Franziska Görn schulte Einwohner in Nicaragua in Brillen-Herstellung

Franziska Görn schulte Einwohner in Nicaragua in der Herstellung von Brillen

02. Mai 2014
Rasdorf/San Carlos

Von Rasdorf nach Nicaragua: Über den Verein "OneDollarGlasses" reiste Franziska Görn (27) für einen Monat nach Zentralamerika. Dort hat die Optikermeisterin Einwohnern die Herstellung von Brillen beigebracht. Denn nur wer gut sieht, hat die Chance auf eine Arbeitsstelle oder kann am Schulunterricht teilnehmen.

Geduld und vor allem eine gewisse Portion an Fingerspitzengefühl sind nötig, um eine der Ein-Dollar-Brillen herzustellen. Mit den Modellen kennt sich Franziska Görn mittlerweile gut aus. "Wer schon öfter eine Brille gefertigt hat, braucht dafür 45 Minuten", weiß die 27-Jährige. Doch bevor die Rasdorferin in Nicaragua anderen die Fertigung beibringen konnte, musste auch sie das "Brillen-Biegen" erst lernen. All das lief über den Verein "OneDollarGlasses". Wie der Name schon vermuten lässt, kostet das Material für eine Brille einen Dollar.


Durch eine Kollegin ist Franziska Görn auf das Projekt gestoßen. "Für mich war es schon lange ein großer Traum, ins Ausland zu gehen und eine andere Kultur kennenzulernen", berichtet die 27-Jährige. "Als ich von 'OneDollarGlasses' erfuhr, habe ich die Chance ergriffen." Im Januar saß sie dann im Flieger auf dem Weg nach Nicaragua. "Was mich dort erwarten würde, wusste ich nicht genau. Mit dem Land kannte ich mich noch nicht so gut aus", blickt Franziska Görn mit einem Lächeln auf den Anfang ihrer Reise zurück.


An einem Samstag kam die 27-Jährige in der Stadt San Carlos an, direkt am Montag ging die Ausbildung los. Zwölf nicaraguanische "Schüler" sollten den Lehrgang absolvieren, am Ende waren drei von ihnen wirklich am Ball geblieben. "In der Gruppe hat manchen einfach die handwerkliche Begabung gefehlt, andere haben es schlichtweg nicht ernst genommen. Es ist schade, dass sie die Chance, die ihnen geboten wurde, nicht angenommen haben", sagt Franziska Görn.

Nichtsdestotrotz berichtet sie weitgehend positiv über ihren Aufenthalt: "Es war toll zu beobachten, welche Fortschritte die Jungs und Mädels gemacht haben."


Drei Tageslöhne zahlt ein Einheimischer für eine fertige Brille. Sie besteht aus einem leichten, flexiblen und stabilen Federstahlrahmen und vorgeschliffenen Gläsern aus Polycarbonat-Material, das sehr günstig und somit auch für arme Menschen bezahlbar ist. Eine Biegemaschine wird jedem Lehrling vom Verein gestellt und aus Spenden finanziert.


In erster Linie ging es Franziska Görn und ihren Kollegen um die Ausbildung. Allerdings kamen auch immer wieder Einheimische, für die die Rasdorferin Brillen fertigte. "Es war ganz toll dabei zu sein, als die Menschen plötzlich wieder lesen oder Geldscheine erkennen konnten", sagt die 27-Jährige.


Ihre drei Schüler, die die Ausbildung erfolgreich abgeschlossen haben, verkaufen derzeit schon die Ein-Dollar-Brillen. "Wenn sie das etwa ein oder zwei Jahre gemacht haben, werden sie bald auch andere Menschen ausbilden können", erklärt die Rasdorferin und fügt hinzu: "Das ist das Tolle an dem Projekt: Es ist nachhaltig."