Nächtliche Fotosafari in der Rhön: Wildtiere haben jetzt Nachwuchs

19. Mai 2017
Region

Zeitiges Aufstehen kann sich im Moment für Naturfreunde wirklich lohnen: Wer in den frühen Morgenstunden den Weg nach draußen nicht scheut, entdeckt in den Wäldern und auf den Wiesen allerlei Getier. Ricken, die mit ihren Kitzen die ersten Sonnenstrahlen des Tages genießen, oder einen Fuchs, der bereits auf der Jagd nach seinem Frühstück ist.

Von unserem Redaktionsmitglied Miriam Rommel

Zugegeben: Es ist bestimmt nicht jedermanns Sache, bereits kurz vor 5 Uhr das Haus zu verlassen, um sich auf die Pirsch nach schönen Fotomotiven zu machen. Wer aber gerne einmal scheue Waldbewohner zu Gesicht bekommen möchte, für den gibt es zu dieser Jahreszeit kaum eine bessere Stunde.

Wenn sich das Licht langsam seinen Weg durch die Bäume bahnt, erwacht der Wald zu neuem Leben. Zwar wabert der Nebel noch träge über den Wiesen und Feldern und alles ist mucksmäuschenstill – aber genau diese ruhige Zeit des Tages nutzen die Tiere, um zu fressen und sich für den kommenden Tag zu stärken.

Aber Vorsicht: Weil gerade der Frühling neues Leben in den Wald bringt, sollten Spaziergänger jetzt besonders achtsam sein. Viele Wildtiere bekommen in diesen Tagen Nachwuchs und fühlen sich deshalb besonders bedroht. Sensibel reagieren sie auf Störungen und verlassen im Extremfall sogar ihre Sprösslinge.

Aus diesem Grund sollten Hunde in der Zeit bis Juli in bewaldeten Gebieten immer an der Leine geführt werden. Zurückhaltung ist aber auch gefragt, wenn man ein vermeintlich verlassenes Jungtier findet. Rehkitze auf keinen Fall anfassen, ruhig liegen lassen und nur aus großer Entfernung beobachten“. Darum bittet die Deutsche Wildtier Stiftung eindringlich alle Spaziergänger, die ein Kitz entdecken.

Denn erst durch Menschengeruch werden Jungtiere wirklich zu Waisen. Ist aber auch nach längerem Beobachten unklar, ob das Tier verlassen ist, sollten die zuständigen Jäger oder Förster informiert werden.

Das Alleinlassen des Nachwuchses bei Wildtieren hat übrigens einen sinnvollen Hintergrund: Viele der Muttertiere suchen ihre Jungen nur zum Säugen auf, um potentielle Feinde nicht darauf aufmerksam zu machen. Ricken halten sich deshalb beispielsweise nur rund 35 Minuten am Tag bei ihren Kitzen auf.

Heikel kann hingegen die Begegnung mit einer Bache werden, denn diese verteidigt ihre Frischlinge bis aufs Blut. Gerät sie in Panik, weil man zwischen ihr und ihren Nachwuchs steht, oder weil ein Hund die Wildschweine aufgeschreckt hat, schaltet sie auf Angriff.

Für jeden, der sich plötzlich einem wütenden Schwein gegenüber sieht, gilt: Leise sein, auf keinen Fall groß machen oder versuchen, die Tiere einzuschüchtern! Stattdessen besser vorsichtig und ohne hastige Bewegungen zurückziehen. Eine rasante Flucht würde übrigens auch gar nichts bringen, denn ein Wildschwein kann ohne Probleme rund 50 Stundenkilometer schnell werden.

Bleibt man auf den Feld- und Waldwegen und hält Abstand zu sämtlichen Tieren, steht jedoch einem schönen Spaziergang und vielen möglichen Beobachtungen nichts im Weg.