Massig Überstunden, finanzieller Druck: Viele Hebammen geben ihren Job auf

25. November 2014
FULDA

Teilzeitarbeit, Personalmangel, Überstunden: Die Arbeitsbedingungen für Hebammen haben sich laut dem deutschen Hebammenverband stark verschlechtert. Viele würden demnach nicht mehr in Kliniken arbeiten wollen. Und freiberufliche Hebammen geraten zunehmend unter finanziellen Druck.

Die deutschen Hebammen stehen nach Ansicht ihres Verbandes bundesweit vor großen Problemen. Die Situation in Kliniken werde für die Geburtshelferinnen immer schlechter, kritisierte die Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands (DHV), Martina Klenk, zum Auftakt der Bundesdelegiertenversammlung in Fulda (bis 27. November). „Eine flächendeckende Versorgung bei Schwangerschaft, Geburt und Wochenbett ist schon jetzt nicht mehr gegeben." Die gesetzlich zugesicherte Wahlfreiheit des Geburtsortes gebe es in vielen Regionen nicht mehr, weil die freiberufliche Geburtshilfe weggefallen sei. Außerdem werde sie in wenigen Kliniken zentralisiert.

Wegen dieser Tendenz zur Zentralisierung sei die Versorgung der Frauen mit Geburtshilfe „massiv in Gefahr", warnte Klenk. In den Kommunen sollte eine Basisversorgung sichergestellt werden, mit hausärztlicher Hilfe, Pflegedienstleistungen und mit Hebammenhilfe. „Diese drei Säulen müssen wohnortnah angeboten werden und können nicht zentralisiert werden", forderte die Verbandspräsidentin, die mehr als 18.500 Mitglieder vertritt.

„Viele möchten nicht mehr in Kliniken arbeiten"

Der Verband beobachtet mit Sorge: Immer mehr offene Hebammen-Stellen in der klinischen Geburtshilfe würden nicht mehr nachbesetzt. „Die Arbeitsbedingungen der Hebammen in den Kliniken sind mittlerweile so schlecht, dass viele nicht mehr dort arbeiten möchten", sagte Klenk. Eine Umfrage habe kürzlich ergeben: Massig Überstunden, zunehmende Teilzeitarbeit, hoher Personalmangel und immer mehr berufsfremde Tätigkeiten seien mittlerweile an der Tagesordnung.

Der Verband fordert auch, präventive Leistungen der Hebammen anzuerkennen und Hebammenhilfe in das derzeit diskutierte Präventionsgesetz aufzunehmen. Von der Raucherentwöhnung über die Ernährung bis zur Bewegung helfen Hebammen laut Klenk bereits ab der Frühschwangerschaft, um Erkrankungen vorzubeugen.

Kostenrückerstattung bei Geburtsfehlern

In den vergangenen Jahren hätten immer mehr freiberufliche Hebammen aufgegeben, weil sie steigende Haftpflichtprämien finanziell unter Druck setzten. Zahlten Hebammen im Jahr 2004 noch 1352 Euro für die Versicherung, ist es heute fast das Vierfache. Die hohen Prämien betreffen jene 3000 der gut 17.000 freiberuflichen Hebammen, die auch Geburtshilfe leisten.

Krankenkassen können sich Behandlungskosten nach einem Geburtsfehler von der Hebammen-Haftpflicht zurückerstatten lassen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte im Oktober angekündigt, die steigenden Haftpflichtprämien bremsen zu wollen. / dpa, sps