Wette veränderte alles: Micha Klotzbier – vom Schwergewicht zum Athleten

07. August 2017
Hosenfeld

Was haben eine Raupe und ein 160-Kilo-Mann gemeinsam? Michael Klotzbier weiß es. Der Hosenfelder, in seiner Jugend ein aufstrebender Fußballer, wog mit 35 Jahren mehr als drei Zentner. Heute, zweieinhalb Jahre später, ist er Marathonläufer.

Von unserem Redaktionsmitglied Josephin Chilinski

Michael Klotzbier, den alle nur Micha nennen, ist 37 Jahre alt, Vater eines fünfjährigen Kindes und arbeitet im Bereich Business Development für eine Onlineagentur in Berlin und Frankfurt. Das klingt relativ normal. Oder? Micha Klotzbier macht aber noch mehr als das. Er läuft einen Halbmarathon zum Frühstück.

Mit seinem Trainer Piet Könnicke hat er ein eigenes Konzept entwickelt, das sich um Gesundheit, Ernährung und Bewegung dreht. Und er erzählt die Heldengeschichten anderer Läufer. Nun aber erst mal zu seiner eigenen. Selbstbewusst betritt der gebürtige Hosenfelder die Redaktion. Er plaudert munter drauflos, reißt gern mal einen Witz, während er redet, und lacht viel.

Das war nicht immer so: Im Jahr 2014 wiegt Klotzbier 160 Kilo. Mit seinem damals zwei Jahre alten Sohn herumzutollen, fällt ihm schwer. Beim Canyoning mit seinen Kumpels kann er nicht mitmachen, weil die Sicherung ihm nicht passt. Und im Flugzeug wird er von der Stewardess gefragt, ob er eine Verlängerung für seinen Gurt benötigt. Klar, er will abnehmen, versucht es mit Weight Watchers und einer Kohlsuppendiät. Trotzdem purzeln die Pfunde nicht.

Das Skurrile daran: Als Jugendlicher ist Klotzbier aufstrebender Fußballer bei der Spvgg. Hosenfeld, ist Teil der Hessenauswahl um Sebastian Kehl und Timo Hildebrand und steht vor dem Sprung in den Profifußball. Dann machen ihm zwei Kreuzbandrisse hintereinander einen Strich durch die Rechnung. Dazu kommt ein verpatztes Abitur und die Trennung von der Freundin.

Er verliert seinen Sport und damit viele seiner Freunde und beginnt, sich vollzustopfen – aus Langeweile und Frust. Immerhin nutzt er die Zeit, sich Gedanken um seine berufliche Zukunft zu machen. Er zieht von Hosenfeld über Kassel und Köln nach Berlin, wo er Marketing studiert. Sein Gebiet: Vermarktung, Vertrieb und Kooperationen.

Vom angehenden Profifußballer mit 75 Kilogramm zum 160-Kilo-Schwergewicht – damit ist eigentlich schon viel erzählt. Und doch nimmt Michas Entwicklung 2014 noch mal eine deutliche Wendung – während des WM-Spiels Deutschland gegen Ghana. Micha und sein Kumpel, zwei Dänen, viel Bier, eine Wette: Marathon. Klotzbiers Freund schlägt direkt ein.

„Dafür bin ich ihm heute dankbar“, sagt der 37-Jährige. Als er sieht, dass der 42-Kilometer-Lauf auch noch auf seinen Geburtstag fällt, hegt er keinen Zweifel mehr. Er lässt sein Auto stehen, fährt pro Tag 20 Kilometer Fahrrad, lässt am Abend die Kohlenhydrate weg. Doch nicht nur das. Zum 1. Januar 2015 kündigt er seinen Job, in dem er bis dahin nicht glücklich ist und fängt bei Hajo Schumacher alias Achim Achilles an. Auf der Plattform des renommierten Journalisten und Autors zum Thema Laufen, Ernährung und Gesundheit führt Micha ein Abnehmtagebuch. Tausende verfolgen seine Verwandlung. Medien wie der „Spiegel“ und „Sat1“ begleiten ihn. Er wird zu einem bunten Hund.

Was den Leuten gefällt: Klotzbier ist echt. Seine Follower lesen nicht nur von Erfolgen. Sie erfahren auch, wenn die Waage mal wieder ein Kilo mehr anzeigt. Denn Micha möchte nicht nur noch für den Marathon leben. „Ich bin auch Arbeitnehmer und Vater. Ich will immer noch abends mit meinen Kumpels in der Kneipe sitzen und ein Bier trinken.“ Also setzt er darauf, sein Ziel mit Spaß, gesund und „in den Alltag integriert“ zu erreichen.

Während er verschiedene Ernährungsstile durchprobiert – mal vegan isst, mal fastet – und Sportarten wie Nordic Walking, Aquajogging und Yoga testet, verwandelt sich nicht nur sein Körper. Als Micha nämlich am 25. September 2016 den Marathon in 4,5 Stunden läuft, ist es mit dem Training nicht vorbei. Das Gewicht wird zu seiner Lebensaufgabe.

Mit seinem Trainer entwickelt Klotzbier eine Plattform für Menschen, die ihren Lebensstil nachhaltig verändern wollen, teilt seine Erfahrungen, kleine Erfolge und Tipps. Auf deinbigstep.de errichtet er eine Community, castet Leute, die mit ihm trainieren. Er sieht sich selbst als „Lobbyist der Dicken“ und will mit Vorurteilen gegenüber Schwergewichtigen aufräumen. „Schließlich kenne ich jetzt beide Seiten.“

Außerdem gründet der Hosenfelder eine Heldenstaffel. Denn im Laufe seiner eigenen wird Micha auf „noch viel krassere“ Geschichten aufmerksam, wie die einer Frau, die dem Krebs davonläuft, oder die eines Mannes, der laufend seine Alkoholsucht bekämpft. Er wird empathischer, kreativer, gewinnt an Lebensqualität. Wie eine Raupe entwickelt er sich allmählich zum Schmetterling, frisst sich anstelle eines Kokons durch den Dschungel von Ernährungsstilen und Sportarten.

In den kommenden Monaten möchte Klotzbier, der mittlerweile seinen Zweitwohnsitz wieder in der Heimat hat, seinen Lebensmittelpunkt zurück nach Fulda verlegen. Auch in Osthessen sieht er zahlreiche Möglichkeiten, Menschen auf seine Reise mitzunehmen. In diesem Jahr ist Micha wieder Botschafter für den bereits dritten Nikolauslauf in Hofbieber, lädt zu Lauftreffs ein. Und sein Kopf ist immer noch voll von Ideen, für die er Partner sucht.

Auch seine nächste Wette läuft bereits. Dafür tritt Micha im September gegen Hajo Schumacher im Triathlon an. Der Verlierer muss sich die Initialen des anderen tätowieren lassen. Mutig? Verrückt? Eins ist jedenfalls sicher: Stillstand kennt der 37-Jährige nicht mehr.

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Motivation

Micha Klotzbier ist kein Sixpack-Schönling, keine Fitness-Queen, kein Extremsportler. Er ist der Typ von Nebenan: der Fußball mag, gern mal ne Haxe isst und ein Bier trinkt. Und der genug hatte vom Dasein als übergewichtiger Couch-Potatoe, der auf bestem Weg war, hinter all die Folgen ungesunder Lebensweise einen Haken zu machen: Bluthochdruck, Diabetes, Herzinfarkt.