Sabotage? Eiterfelder Windkraftanlagen mehrfach zum Stillstand gebracht

29 dic 2016 / 16:42 H.
Eiterfeld

Windkraftanlagen im Visier von Randalierern: Dreimal haben Unbekannte zuletzt in die beiden Windräder zwischen den Eiterfelder Ortsteilen Körnbach und Leimbach eingebrochen. Sie zerstörten Inventar, sie brachten die Anlagen zum Stillstand. Die Polizei sieht einen Zusammenhang zwischen den Taten. Der Betriebsleiter verdächtigt Windkraftgegner.

Von unserem Redaktionsmitglied Markus Kubiak

Es fing Mitte November an. Am 19. November brachen die Unbekannten zum ersten Mal in den Betriebsraum einer der beiden Anlagen ein. Ein Feuerlöscher wurde aus der Verankerung gerissen und ausgelöst. „Das war eine Sauerei“, sagt der Mühlenwart.

Er ist für den Betrieb der Anlage zuständig, kommt aus der Marktgemeinde. Seinen Namen möchte er nicht öffentlich nennen – aus Angst vor Anfeindungen. An beiden Masten betätigten die Täter zudem den Notfall-Stopp.

Die Rotoren hörten auf, sich zu drehen. Selbiges geschah nur wenige Tage später, am 23. November, erneut. Die Täter drückten erneut die Notabschaltung. Wieder stand die Anlage stundenlang still, produzierte keinen Strom.

Sabotage? Eiterfelder Windkraftanlagen mehrfach zum Stillstand gebracht

Der zerstörte Schaltschrank der Anlage. / Foto: Markus Kubiak

Der bislang letzte Vorfall ereignete sich am Montag, dem zweiten Weihnachtsfeiertag. Einmal mehr verschafften sich die Täter Zugang zu einer der beiden Anlagen, öffneten den Schaltschrank und zerstörten die Technik im Inneren. Zudem entleerten sie erneut einen Feuerlöscher.

Bis zum heutigen Donnerstag konnte das Windrad wegen des Technikschadens nicht wieder in Betrieb genommen werden. Für Dirk Raudies ist die Sache klar: „Das ist kein Dummer-Jungen-Streich mehr. Das war geplant, um die Anlage zu stoppen“, sagt der Betriebsführer des Mini-Windparks aus der Nähe vom Bodensee.

10.000 Euro Schaden seien inzwischen zusammengekommen, erklärt er. Raudies vermutet gezielte Sabotage und meint sogar, einen Schuldigen gefunden zu haben: Windkraft-Gegner. „Ich kann mir gut vorstellen, dass dies ein „Windfreund“ war.“

Tatsächlich war der Widerstand gegen weitere Windkraftanlagen rund um Eiterfeld in der Vergangenheit groß. Unmittelbar vor dem letzten Einbruch an Weihnachten hatte das Regierungspräsidium Kassel grünes Licht für neun weitere Windkraftanlagen in der Marktgemeinde – nahe Buchenau – gegeben. Ist der Vandalismus nun eine Art Vergeltung?

Sabotage? Eiterfelder Windkraftanlagen mehrfach zum Stillstand gebracht

Den Notschalter betätigten die Unbekannten mehrmals. / Foto: Markus Kubiak

Hermann-Josef Scheich, parteiloser Bürgermeister von Eiterfeld, widerspricht: „Ich kann mir in keinster Weise vorstellen, dass jemand versucht, durch Zerstörung ein Umdenken zu erreichen.“ Die Debatte sei bisher stets konstruktiv gewesen. „Da bringt Vandalismus doch nichts“, sagt Scheich.

Die Polizei gibt sich zurückhaltend. Man vermute, dass es sich um ein und den selben Täter handelt. Er oder sie sollen stets mit einem kleinen Motorrad mit Stollenbereifung zu den Tatorten gelangt sein. Doch Hinweise, warum die Taten begangen wurden, gebe es bisher keine. „Das wissen wir erst, wenn wir den Täter geschnappt haben“, erklärt ein Sprecher des Polizeipräsidiums Osthessen.

Die beschädigten Anlagen stehen bereits seit 15 Jahren zwischen den Eiterfelder Ortsteilen. Laut Mühlenwart habe es vor diesem November noch nie Vandalismus gegeben. Damit die beiden Windräder davon künftig wieder verschont werden, denkt der Betreiber nun über eine Videoüberwachung nach.

Hinweise zu der Tat bitte an die Polizei in Fulda, Telefon: (0661) 10 50, oder über die Onlinewache der Hessischen Polizei.

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