Video geht viral: Frau kämpft auf Weihnachtsmarkt gegen Acht-Meter-Wasserfontäne

19. Dezember 2017
Fulda

Ein Video vom Fuldaer Weihnachtsmarkt geht viral! Auf den Bildern ist zu sehen, wie eine Frau vor einem Stand an der Rückseite der Stadtpfarrkirche gegen eine Acht-Meter-Wasserfontäne ankämpft. Wir haben alle Hintergründe zu dem Vorfall und haben auch mit der Frau gesprochen.

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Es ist Freitagabend gegen 22 Uhr kurz nach der gewonnenen Stadtwette in der Fuldaer Innenstadt. Die Stände auf dem Weihnachtsmarkt haben bereits geschlossen. Einige Mitarbeiter sind noch mit letzten Aufräumarbeiten beschäftigt. So auch Melanie Rödiger, die am Stand von „Breuers Weinstube“ an der Ecke Altes Rathaus/Stadtpfarrkirche arbeitet.

„Plötzlich gab es einen ordentlichen Schlag“, berichtet Matthias Nickel. Der Fuldaer hatte die anschließenden Szenen selbst vor Ort beobachtet. Auf dem Video ist zu sehen, wie die Frau gegen eine acht Meter hohe Wasserfontäne ankämpft. Mit einer Vierkantstange ausgerüstet versucht sie, die Leitung abzuriegeln und wird dabei pitschenass. „Ich habe versucht, die Lage schnell zu retten“, sagt Melanie Rödiger.

Video geht viral: Frau kämpft auf Weihnachtsmarkt gegen Acht-Meter-Wasserfontäne

Schaulustige rufen noch, ob sie die Feuerwehr alarmieren sollen. „Selbst ist die Frau“, antwortet Melanie Rödiger lässig. Völlig durchnässt gelingt es ihr schließlich nach wenigen Sekunden, das Wasser abzustellen. Jubel und Applaus der Passanten brandet auf. „Danke, danke!“, entgegnet die Frau, die sich für ihren Einsatz feiern lässt.

„Die Frau wusste, was sie tat“, sagt Matthias Nickel. Stadtsprecher Johannes Heller erklärt auf Nachfrage unserer Zeitung: „Die auf dem im Internet kursierenden Video zu sehende Frau, die den Wasseranschluss zudreht, war zugleich die Verursacherin des Wasseraustritts.“ Die Stadt habe mit ihr bereits Kontakt aufgenommen.

Der 44-jährigen Melanie Rödiger ist die ganze Aufregung um das Video etwas unangenehm. „Ich bin nur einmal im Jahr in Fulda und hatte nicht vor, so in die Öffentlichkeit zu gelangen“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. „Aber Gott sei dank konnte ich das Wasser ja relativ schnell und elegant wieder abschalten.“

Video geht viral: Frau kämpft auf Weihnachtsmarkt gegen Acht-Meter-Wasserfontäne

Und warum spritzte das Wasser meterhoch in den Himmel? „Zur hygienisch einwandfreien Reinigung der Trinkgefäße im betreffenden Weinstand wird Trinkwasser über einen Anschluss, der sich unmittelbar vor dem Verkaufsstand befindet, entnommen“, erläutert Stadtsprecher Johannes Heller

„Bei Marktbeginn (täglich) wird ein Standrohr in den Bodenzylinder eingelassen und der Anschluss entriegelt. Bei Marktende wird der Anschluss verriegelt und das Standrohr entnommen“, sagt Johannes Heller. „Die Standmitarbeiterin wurde darüber belehrt, sich künftig vor Entnahme des Standrohrs über den ordnungsgemäßen Ventilverschluss zu vergewissern.“

Zum Zeitpunkt des Zwischenfalls befand sich nach Angaben der Stadt in dem Bodenzylinder, in den der Wasseranschluss mündet und in den das Standrohr eingelassen war, offenbar Restmüll, wie Servietten oder ähnliches. In der fälschlichen Annahme, das Anschlussventil korrekt verriegelt zu haben, habe die Mitarbeiterin des Weinstands das Standrohr entnommen.

Nass bis auf die Unterhose

„Durch die Schmutzpartikel hatte das Ventil aber nicht korrekt geschlossen, so dass sich bei der Herausnahme des Standrohrs durch den Druck das Wasser meterhoch aus dem Zylinder schoss“, erklärte der Stadtsprecher abschließend. Die Standmitarbeiterin berichtet von Pommes-Pieksern, die in das Rohr geraten waren. Glücklicherweise entstand aber weder ein Personenschaden noch nennenswerter Sachschaden.

Melanie Rödiger wird diesen Abend aber so schnell nicht vergessen. „Ich war nass bis auf die sprichwörtliche Unterhose. Im Eifer des Gefechts habe ich das aber gar nicht so bemerkt“, sagt die 44-Jährige. „Ich wohne seit 15 Jahren in Hamburg. Das waren für mich nur ein paar Tropfen Wasser.“ Zur Wohnung der Eltern hatte sie es nach ihrem beherzten Eingreifen zum Glück nur zwei Minuten zu Fuß. Dort gab es dann erst einmal eine heiße Dusche. / sar