Woide will vor Ort Kompromisse suchen

Vertreter von 15 Anti-Windkraft-Bürgerinitiativen im Kreis sprechen mit Landrat

09. Juli 2013
Kreis Fulda

Zum ersten Mal kamen Vertreter aller 15 lokalen Anti-Windkraft-Initiativen im Landkreis Fulda zusammen. Sie diskutierten mit Landrat Bernd Woide (CDU) im Landratsamt in Fulda.

"Die Atmosphäre war sachlich und kritisch", berichtete Woide nach dem Gespräch, das ohne Öffentlichkeit stattfand. Offensichtlich hatten sich beide Seiten viel zu sagen, denn das Gespräch dauerte statt der angesetzten zwei tatsächlich drei Stunden.

"Wir müssen die Bürgerinitiativen bei der Energiewende mitnehmen. Es wird immer Konflikte geben, aber wir wollen vor Ort Lösungen finden, die möglichst wenig schmerzhaft sind", sagt Woide.

Die Initiativen und Woide vereinbarten, die Diskussion auf zwei Ebenen fortzusetzen. In einer kreisweiten Arbeitsgruppe soll jede Bürgerinitiative mit einem Repräsentanten vertreten sein. Die Gruppe soll Fragen besprechen, die landesweit entschieden werden, wie etwa die Frage der Mindestabstände zwischen Siedlungen und Windrädern. "Da soll auch die Landespolitik einmal dazu kommen und sich erklären", kündigte der Landrat an.

Wenn die Experten des Regierungspräsidiums in den nächsten Monaten ihre Konzepte entwickeln, über welche Fläche in der zweiten Offenlegung Anfang 2014 diskutiert werden soll, sollten Bürgerinitiativen und Bürgermeister, eventuell auch Energiegenossenschaften, sehr früh in einen Diskussionsprozess eintreten. Sie sollen vor der zweiten Offenlegung vor Ort das Für und Wider der einzelnen Standorte ausdiskutieren. Am Ende soll im Idealfall für jedes mögliche Windkraftgebiet ein Kompromiss stehen, mit denen alle Beteiligten leben können.

"Die regionale Akzeptanz ist extrem wichtig. Eine Energiewende gegen die Mehrheit der Betroffenen gelingt nicht. Deshalb müssen die Parteien diskutieren, ob wir jetzt von dem Dogma herunterkommen, dass zwei Prozent der Landesfläche für Windräder reserviert werden müssen", äußerte der Fuldaer Landrat.

Ortsgemeinschaft Dammersbach, Pro Natur Soisberg, Gegenwind Buchfinkenland (Michelsrombach), Verein zur Erhaltung der Kulturlandschaft am Hühnerberg (Burghaun), Pro Lebensraum Kiebitzgrund (Burghaun), Schützt den Mittelberg Hünhan-Burghaun, Keine Windräder in den Wäldern von Marbach, Bürgerinitiative Dietershan, Bürgerinitiative Langenbieber, Aufgewacht Ebersburg, Windstille Neuhof, Rückenwind für den Rippberg (Rothemann), Pro Lebensraum Großenlüder, Bad Salzschlirf gegen Windkraft, Gegenwind Hosenfeld-Jossa. / vn

Kreis Fulda Die SPD-Landtagsabgeordnete Sabine Waschke fordert Bürgermeister und Gemeindevertreter im Kreis auf, nach der ersten Offenlegung des Regionalplans Spielräume zu nutzen, um Einfluss zu nehmen auf die Grenzen der Windflächen. Dazu sollten sie Gespräche mit der Regional- und Bauleitplanung im RP Kassel führen. Jeder Fall sei vor Ort zu prüfen. Man könne Windrad-Standorte hinter Hangkanten legen, um Orte optisch zu entlasten. Waschke schlägt einen Runden Tisch aller Beteiligten einschließlich der betroffenen Bürger vor, um die Aufgaben zur Ausweisung der Windflächen gemeinsam zu lösen. Dies hätte Landrat Bernd Woide (CDU) schon zu Anfang des Diskussionsprozesses tun sollen. vn