Projekt "Bindeschuh": Freie Bahn für die Kreativität der Sprayer

Behinderte präsentieren "KunstStücke" des Projekts "Bindeschuh"

27. Januar 2014
Fulda

Farbenfrohe Landschaften, Fantasiemotive oder Personen sind in der neuen Ausstellung zu sehen, die gestern in den Räumen der Fortbildungsakademie der Wirtschaft (FAW) eröffnet worden ist. 17 Künstlerinnen und Künstler mit geistiger Behinderung haben die Bilder im Rahmen des integrativen Kunst- und Kulturprojekts "Bindeschuh" gemalt.

Die 32 Kunstwerke sind Ausdrucke, die als Dauerausstellung in der FAW bleiben sollen. Die verwendeten Materialien sind ganz unterschiedlich – nicht nur Acryl auf Leinwand sowie Bunt- und Filzstifte kamen zum Einsatz, sondern auch Filz auf Stoff oder eine Computergrafik können die Besucher bestaunen.

Jede Woche treffen sich die Künstler und bekommen bei Bedarf Hilfe von Studierenden der Hochschule Fulda. Eine der Helfer ist Luise Krause. Die 24-Jährige studiert soziale Arbeit und arbeitet im Rahmen eines Vertiefungsmoduls mit den Künstlern von "Bindeschuh" zusammen. Das Projekt ist eine Lehrveranstaltung des Fachbereichs Sozialwesen der Hochschule Fulda, die Praxis integriert.

"Jeden Montagnachmittag holen wir die Künstler ab oder sie kommen in das Atelier und malen zwei Stunden lang. Wir dürfen nicht anleiten, sondern assistieren nur. Zum Beispiel helfen wir beim Pinsel auswaschen oder Farben aussuchen. Die Motivideen bringen sie selbst mit", erklärt die Studentin. Die meisten Künstler würden viel Vorfreude auf die kommenden Ausstellungen oder auch Kunstwettbewerbe haben.

Petra Amend ist eine der Künstlerinnen. Zwei Bilder der 50-Jährigen sind in der Ausstellung zu sehen. Das eine zeigt die sieben Zwerge, das andere einen Kran – gemalt mit Acrylfarben. "Ich kam auf die Idee, einen Kran zu malen, als ich hier in der Nähe eine Baustelle gesehen habe", sagte sie. Seit Oktober 2011 ist Petra Amend bei "Bindeschuh" künstlerisch aktiv.

Nach Grußworten von Akademieleiter Stephan Martin und Björn Boch, künstlerischer Leiter des Projekts "Bindeschuh", wurde ein weiteres Kunstwerk in einer inklusiven Graffiti-Aktion erstellt, das ebenfalls in der FAW ausgestellt wird. Auf einer Sperrholzplatte sprühten die Künstler, Studenten und Besucher eine Sonne, eine Blume oder Wörter – jeder Sprayer ließ seiner Kreativität freien Lauf.

Zudem wurde der Film "Zurück ins Leben" gezeigt, in dem es darum geht, wie Personen mit erworbenen Hirnschädigungen einen Weg in die berufliche Rehabilitation finden. Denn dies ist eine von vielen Aufgaben der FAW. Unter der Leitung von Professor Dr. Wolfgang Meyberg wurde eine Txalaparta-Vorführung dargeboten. Dieses Instrument ist eine Art Trommel, die aus dem Baskenland stammt.