"Windstille" erwartet ein langes Ringen

Bürgerinitiative lehnt jegliche Windräder in Neuhof ab / Sorge um den Wald

29. Juni 2013
Neuhof

In der Gemeinde Neuhof wächst der Widerstand gegen geplante Windkraftflächen im Gieseler Forst und am Opperzer Berg. "Da wir uns intensiv mit der Frage beschäftigt haben, wollen wir Windräder kategorisch aus unseren Wäldern fernhalten", sagt Wolfram Kreß.

Vorsitzender Wolfram Kreß (45) aus Dorfborn führt mit Harald Föller (44) aus Dorfborn, Rosemarie Hobert (67) und Gunther Rose (45) aus Tiefengruben sowie Thomas Kunze (48), Jürgen Link (51) und Andreas Scheibelhut (33) aus Neuhof die Bürgerinitiative Windstille. "Erst mit der Informationsveranstaltung der Gemeinde im April wurden wir wach. Vorher haben wir die Windpläne gar nicht wahrgenommen", gibt Kreß zu.

Umso intensiver habe sich die Gruppe dann informiert. Mittlerweile habe die Windstille 150 Mitglieder, auch aus den Orten Kerzell und Harmerz, die von Windrädern auf Neuhofer Gebiet betroffen sein würden.

Viele Argumente sprächen dafür, nicht eine einzige Windkraftanlagen auf Neuhofer Gebiet zu dulden. "Wenn man erst einmal ein Windrad zulässt, kommen viele nach", fürchtet Vizevorsitzender Harald Föller. Für die Bürger, die durch Bahn, Autobahn, Kaliberg und Gewerbegebiet bereits stark belastet seien, sei der Gieseler Forst, in dem die ÜWAG-Tochter SynEnergie 14 Windräder bauen will, der einzige Rückzugsraum. Unzweifelhaft sei der Wald besonders schützenwert. Jetzt aber solle er ausgerechnet unter dem Vorwand des Klimaschutzes zerstört werden. "Die A 66 durfte mit Grund nicht durch Wälder führen. Jetzt werden für jedes Windrad 5000 Quadratmeter Wald gerodet, pro Windrad werden 1400 Kubikmeter große Betonfundamente gegossen", warnt Rose.

Viele Wanderer, Radfahrer und Jogger seien im Gieseler Forst in der Nähe von Dorfborn und Tiefengruben unterwegs. Deshalb erfülle dieser Waldbereich nach Einschätzung der Windstille die Kriterien der Kategorie "Erholungswald" nach dem Hessischen Waldgesetz. Erholungswald sei aber für Windräder grundsätzlich tabu.

Beim Antransport der bis zu 90 Tonnen schweren Einzelteile würden zahlreiche Hügelgräber und auch die erhaltenen Reste der mittelalterlichen Via Regia zerstört, nimmt Andreas Schiebelhut an. Nach seinen Informationen müssten dauerhaft sechs Meter breite Trassen zu jedem Windrad freigehalten und im Winter auch geräumt werden. Auch die Frage des Brandschutzes und die möglichen Pflichten der örtlichen Feuerwehren seien noch nicht geklärt.

"Windkraft zerstört Wald und ist ökologisch zweifelhaft, und sie löst das Energieproblem nicht. Dafür ein zerstörtes Landschaftsbild hinnehmen? Das kann nicht sein", sagt Kreß. Die Initiative stelle sich auf eine lange Auseinandersetzung ein. "Wir wissen, dass der Kampf eine Sache von Jahren ist. Wir stellen uns auf viele Gerichtsprozesse ein. Aber die Bevölkerung steht hinter uns. Wir haben die realistische Chance, Windräder aus Neuhof herauszuhalten", äußert der Vorsitzende.

Unterdessen erklärt Bürgermeisterin Maria Schultheis (CDU), dass der Gemeindevorstand das diskutierte TÜV-Gutachten noch nicht beauftragt habe. "Wir wollen erst einmal sehen, welche Flächen nach der zweiten Offenlegung übrig bleiben", sagt Schultheis.