Mit Sondergenehmigung: Grüne schlagen kurzen Schredder-Probelauf vor

10. Juli 2017
Eichenzell/Fulda

Mit einem Vorstoß versuchen die Fuldaer Grünen, Bewegung in die festgefahrene Situation um den heiß diskutierten neuen Standort für die Firma Weider zu bringen. Sie fordern einen Probelauf des Brechers, der zur Klärung beitragen soll.

Lesen Sie nachfolgend eine Pressemitteilung der Grünen im Wortlaut: „Die Situation scheint mir vollkommen festgefahren zu sein“, sagt Walter Rammler, Direktkandidat der Grünen für die Bundestagswahl. Hintergrund ist die Mantelverordnung der Bundesregierung vom März 2017 in der es unter anderem um die Einführung einer Ersatzbaustoffverordnung geht.

„Deshalb habe ich mich direkt vor Ort informiert, habe mit einigen der Beteiligten gesprochen und an der Info-Veranstaltung der IG im Mai teilgenommen. In entscheidenden Punkten steht Wort gegen Wort und selbst Fach-Gutachten werden in Zweifel gezogen.“

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Schredder-Areal: Standort an der A 66 bleibt im Rennen

SPD und Bürgerliste argumentierten in der Diskussion, die erst um 22.45 Uhr endete, mit den Bürgerwillen: Es gebe in der Bürgerschaft eine eindeutige Ablehnung für den Standort „Im Oberfeld“. Sprecher von CDU und CWE entgegneten, für eine Entscheidung sei es noch zu früh.

Wie bekannt will die Gemeinde Eichenzell den bestehenden Betrieb der Firma Weider Erdarbeiten auf einen neuen Standort umsiedeln. Weider wäre dazu bereit, möchte dann jedoch die Produktion erheblich ausweiten. Dagegen läuft die Interessengemeinschaft „Kein Schredder“ Sturm: Sie befürchtet eine steigende und nicht hinnehmbare Belastung der Anwohner durch Lärm, Staub und Gifte, die sie in dem zu brechenden Bauschutt vermutet.

Auch einige Eichenzeller Ärzte haben sich eingeschaltet: Sie warnen vor weiterer Belastung der Bevölkerung durch Schadstoffe und fordern, die geplante neue Anlage nach den Richtlinien der noch in Arbeit befindlichen TA Luft (Technische Anleitung zur Reinhaltung der Luft) zu prüfen. Nach Auskunft des zuständigen Ministeriums sei dies jedoch nicht möglich, so Rammler, weil jede Genehmigung nur nach den aktuell geltenden Vorschriften genehmigt werden könne. Zudem werde es noch einige Zeit dauern, bis die neue TA Luft verabschiedet sei.

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„Zu viele Fehler“: Experten kritisieren Eichenzeller Brecher-Vorhaben

350 Interessierte mögen es gewesen sein, die sich am gestrigen Dienstag im Verlauf des doch recht langen Abends in der Kulturscheune drängten. Die Meinungen der Bürger zur geplanten Brecheranlage gehen auseinander, aber das Interesse an Infos ist bei allen groß. Gestern hatte die Bürgerinitative (BI) „Kein Schredder“eingeladen.

„Mich wundert“, so Walter Rammler, „dass es über den laufenden Schredder am alten Standort im Industriepark Rhön keine Klagen gegeben hat, obwohl die Anlage dort sehr nah an den Häusern des Ortsteils Welkers steht. Zwar wurde dort sehr viel weniger Material gebrochen als am neuen Standort geplant, und auch die Zuordnung des Bauschutts ist eine andere, trotzdem hätte es doch Klagen der Bürger zumindest wegen Lärm und Staub geben müssen. Nun, da die Interessengemeinschaft massiv Front gegen die Verlegung des Standorts macht und mit besonders schädlicher Lärm-, Staub- und Gift-Belastung argumentiert, wurden die Ängste bei der betroffenen Bevölkerung geweckt.“

Ängste müsse man ernst nehmen, doch man müsse auch die Fakten dahinter möglichst objektiv überprüfen. Bei allen neuen Industriegenehmigungen sind zwei Kriterien entscheidend, so Walter Rammler: Das Vorhaben muss gesetzeskonform beantragt und umgesetzt werden und es muss für die Bevölkerung zumutbar sein. Beim letzteren spielen subjektive Wahrnehmungen und Ängste eine große Rolle.

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Weider plant weiter: BI „Kein Schredder“ spekuliert über Pläne des Unternehmers

Das Bauschuttaufbereitungsunternehmen Weider plant weiter mit einem Umzug an die A 66 bei Löschenrod. Die Bürgerinitiative „Kein Schredder“ spekulierte, dass die Firma nicht mehr umziehen wolle.

Zur Versachlichung der Diskussion schlägt Rammler einen pragmatischen Versuch vor: Die Firma Weider soll für ein paar Stunden einen Probelauf ihres Brechers am neuen Standort durchführen. Dabei könne man sich konkret einen Eindruck verschaffen, welche Lärm-und Staubbelastungen entstehen, wie viel davon in der Wohnbebauung ankommt.

Da Gifte sich vergleichbar mit dem Staub verbreiten, könnte man auch in diesem Punkt Anhaltspunkte gewinnen. Der Versuch sollte Klärung über die zu erwartenden realen Belastungen der Bevölkerung geben. „Ich werde mich deshalb an das Regierungspräsidium wenden und um eine Sondererlaubnis bitten“, sagt Walter Rammler.

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Über 700 Menschen protestieren gegen „Giftschredder“ in Eichenzell

Nach Polizeiangaben waren es rund 750 Teilnehmer, die heute Mittag gegen die Genehmigung einer Schredderanlage an der A66 in Eichenzell demonstriert haben. Ihre Forderung: Das Unternehmen Weider-Erdarbeiten darf nicht in ihre Nachbarschaft umziehen.

„Selbst wenn, aus welchen Gründen auch immer, der bisher vorgesehene neue Standort wieder verworfen wird, ist der Probelauf dort nützlich für alle weiteren Planungen, denn er wird mehr Objektivität in die strittige Frage zu bringen, ob der Brecher im 350 Meter entfernten Wohngebiet von Eichenzell jenseits der A7 tatsächlich Lärm-, Staub- und Giftbelastung verursacht und damit bei der Wahrheitsfindung behilflich sein.“ / FZ