Neue Erkenntnisse nach Polizeischuss in Neuenberg: 19-Jähriger wurde von vier Kugeln getroffen

16. April 2018
Fulda

Neue Erkenntnisse nach den tödlichen Schüssen vor einer Bäckerei im Münsterfeld am Freitag: Der 19-Jährige aus Afghanistan ist von vier Kugeln getroffen worden, von denen zwei tödlich waren. Insgesamt wurden zwölf Schüsse abgegeben.

Das bestätigt Harry Wilke von der Staatsanwaltschaft Fulda auf Nachfrage unserer Zeitung. Demnach haben den Flüchtling eine Kugel in den rechten Oberschenkel und drei in den Thorax-Bereich getroffen. „Zwei dieser Schüsse waren tödlich, weil dabei Organe verletzt worden sind“, erklärt Wilke.

Der 19-Jährige hatte am Freitag vor einer Bäckerei im Münsterfeld randaliert, unter anderem einen Lieferanten angegriffen. Daraufhin wurde die Polizei alarmiert. Der Staatsanwalt hat weitere Hintergründe dazu: „Als die erste Streife eintraf, wurde sie sofort von dem 19-Jährigen attackiert. Einem Polizisten hat er dabei offensichtlich den Schlagstock entwendet und ihn damit traktiert.“ Der Polizist habe am Boden gelegen und sei schwer verletzt worden.

Die zweite Streife, die kurz danach eintraf, habe den Randalierer dann festnehmen wollen. „In diesem Auto saßen der spätere Schütze und eine Kollegin“, sagt Wilke. Der 19-Jährige habe nicht auf die Polizisten reagiert. Wahrscheinlich seien dabei auch Warnschüsse abgegeben worden, auf die er ebenfalls nicht reagiert habe. Beim Festnahmeversuch habe er den späteren Schützen dann ebenfalls mit dem Schlagstock attackiert. Dabei habe dieser die tödlichen Schüsse abgegeben. Alle zwölf Schüsse stammten vom selben Beamten, sagt Wilke. Hinweise auf Alkohol oder Drogen bei dem Afghanen gebe es bislang keine.

LKA-Sprecher Christoph Schulte sagte zur Vielzahl der Schüsse: Es sei für eingesetzte Beamte in solch einem Fall nicht immer möglich, nur Arme oder Beine zu treffen. „Denn der Angreifer bewegt sich ja auch.“ Die Beamten stünden auch unter enormem Stress in einer „hochdynamischen Situation“. Generell gelte: Die Beamten lernten, so lange zu schießen, bis die Gefahr gebannt sei. / kir, dpa