Unwetter-Bilanz: Schlammlawine, Blitzeinschläge und umgestürzte Bäume

23. Juni 2017
Region

Der Deutsche Wetterdienst (DWD) hatte am Donnerstag eine Unwettermeldung herausgegeben. Bis Freitagnacht sollte es überall im Kreis Fulda zu teils schweren Gewittern kommen. Die ersten Einsätze wurden schnell gemeldet. Gegen 22.30 hob der DWD die Warnung auf.

Der Landkreis Fulda blieb letztlich von schlimmeren Auswirkungen durch das Unwetter weitestgehend verschont. „Es war in der Nacht relativ ruhig, es gab nur vereinzelte Einsätze – es war absolut marginal, was aufgelaufen ist“, bilanzierte am Freitagmorgen ein Polizeisprecher in Fulda.

Leser Manuel Wingenfeld aus Hosenfeld schickte uns diese beiden Fotos, die Sie nachfolgend sehen können. „Das Unwetter hatte auch seine faszinierenden Seiten“, schrieb er.

Im Detail galt die Unwetterwarnung zunächst von Donnerstag, 12 Uhr, bis Freitag, 3 Uhr. Die teils schweren Gewitter sollten von Westen aufziehen. Der DWD warnte vor Starkregen mit mehr als 25 Millimeter in kurzer Zeit und großem Hagel mit Durchmessern von bis zu 5 Zentimetern.

Ein Schlammlawine wälzte sich durch Ober-Ofleiden im Vogelsbergkreis, wie Sie in dem nachfolgenden Video sehen können:

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Die Leitstelle des Vogelsbergkreises löste dann um 19.26 das Unwettermodul aus. Die Feuerwehr Homberg/Ohm wurde zu Einsätzen in Homberg und einigen Ortsteilen gerufen. Fast zeitgleich erklärte die Leitstelle des Landkreises Hersfeld-Rotenburg, dass es auch in ihrem Bereich bereits zu kleineren Hilfeleistungseinsätzen nach dem Gewitter im Bereich Heringen und Philippsthal gekommen sei.

Bei der Generalprobe der Bad Hersfelder Festspiele ging am Donnerstagabend aufgrund von Starkregen nicht viel, wie diese kurze Video-Sequenz zeigt, die das ZDF auf Twitter veröffentlichte:

In Homberg/Ohm im Vogelsbergkreis leisteten zeitweise über 100 Feuerwehrleute Hilfe. Im Stadtteil Ober-Ofleiden wälzte sich eine Schlammlawine über die Ortsdurchfahrt. Zudem kam es im Bürogebäude eines Industriebetriebs in der Dr.-Rudolf-Kellermann-Straße zum Wassereinbruch. Dort mussten die Feuerwehrleute mit Nasssaugern, Pumpen und Schiebern helfen. Die B 62 bei Alsfeld war wegen eines umgestürzten Baumes kurz vollgesperrt.

Unwetter-Bilanz: Schlammlawine, Blitzeinschläge und umgestürzte Bäume

In Ober-Ofleiden stand der Schlamm bis zu einem halben Meter hoch auf der Straße. Mindestens 30 Gebäude wurden überschwemmt. Zur Beseitigung rückten der städtische Bauhof mit Schneeschieber und Radlader, zwei örtliche Landwirte mit Frontladern und die Feuerwehr mit mehreren Fahrzeugen an. Aber auch die Bewohner des Dorfes waren mit Gummistiefeln, Besen und Schneeschiebern zur Hilfe geeilt.

Zur Versorgung der Einsatzkräfte war die Bereitschaft des Deutschen Roten Kreuzes alarmiert. Im Einsatz waren die Einsatzabteilungen der Feuerwehr aus Homberg, Nieder-Ofleiden, Ober-Ofleiden, Appenrod, Deckenbach und Gontershausen. Die Feuerwehr der Gemeinde Gemünden stellte zudem Einsatzgerät zur Beseitigung der Wasserschäden zur Verfügung.

Bäume knicken um, Keller unter Wasser

Insgesamt gingen aufgrund des Unwetters am Donnerstagabend etwa 80 Notrufe bei der zentralen Leitstelle des Vogelsbergkreises ein. Wie Kreissprecher Erich Ruhl-Bady auf Anfrage mitteilte, wurde die Leitstelle während der Unwetterphase um einen weiteren Einsatzbearbeiter verstärkt. Kreisweit rückten die Feuerwehren 35 Mal aus, unter anderem zu einer durch Blitzschlag ausgelösten Brandmeldeanlage und diversen Wasserschäden.

Wegen umgestürzter Bäume mussten die Feuerwehren aus Alsfeld, Kirtorf und Gemünden sowie Hessen Mobil insgesamt neunmal ausrücken und blockierte Straßen mit Motorsägen frei schneiden. In der Kreisstadt Lauterbach gab es in einem Gebäude einen Wasserschaden. Im Bereich der Stadt Schlitz stürzte auf einem Privatgrundstück ein Zelt ein. Dabei gab es einen Verletzten. Nach Angaben des Vogelsbergkreises waren wegen des Unwetters rund 200 Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst im Einsatz.

Unwetter-Bilanz: Schlammlawine, Blitzeinschläge und umgestürzte Bäume

Zuvor war das Unwetter über Mittelhessen hinweggefegt. Betroffen gewesen seien vor allem die Stadt und der Bereich Gießen, teilte die Polizei mit. Ein „heftiger Sturm“ habe Bäume abgeknickt, sagte ein Sprecher. Sie seien auf Straßen und Autos gefallen. Straßenschilder seien umher geschleudert worden. Menschen kamen nach einer ersten Einschätzung nicht zu Schaden.

Laut Deutschem Wetterdienst in Offenbach waren in Gießen in nur einer Stunde 22 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen. Keller seien vollgelaufen. Allein beim Polizeipräsidium Gießen seien fast 80 Einsätze gemeldet worden. Zum Beispiel drohte ein Baugerüst einzustürzen, hieß es von Seiten der Polizei. Im Großraum Gießen mussten mehrere Bahnverbindungen gesperrt werden, teilte die Bahn mit.

Unwetter-Bilanz: Schlammlawine, Blitzeinschläge und umgestürzte Bäume

In Fulda war es bis gegen kurz vor 22 Uhr am Donnerstagabend zumindest zunächst noch relativ ruhig geblieben. Die Polizei berichtete lediglich von drei Einsätzen. Auf die Landstraße L3378 kurz vor Hünfeld-Michelsrombach aus Fahrtrichtung Lehnerz kommend war ein größerer Ast gefallen.

Blasenbildung auf der Autobahn

Im Eichenzeller Ortsteil Büchenberg stürzte wenig später am Donnerstagabend ein Baum um, den die Feuerwehr wegräumte. In Petersberg-Steinau schlug ein Blitz in einem Haus in einen Schornstein ein. Es kam zu einer Rauchentwicklung im Keller. Die Feuerwehr rückte an. Zwischen Lauterbach-Frischborn und Lautertal-Hopfmannsfeld im Vogelsberg war ein umgestürzter Baum gemeldet worden.

Unwetter-Bilanz: Schlammlawine, Blitzeinschläge und umgestürzte Bäume

Probleme hatte es schon am Donnerstagmorgen auf der Autobahn A7 bei Bad Hersfeld gegeben. Aufgrund von starker Hitze bildeten sich auf einer Strecke von rund zehn Kilometern im Asphalt Blasen, wie Martin Heiserholt vom Straßen- und Verkehrsmanagement Hessen Mobil in Wiesbaden berichtete. Die linke Spur der Autobahn zwischen Homberg und der Anschlussstelle Bad Hersfeld-West in Richtung Fulda war am Morgen für einige Stunden gesperrt.

Die Autobahnmeisterei habe die größten Schäden beseitigt und kontrollierte noch einmal die Strecke. Die Blasen hätten vereinzelt bis zu 50 Zentimeter Durchmesser gehabt und seien bis zu acht Zentimeter hoch gewesen, berichtete Heiserholt. Sie hätten sich bereits am Mittwochnachmittag gebildet. Dabei sei im Asphalt eingeschlossenes Wasser verdampft und habe die Decke nach oben gedrückt. Bis zu drei Zentimeter hohe Asphalt-Blasen sind Hessen Mobil zufolge unproblematisch. / sre, sar, dpa, pw