Rosins fieser Trick: So wollte der TV-Koch das Eidmann’s in Fulda in den Dreck ziehen

08. Juli 2015
FULDA

Sich bei Frank Rosin Hilfe zu suchen, ist kein Zuckerschlecken. Diese Erfahrung machte auch der Fuldaer Wirt Alexander Eidmann. Am Dienstagabend war er Protagonist von „Rosins Restaurants“. Der Sternekoch feuerte eine Salve vernichtender Kritik ab – und bediente sich eines fiesen Tricks.

Von unserem Redaktionsmitglied Sascha-Pascal Schimmel

Erst alles in den Dreck ziehen und dann den Laden in Manier eines strengen Oberlehrers mit aufgesetzter väterlicher Zuneigung wieder auf die Beine stellen. Das ist das Prinzip Frank Rosins. Gastronomen, die Hilfe bei dem Sternekoch suchen, müssen sich darauf einstellen, erst einmal mit vernichtender Kritik bombardiert zu werden.

Kein Wunder, dass Alexander Eidmann, Wirt des Eidmann’s nahe der Hochschule Fulda, am Dienstagabend extrem nervös gewesen ist.

„Ich bin wirklich sehr angespannt“

Im Frühling hatte der frühere Elektrotechniker Besuch von Rosin. Der TV-Koch sparte nicht mit Kritik und krempelte das Restaurant, das da noch Academica hieß, im Rahmen seiner – nun ja – Doku „Rosins Restaurants“ um. Nun strahlte Kabel 1 die Folge mit dem Eidmann’s aus – und der Wirt hatte zum Public Viewing geladen.

„Ich bin wirklich sehr angespannt“, sagt Eidmann ein halbe Stunde vor Beginn der Ausstrahlung. Zum einen, weil der Regen zahlreiche Gäste vom Biergarten in den Gastraum gejagt hatte. „Wir mussten gucken, wo wir alle unterkriegen. Eigentlich waren alle Tische reserviert. Das war wirklich stressig.“

Am Ende fanden alle einen Platz – an den Tischen vor und abseits der Leinwand, die Eidmann für das Public Viewing heruntergelassen hatte.

Wie kommt Eidmann bei „Rosins Restaurants“ weg?

Was den Wirt jedoch noch mehr stresste, war der kleine Ausschnitt der Rosin-Folge mit dem Eidmann‘s, die Kabel 1 vorab auf seiner Homepage veröffentlicht hatte. Da hört man Rosin schimpfen, was für eine Katastrophe die Küche sei.

Kurz bevor die komplette Folge startete, stellte der Fuldaer Wirt sich vor seine Gäste und hielt eine kleine Ansprache. „Ich hoffe, ihr werdet nach der Sendung noch mit mir sprechen. Solltet ihr anschließend Fragen haben, ich beantworte sie gerne.“ Eidmann hatte sichtlich die Befürchtung, zu schlecht wegzukommen bei „Rosins Restaurants“.

Rosins Ruf eilt ihm voraus

Die Befürchtung sollte sich erst einmal bewahrheiten. Rosin ließ an kaum etwas ein gutes Haar. Von der während des ersten Testessens servierten Vorspeise, einer Suppe, sei sogar ein Löffel eigentlich zu viel für ihn gewesen. Das Hauptgericht war ihm zu fad. Die Einrichtung schäbig. Nur das Dessert – die Schokomousse glich für den Sternekoch einer Wolke – und der Service kamen gut weg.

Dabei muss man jedoch wissen, dass Rosin fast immer so vorgeht. Der Zuschauer am Fernseher will schließlich unterhalten werden. Die Sendung des Kochs hat seit Jahren den Ruf, relativ zu vergleichbaren Dokus besonders zu dramatisieren.

Dazu heben Rosin und sein Team immer wieder auf Nebensächlichkeiten ab. Oder greifen gar zu fiesen Tricks.

Testesserin sagt, wie es wirklich gewesen ist

Das Eidmann’s führte Rosin vor, indem er während der Sendung wiederholt auf einem Riss in einem Polster der Lounge-Möbel ritt. Kerle, wie schäbig. Das ist der Eindruck, der vermittelt werden sollte. Und eine junge Testesserin bestätigt diesen auch noch vor der Kamera. „Sieht aus wie ein runtergekommener Jugendraum. Da würde ich keinen Kaffee trinken.“

Die junge Frau war am Dienstagabend ebenfalls beim Public Viewing im Eidmann’s. Gegenüber fuldaerzeitung.de berichtet sie, wie es wirklich gewesen ist. Fünfmal habe sie ihren Satz wiederholen müssen. Wahrscheinlich wurde ihr dieser sogar vorgesagt.

„Außerdem war der Riss, als die Kameras noch ausgeschaltet gewesen waren, gar nicht zu sehen. Ein Flicken klebte darüber. Rosin hat ihn abgerissen.“ Ohnehin sei es der einzige Riss in den Polstern in diesem Bereich gewesen. Klingt schon nicht mehr so schäbig.

Was wären wir ohne Deutschlands besten TV-Koch?

Daneben hatte sich der Starkoch auf die Gläser, in denen Eidmann das „wolkengleiche“ Dessert serviert hatte, eingeschossen. Darauf stand in geschwungenen Buchstaben der Name eines Saftherstellers. Skandal! Und so sahen es die mit Sicherheit gut instruierten Testesser auch. Wenn es sonst keine Probleme gibt.

Aber zum Glück konnte sich Eidmann ja auf den beinharten Alleskönner Rosin verlassen. Nachdem sein Team dem Restaurant eine neue Einrichtung verpasst hatte und neue Gerichte den Weg auf die Speisekarte gefunden hatten, waren die Testesser auf einmal hellauf begeistert. Statt 23 von 50 möglichen Punkten erhielten Eidmann und seine Truppe nun 43 Punkte. Sensationell. Frank Rosin, du bist es. Kabel 1 bezeichnet ihn übrigens als Deutschlands besten TV-Koch.

Der Wirt ist zufrieden

Auch wenn in „Rosins Restaurants“ einmal mehr einiges überspitzt dargestellt und dramatisiert wurde: Alexander Eidmann ist ganz zufrieden. „Das, was da gesagt wurde, ist wirklich Pillepalle“, sagte er am Dienstagabend. „Von einigen Gästen haben wir heute Lob bekommen.“

Eidmann hatte ohnehin schon gemerkt, dass es bergauf geht. Der Umsatz sei um 30 Prozent gestiegen und die Hütte abends häufig voll, hatte er fuldaerzeitung.de vor wenigen Tagen gesagt. Und auch die Testesser, die sich das Public Viewing nicht entgehen lassen wollten, äußerten sich positiv. „Über das Eidmann’s kann man sicher Gutes schreiben.“

Mehr zu dem Thema:

Nach Besuch von Starkoch Rosin: Fuldaer Restaurant Eidmann‘s „abends richtig voll“
Dienstagabend auf Kabel 1: Starkoch Rosin verwandelt Fuldaer Lokal Academica in das Eidmann‘s
„Schnell, lecker, gesund“: Sternekoch Rosin krempelt Fuldaer Restaurant um