoch die Miete ist.“ Welcome In hofft, dass viele Fuldaer auf ihre Idee aufmerksam werden und ihnen bei diesen Problemen unter die Arme greifen. Auch würde die Initiative gerne die Stadt mit ins Boot holen. Für die sei das „Wohnzimmer“ eine Möglichkeit, sich mittels eines neuen Projektes an der Integration zu beteiligen.

„Der Stadt liegt unser Konzept mittlerweile vor“, sagt Schiersch. „Zudem haben wir mit mehreren Bundestagsabgeordneten aus der Region gesprochen.“

Posted by Welcome In Wohnzimmer on Samstag, 27. Februar 2016

Unterstützung erhält Welcome In bisher vom Förderverein Kultur- und Umweltbildung. „Er stellt uns seine Vereinsstruktur zur Verfügung“, sagt Jochen Schiersch. Zudem hat die Hochschule 15 PCs mit Betriebsprogrammen in sieben Sprachen zugesagt. „Wir erhalten Hilfe als vielen Fachbereichen der Hochschule. Beispielsweise hat ein BWLer einen Businessplan für uns aufgestellt.“

Großer Dank an Pfarrer Fischer

Besonders dankbar ist Welcome In der Luther-Kirche in Fulda und deren Pfarrer Matti Fischer. „Ihm haben wir viel zu verdanken“, sagt Schiersch. „Seine Kirche finanziert beispielsweise unser Mittwochs-Café in der Frankfurter Straße.“

Und auch beim Projekt „Wohnzimmer“ ist die Kirche wieder dabei. Sie zahlt das Gehalt einer Halbtagsstelle in der geplanten Begegnungsstätte. Jochen Schiersch wird sie bekleiden. Am 1. April geht es los. Bis dahin hat das „Wohnzimmer“ hoffentlich ein Zuhause gefunden.

Ihnen gefällt die Idee vom „Welcome In Wohnzimmer“ und Sie möchte dazu beitragen, dass es Realität wird? Dann können Sie der Initiative einen x-beliebigen Betrag spenden.

IBAN: DE60 5305 0180 0043 007376
Sparkasse Fulda
Verwendungszweck: Wohnzimmer

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Das Konzept zum „Welcome In Wohnzimmer:“
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