Nach Tod des 19-Jährigen: Landrat Bernd Woide äußert sich zu Polizeieinsatz und Reaktionen

16. April 2018
Fulda

Angesichts der extremen Reaktionen auf den Polizeieinsatz, bei dem ein 19-jähriger Flüchtling getötet wurde, der in einer Gemeinschaftsunterkunft des Landkreises Fulda untergebracht war, äußert sich Landrat Bernd Woide.

Das Statement des Landrates lesen Sie nachfolgend im Wortlaut:

Seit am Freitag ein 19 Jahre alter Mann aus Afghanistan bei einem Polizeieinsatz zu Tode gekommen ist, überschlagen sich die Kommentare dazu, die bei Facebook und generell im Internet formuliert werden. Es ist unerträglich, wie kaltschnäuzig und unbarmherzig diese menschliche Tragödie für Hetze genutzt wird.

Ein Mensch ist gestorben durch die Waffe eines Polizisten im Einsatz. Das ist eine Tragödie für alle Beteiligten – und damit vollkommen ungeeignet, um schnelle Schlüsse zu ziehen, persönliche Deutungen zu verbreiten oder gar Schuld zuzuweisen.

Das gilt aber nicht nur für die Seite derer, die in jedem Flüchtling einen potenziellen Terroristen vermuten. Das gilt unbedingt auch für jene, die um den Toten trauern. Bei allem Verständnis für den Schmerz derer, die mit ihm verwandt, befreundet oder bekannt waren – ihr Protestmarsch am Sonntag war in seiner Form unangemessen. Mit afghanischen Flaggen zogen sie durch die Stadt und forderten „Wir wollen Gerechtigkeit“. Sie äußerten schwere Vorwürfe gegen die Polizei, die mit großer Aggression vorgegangen sei.

Ich sage es deutlich: Für die Trauer um den jungen Mann muss man nicht die Flagge Afghanistans bei sich tragen, die in diesem Zusammenhang geradezu signalisiert, sein Tod habe etwas mit seiner Nationalität zu tun. Was für ein unglaublicher und unsinniger Vorwurf!

Dass bei der Demonstration überdies das Geschehen so gedeutet worden ist, als habe die Polizei einen Mann erschossen, der eigentlich nur zwei Brötchen habe kaufen wollen, ist schier unfassbar. Und es zeigt leider auch, dass viele nicht verstehen, welche Regeln und Gesetze bei uns greifen. Fakt ist, die Aggression ging von dem getöteten Flüchtling aus, das ist unstreitig und zeigt sich an den Verletzungen etwa des Auslieferungsfahrers und von Polizisten sowie den eingeschlagenen Scheiben.

Der gesamte Hergang jedoch wird nun aufgeklärt, aber nicht auf der Straße und nicht im Internet, sondern durch das Landeskriminalamt und die Staatsanwaltschaft. Dafür steht unser Rechtsstaat. Er garantiert nicht nur die Freiheit, sogar gegen ihn zu demonstrieren, sondern auch objektive Ermittlungen im Fall des am Freitag getöteten Mannes. Die Ergebnisse sollte man vor weiteren Interpretationen und Schuldzuweisungen abwarten.

Unsere Polizei handelt rechtsstaatlich und verdient unser aller Vertrauen und Respekt.