Vom Gespräch zur Prügelei: Bewährungsstrafe und Arbeitsstunden für zwei Fuldaer

07. Dezember 2017
Fulda

Warum ein Gespräch zur handfesten Schlägerei eskalierte, wurde auch nach vier Stunden Verhandlung nicht geklärt. Ein Urteil konnte Richter Christoph Mangelsdorf trotzdem sprechen: Beide Angeklagten, 17 und 20 Jahre alt, müssen Arbeitsstunden verrichten. Der Jüngere erhielt zudem eine Bewährungsstrafe. Sie haben im März dieses Jahres einen 21-Jährigen vor dem S-Club verprügelt.

Von unserem Redaktionsmitglied Daniela Petersen

Beide Angeklagte sind noch jung, unter 21 Jahre. Und beide haben schon einige Einträge im Strafregister. Der 20-Jährige wegen Körperverletzungen, die allerdings schon über ein Jahr zurückliegen. Und der 17-Jährige unter anderem wegen schwerer, räuberischer Erpressung. Bei der Polizei wird er sogar als junger Mehrfach- und Intensivtäter geführt.

Der Vorfall vor dem S-Club ereignete sich in den frühen Morgenstunden des 25. März dieses Jahres. Die beiden Angeklagten, die zusammen unterwegs waren, sollen zunächst mit dem 21-Jährigen gesprochen haben. Er ist ein Bekannter des Jüngeren. Als der Streit eskalierte, habe der 20-Jährige laut Anklage dem Opfer einen Schlag sowie eine Kopfnuss verpasst. Dem 17-Jährigen warf die Staatsanwaltschaft vor, den 21-Jährigen gegen das Gesicht getreten zu haben.

Wer den Streit provozierte, blieb bei der Verhandlung gestern am Amtsgericht Fulda im Dunkeln. Das Opfer räumte ein, „dass es gut möglich“ sein könne, selbst Beleidigungen ausgesprochen zu haben. Er sei betrunken gewesen und könne sich nicht mehr genau an den Ablauf erinnern. Ein Satz hallte ihm – und auch seinem Kumpel, der dabei war und als Zeuge aussagte – aber noch im Ohr: „Wenn ihr mich anzeigt, steche ich euch ab.“ Das soll der 17-Jährige nach der Prügelei gesagt haben. Die Verletzungen sprechen jedenfalls eine deutliche Sprache: Der 21-Jährige hatte ein dunkles Veilchen, litt an einer Gesichtsprellung und Kopfschmerzen.

Während der 17-Jährige zu-gab, den 21-Jährigen getreten zu haben – ohne Schuh, weil er diesen zuvor beim Gerangel verloren hatte, erklärte der 20-Jährige, nicht geschlagen zu haben. „Ich wollte die beiden nur voneinander trennen“, sagte er. Sein Verteidiger Knut Hillebrand plädierte daher auf Freispruch. Richter Mangelsdorf verurteilte den 20-Jährigen aber zu 70 Arbeitsstunden. Außerdem muss er an einem sozialen Projekt teilnehmen.

Den 17-Jährigen verurteilte der Richter zu einem Jahr auf Bewährung, bei einer Bewährungszeit von zwei Jahren. Darüber hinaus muss er ebenfalls Arbeitsstunden ableisten und für drei Monate eine Fußfessel tragen. Sein Bewährungshelfer hatte das und auch die Arbeitsstunden angeregt. „Er braucht eine klare Struktur, eine Aufgabe. Andernfalls ist es nur eine Frage der Zeit, bis wieder etwas passiert“, erklärte der Bewährungshelfer.

Jörg-Thomas Reinhard, Verteidiger des 17-Jährigen, wertete den Tritt als Notwehr und forderte in seinem Plädoyer eine „maßvolle Erhöhung der Bewährungsstrafe“ sowie ein Antiaggressionstraining.

Ein solches Training hatte der 17-Jährige aber bereits bekommen und abgebrochen, genau wie eine Ausbildung. Staatsanwältin Heike Meeuw-Wilken sah bei ihrer Ausführung vor dem Urteilsspruch daher keine positive Sozialprognose. „Trotz engmaschiger Bewährungsauflagen sind in diesem Jahr zwei Vorfälle passiert. Ich habe keinen Anhaltspunkt für eine weitere Bewährung“, erklärte die Staatsanwältin, die vorschlug, die Jugendstrafe auf ein Jahr und drei Monate aufzustocken.