Über den Berg fliegen, ohne abzuheben: Gleitschirmflug-Simulator auf der Wasserkuppe

28. September 2017
Wasserkuppe

Ein Gestell, Seile und ein Tragegurt: Der Gleitschirmflug-Simulator in der Flugschule Papillon auf der Wasserkuppe wirkt unspektakulär. Dieser Eindruck ändert sich beim Testflug, wenn die Flugschule und die Menschen rundherum verschwinden und durch die virtuelle Brille die Wasserkuppe aus 350 Metern Höhe zu sehen ist.

Von unserem Redaktionsmitglied Jessica Vey

Wer sich noch nie an das Gleitschirmfliegen auf Hessens höchstem Berg herangetraut hat, der kann das Gefühl des Paragleitens nun doch erleben – und das ganz ohne abzuheben. Der neue Flugsimulator der deutschlandweit größten Flugschule Papillon macht es möglich. Mit Studierenden der Technischen Hochschule Köln hat Papillon den Simulator entwickelt, der in dieser Form auf der Welt wohl einmalig ist.

Die Studenten können den Flug auf einem Monitor mitverfolgen. Alles ist da: die Wasserkuppe mit dem Fliegerdenkmal, Wald, Wiesen, sogar ein Adler, der vorbeifliegt. Frischer Wind kommt aus einem Ventilator.

Der simulierte Flug startet am Westhang der Wasserkuppe. Anzusteuern ist eine Wiese oberhalb von Abtsroda. Durch die Animation wirkt die Umgebung ein bisschen wie in einem Computerspiel, aber trotzdem sehr echt. Echt ist auch die Aufregung, das Adrenalin. 350 Höhenmeter heißt es zu bewältigen.

Über den Berg fliegen, ohne abzuheben: Gleitschirmflug-Simulator auf der Wasserkuppe

Eine Studentengruppe aus Köln hat den Simulator entwickelt. Darüber freuen sich die Papillon-Geschäftsführer Boris Kiauka (Dritter von rechts) und Andreas Schubert (rechts). / Foto: Jessica Vey

Boris Kiauka, einer der Papillon-Geschäftsführer, gibt Anweisungen. Es bleibt nicht dabei, die Aussicht über die Wasserkuppe und die Landschaft zu genießen. Jetzt geht es an die Landung. Eine weiße Spirale ist von Weitem zu erkennen und dreht sich Richtung Boden. Sie zeigt die Flugbahn an. „Zieh’ links an der Leine und verlagere dein Gewicht nach links. Du fliegst jetzt eine 90-Grad-Kurve“, sagt Kiauka.

Gesagt, getan. Aber der Winkel ist noch zu stumpf. Neigt man den Körper noch stärker und zieht kräftig an der Leine, ist es geschafft. Schon befindet sich der Gleitschirm mitten in der Spirale. Leine locker lassen, aufrecht hinsetzen und gleich wieder nach links lehnen und ziehen. Das muss schnell gehen. Konzentration ist gefordert. Man will ja nicht abstürzen – auch wenn das in der Simulation gar nicht möglich ist. Das Gefühl, jeden Moment aus dem Sitz zu fallen, ist trotzdem da.

Dann geht es ganz schnell: Ruckzuck ist man auf der Wiese oberhalb von Abtsroda gelandet. Der Schriftzug „Super, Glückwunsch!“ ploppt rechts oben im Blickfeld auf. Fünf Minuten sind um. Die Zeit einzuschätzen, fällt während des Flugs schwer.

Mit beiden Beinen zurück auf festem Boden in der Flugschule, dauert es einen Moment, das Gleichgewicht wiederzufinden. Die Beine fühlen sich wackelig an, das Herz klopft.

„Digitale und reale Welt prallen aufeinander. Das ist eine Reizüberflutung – und sehr aufregend“, findet Fluglehrer Kiauka und erklärt den Grund für das Studentenprojekt: „Unsere Schüler können nun in dem Simulator einen Flug erleben, ohne in die Luft zu gehen. Auch wenn es draußen stürmt und regnet – was vor allem jetzt im Herbst auf uns zukommen wird –, können wir drinnen mit den Schülern trainieren.“