Günter Sagan präsentiert sein neues Buch "Rasdorf und der 17. Juni 1953"

Autor Günter Sagan präsentiert sein neues Buch "Rasdorf und der 17. Juni 1953"

31. März 2014
Rasdorf

Der Verein zur Förderung der Heimat- und Kulturpflege Rasdorf hat im Gasthof Zum Adler ein neues Buch von Günter Sagan – "Rasdorf und der 17. Juni" – vorgestellt.

Viele Gäste aus Rasdorf, Großentaft und Geisa waren zur Buchvorstellung erschienen, die entweder die in dem Werk beschriebenen Vorgänge unmittelbar erlebt oder sie von Familienmitgliedern erzählt bekommen haben. Wendelin Priller, Abteilungsleiter bei der Vereinsabteilung "Aufarbeitung und Dokumentation der Heimatgeschichte", unterstrich, dass mit der Realisierung des Projekts viel Arbeit verbunden war. Er bedankte sich daher beim Autor Günter Sagan und bei Hermann-Josef Hahn, der bei der Materialbeschaffung kräftig mitgeholfen hatte.

Sagan, der seit 18 Jahren zur neueren Geschichte publiziert, liefert in dem Buch "Rasdorf und der 17. Juni 1953" eine umfassende Darstellung der Ereignisse vor 60 Jahren. Die Aufarbeitung ist mit Dokumenten, 90 Schwarz-Weiß-Bildern und Quellen belegt und hat sowohl für die Heimat- als auch für die gesamtdeutsche Geschichte einen hohen Stellungswert.

Zwischen 1953 und 1979, erklärte der Autor, habe sich Rasdorf als Mittelpunkt für geschichtliche Veranstaltungen herauskristallisiert. Sagan berichtete während der Buchvorstellung von Dokumenten und Augenzeugenberichten, die Teil des Buches sind und die seine Darstellung lebendig machen.

Am 4. Juli 1945 war die Grenze zwischen Rasdorf und Geisa errichtet worden – und der Ort war plötzlich einer der östlichsten Punkte der Bundesrepublik. Eine Weile lang war es jedoch noch möglich, von Geisa nach Rasdorf zu flüchten. Wenige Jahre später, 1952, wurden in der damaligen DDR Menschen von der innerdeutschen Grenze zwangsumgesiedelt, der Tarnname dafür lautete "Aktion Ungeziefer". Das Gasthaus Zum Adler, besser bekannt als Gasthaus Stark, in dem die Buchpräsentation stattfand, sei damals eine Zufluchtsstelle für flüchtende Menschen gewesen.


In den Tagen vor dem 17. Juni 1753 kam es in Ost-Berlin zu Streiks, Demonstrationen und Protesten. Die Nachricht von dem Aufstand hatte sich schnell bis nach Rasdorf verbreitet. Neugierig und aufgeregt hätten die Menschen dies alles damals auf der Straße diskutiert, berichtete Günter Sagan.


In den folgenden Jahren fanden immer Kundgebungen am 17. Juni statt, der bis zur Wiedervereinigung als Tag der Deutschen Einheit Nationalfeiertag war. 1961 kamen rund 6000 Menschen zu einer Großveranstaltung nach Rasdorf, darunter auch Bundesaußenminister Heinrich von Brentano. Mit Reden, Musik und einem Mahnfeuer hätten die Menschen gezeigt, dass Deutschland ungeteilt bleiben solle.

Die Fotos in Sagans Buch, das vom Verein zur Förderung der Heimat- und Kulturpflege herausgegeben wird, zeigen die Ereignisse eindrucksvoll. Wichtige Orte seien Rasdorf und Geisa auch nach der Wiedervereinigung geblieben; davon zeuge etwa die Gedenkstätte Point Alpha. Stolz könne man auch auf die jährliche Verleihung des Pont-Alpha-Preises sein, mit dem viele bedeutende Politiker geehrt wurden. "Rasdorf leistete einen beachtlichen Beitrag für die gesamtdeutsche Entwicklung", so schloss Günter Sagan seine Buchpräsentation.

Günter Sagan: Rasdorf und der 17. Juni 1953. Der Beitrag einer Zonengrenzgemeinde zur gesamtdeutschen Erinnerungskultur. 112 Seiten. 10 Euro. Michael Imhof Verlag.